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Münster, 07.12.2016
Lettische Kunstausstellungen im Dezember 2016 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 03. Dezember 2016 um 00:00 Uhr

Wie das scheinbar Surreale unsere scheinbare Realität entlarvt

Dimiters: Romeo und JuliaZwei Künstler, die Szenographie an der Rigaer Kunstakademie studierten, haben nun große Werkausstellungen. Der eine stellt das Thema Militär und Krieg zur Debatte, der andere vereint das Unvereinbare zu surrealistischen Visionen. Surreal, unlogisch und ein Ausdruck unseres Seelenlebens ist der Traum, sowohl als unbewusster Nacht- als auch als halbbewusster Tagtraum. Die Kuratoren des Mark-Rothko-Zentrums in Daugavpils motivierten zehn Künstler, ihr Verhältnis zum Traum künstlerisch zu verarbeiten. Im Nationalmuseum gedenkt man der Pastellzeichnerin Felicita Pauluka, die 2014 gestorben ist.

Juris Dimters: Romeo und Julia, Foto: LNMM

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Der 30. November 1941 in Riga PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 30. November 2016 um 00:00 Uhr

Als die Nazis vor 75 Jahren einen Adventstag in einen Blutsonntag verwandelten

Gedenken im Wald von Rumbula„An diesem ersten Advent des Jahres 1941 läßt der `Höhere SS- und Polizeiführer` Jeckeln eine Tötungsmacht von `mindestens 1.000, maximal 1.700 Männern` gegen die Juden des Ghettos aufziehen. Unter ihnen befinden sich fast alle deutschen Schutz- und Ordnungspolizisten, die in Riga stationiert sind, einschließlich ihrer Offiziere,“1 schreibt die Historikerin Anita Kugler. Sie hat die Biographie des eigenartigen Eleke Scherwitz erforscht, der in Riga während der deutschen Besatzungszeit ein KZ-Außenlager leitete. Er hatte versucht, viele seiner Gefangenen zu retten und es gibt Hinweise, dass Scherwitz selbst jüdischer Herkunft war. In diesem Zusammenhang hat Kugler auch die Taten der deutschen Besatzer umfassend dokumentiert. Die Jagd auf Juden begann gleich nach dem Einfall der Deutschen Wehrmacht, ab dem Juni 1941. Sonderkommandos und SS konzentrierten ihre Opfer zunächst in den Ghettos von Liepaja (Libau), Daugavpils (Dünaburg), Ludza (Ludsen) und Paplaka. Im Ghetto von Riga sollte sich im Herbst 1941 das ereignen, was die Historiker als eine der größten Mordaktionen des Holocaust verzeichnen werden. Die Nazis versäumten in ihrer Propaganda nicht, Letten gegen ihre jüdischen Mitbürger aufzuhetzen, einige von ihnen zur Kollaboration zu verführen. Stalins Tschekas hatten zuvor im Land gewütet. Für Hitler und Goebbels waren Bolschewisten, die Letten hingerichtet oder deportiert hatten, Teil der jüdischen Weltverschwörung. Letten ließen sich als Hilfspolizisten anheuern, die bei der Verfolgung halfen und die Ghetto-Insassen zur Exekutionsstätte transportierten. Das etwa 300 Mann starke Sonderkommando von Viktors Arajs beteiligte sich am Massenmord. Als Teil der „Endlösung“ verschleierten die Nazis auch diese Untat technokratisch: Diesmal nannten sie ihren Mordplan „Umsiedlung“2. Ab vier Uhr morgens werden die Ghetto-Bewohner aus ihren Wohnungen gezerrt. Schutzpolizisten schieben Wache, dass niemand entkommt. „Kinder drängen sich an ihre Mütter, Familien verlieren sich, es wird gesucht, es wird geschrien, es wird geweint, die Temperatur beträgt 7,5 Grad minus. Alte, Kranke, gehbehinderte Menschen werden von lettischen Kommandos auf offene Lastwagen geworfen und abtransportiert. Erste Schüsse fallen, dann viele. Allein auf der Ludzas iela bleiben 300 Menschen liegen, im ganzen Ghetto etwa 800.“3 Es war organisiertes Chaos. Aus Deutschland, dem besetzten Österreich und Tschechien sollten bald Eisenbahnwaggons mit deportierten `reichsdeutschen` Juden anrollen. Für sie musste im Ghetto Platz gemacht werden, deshalb mussten die lettischen Juden sterben. Nazis waren Meister der Auslese: Unter den lettischen Juden wurden zunächst junge starke Männer verschont, sie mussten in einen gesonderten Teil des Ghettos umziehen, sie ahnten, ihre Verwandten nicht mehr wiederzusehen. NS-Fehlplanung büßten die Opfer: „Um neun Uhr erreicht die erste Kolonne den Wald von Rumbula. Ihr Marsch ist unterwegs ein wenig verzögert worden, denn inzwischen ist auf dem nahe gelegenen Güterbahnhof Skirotava ein Zug der Reichsbahn mit 942 Juden aus Berlin angekommen. Zu früh angekommen? Es ist eine offene Frage, aber sie macht die Menschen nicht mehr lebendig. Die 942 Juden aus Berlin werden als erste zu den Gruben geführt und ohne Ausnahme zwischen 8.15 und 9 Uhr erschossen.“4

Gedenken am 29.11.2016 im Wald von Rumbula, Foto: Saeimas Administrācija

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Protest gegen Sozialabgaben in Kleinunternehmen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 26. November 2016 um 00:00 Uhr

Regierung fürchtet Missbrauch, Demonstranten bangen um ihre soziale Existenz

Protest vor der SaeimaWährend der finalen Haushaltsdebatte beschlossen die Parlamentarier eine Gesetzesänderung, gegen die etwa 250 Demonstranten vor dem Eingang zur Saeima protestierten. Ab 2017 sollen Beschäftigte in steuerbegünstigten Kleinunternehmen nach und nach dazu verpflichtet werden, Sozialabgaben zu zahlen. Was sozial klingt, könnte die soziale Situation für manche Geringverdiener noch verschlimmern. Denn auch in Lettland leben Selbständige und Scheinselbständige häufig am Existenzminimum. Fortan sollen sie monatlich einen Betrag von etwa 130 Euro oder mehr in die Staatskasse einzahlen und somit Renten und medizinische Versorgung mitfinanzieren. Der vom Fiskus einkassierte Mindestbetrag orientiert sich am zukünftigen monatlichen Mindestlohn von 380 Euro, bei dem neben der Flattax von 23 Prozent zusätzlich 10,5 Prozent Sozialabgaben fällig sind. Von letzteren übernimmt der Arbeitgeber wiederum 70 Prozent. Ein Mini-Selbständiger, der in seinem Betrieb der einzige Beschäftigte ist, muss also für sich sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil bezahlen. Und ein Angestellter, der vielleicht nur wenige Stunden aushilft, ist zu Sozialabgaben in der Höhe des Mindestlohns verpflichtet. Für so manchen dürfte sich dieses Erwerbsmodell bald nicht mehr lohnen. Vertreter der Regierungskoalition verteidigten diese Gesetzesänderung, die von der Opposition abgelehnt wird.

Angeordnete werden von Demonstranten empfangen, Foto: Reinis Inkēns, Saeimas Administrācija

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