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Münster, 11.12.2017
Lettlands Talka an mehr als 2000 Stellen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 04. Mai 2017 um 00:00 Uhr

Auch im „Kleinen Lettland“ bei Freiburg waren freiwillige Müllentsorger aktiv

Talka am Haus BerzaineDer Aufruf zur großen alljährlichen „Talka“, der ehrenamtlichen Müllsammelaktion, hat in diesem Jahr eine Rekordzahl an Teilnehmern erfasst. Trotz des mäßigen Wetters fanden sich etwa 200.000 Einwohner am 22.4.2017 an den offiziellen Sammelstätten ein. Zirka 2000 Flächen wurden an diesem Tag in offizieller Gemeinschaftsarbeit gesäubert, auch das ist ein neuer Höchststand. Man schätzt, dass etwa weitere 100.000 Menschen in Eigeninitiative, also inoffiziell, Müll in ihrer Umgebung einsammelten (lsm.lv). Zudem beteiligten sich diesmal Letten in der Diaspora. In Deutschland kümmerten sich 50 Freiwillige um das Gelände rund um das Vereinsheim Bērzaine, Zentrum des Lettischen Fürsorgevereins Daugavas Vanagi (lettischeshaus.de). Das idyllisch gelegene Haus befindet sich am Abhang des Schwarzwaldes über den Dächern von Freiburg.

Die feiwilligen Müllsammler des Hauses Bērzaine, im Vordergrund: Indulis Berzins, Foto: Haus Bērzaine

 

Die Obdachlosen von Pārdaugava als Straßenreinigerinnen

An diesem Aprilsamstag waren Lettinnen und Letten überall aktiv: In den Wäldern und Parks, an den Gewässern, auf Plätzen und Hinterhöfen. Wie einst Lenin sich beim ersten „Subbotnik“, dem sowjetischen Vorläufer der lettischen Talka, ins Zeug legte, so krempeln heutzutage lettische Spitzenpolitiker die Ärmel hoch: Staatspräsident Raimonds Vējonis, Schirmherr der Talka, mischte sich beispielsweise unter das Volk von Kocēni im Norden Lettlands. Mit den Einwohnern der Umgebung und Schülern, die im ehemaligen Gutshaus Kokmuiža (Kokenhof) unterrichtet werden, sammelte er den Unrat im Park des neobarocken Schlosses ein. Die Gegend war einst Wirkungsstätte des Chronisten Indriķis (Heinrich), der hier nach eigenen Angaben die erste christliche Kirche für Letten errichtete. Vējonis lobt die Bürger, die heute bewusster mit der Natur umgingen und weniger Abfall hinterließen als in früherer Zeit. Die Talka bedeutet für ihn eine Bildungsmaßnahme, um Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. Rigas Einwohner konzentrierten sich in diesem Jahr auf die Höfe der großen Wohnkomplexe. Sie steckten nicht nur Müll in Säcke. Sie griffen auch zum Spaten, um Blumen und Sträucher zu pflanzen. Die Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen des Frauenasyls von Pārdaugava kümmerten sich um die Straße vor ihrer Tür: Sie suchten die gesamte Eiženija Straße nach Flaschen, Zigarettenkippen, Plastik, Papier und sonstigem Abfall ab. Eine Mitarbeiterin berichtete, dass man prall gefüllte Säcke mit der Schubkarre zur Zwischenlagerung ins Heim befördert habe.

Helfer vor Haus Berzaine

Die Talka-Helferinnen und -Helfer vor dem Haus Bērzaine, das gerade umfassend renoviert wird, Foto: Haus
Bērzaine

Haus Bērzaine auf Helfer angewiesen

Wie an der Daugava, so an den Abhängen des Schwarzwaldes: Das Haus Bērzaine, von dem man einen prächtigen Blick auf die Stadt Freiburg genießt, wird „Kleines Lettland“ genannt. Das Vereinsheim lässt sich für Treffen, Aktivitäten und Übernachtungen anmieten. Es befindet sich auf einem großen Grundstück. Diese Wiesen- und Waldlandschaft am Fuße der Burgruine Zähringen ist für lettische Volksfeste wie die Johannisfeier vom 23. auf den 24. Juni bestens geeignet. Vereinsvorsitzender Indulis Berzins betont, dass ihm die 50 freiwilligen Helfer in der Diaspora gute Dienste leisteten. Der Lettischen Presseschau berichtete er von einer erfolgreichen Talka-Aktion: „Sie haben das gesamte Gebiet bearbeitet. Die fünf Hektar große Fläche, zu der auch Wald gehört, bringt uns keine Einnahmen. Aber sie ist für die Seele und unsere lettischen Veranstaltungen ein Muss. Bei der Pflege dieses Geländes sind wir sehr auf Helfer angewiesen. In diesem Jahr haben wir besonders viel zu tun, weil auch unser Vereinsheim umfassend renoviert wurde.“

 

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