logo
Münster, 19.12.2018
Finsterwalde hat nun eine Salaspils iela PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 25. Januar 2018 um 00:00 Uhr

Gesang vereint eine deutsch-lettische Städtepartnerschaft

Salaspils ielaWer im brandenburgischen Finsterwalde den Weg erklären möchte, hat Vorteile, wenn er sich etwas mit französischer, schwedischer und neuerdings auch lettischer Sprache auskennt: Denn neben einer Rue de Montataire und einer Finspangsgatan befindet sich in der Sängerstadt nun auch eine Salaspils iela. Die Finsterwalder haben ihre Straßen nach den Städten benannt, mit denen sie eine Partnerschaft verbindet: Neben Montataire und Finspang eben auch Salaspils, einem Vorort von Riga. Am 7. Dezember 2017 trafen sich die Bürgermeister Jörg Gampe und Raimonds Cudars, um die neue Finsterwalder Salaspils iela offiziell zu eröffnen. Paula Vogel, die Pressesprecherin von Finsterwalde, erläutert, was die beiden Städte verbindet.

Die Salaspils iela von Finsterwalde, 1292 km von der Heimat entfernt, Foto: Stadt Finsterwalde

Schwedische Partnerstadt brachte die beiden zusammen

3,95 Millionen Euro kostete die 1,3 Kilometer lange „südliche Stadtkernentlastungsstraße“, wie die neue Straße in der Behördensprache heißt - da klingt Salaspils iela (iela bedeutet Straße) doch viel lieblicher. Sie ist eine Umgehungsstraße ohne Anwohner, so dass niemand unter ihrer Anschrift erreichbar ist, statt dessen sorgt sie dafür, dass die Bewohner des Zentrums nun weniger Verkehrslärm und Schadstoffe ertragen müssen. Bei der feierlichen Namensgebung musste Raimonds Cudars seinem deutschen Kollegen noch beiseite stehen, bei dem es mit der Aussprache noch holperte. „Es ist ein großes Geschenk für uns, dass eine Straße unseren Namen trägt,“ meinte das lettische Stadtoberhaupt (lr-online.de). Der Kommunalpolitiker war mit zwei städtischen Vertreterinnen, Malda Caune und Polina Ivleva, angereist. Gampe lobte die Arbeit der beauftragten Baufirma, die die Straße auf einem schwierigen Untergrund errichten musste. Paula Vogel, Pressesprecherin der Stadt Finsterwalde, erläuterte der LP, wie es zu dieser deutsch-lettischen Partnerschaft kam: „Die Städtefreundschaft mit Salaspils besteht seit 2002. Kennengelernt haben sich Finsterwalder und ‚Salaspilser‘ in Finspang in Schweden, die eine gemeinsame Partnerstadt der beiden Städte ist.“

Einweihungsfeier

Gampe (links) und Cudars enthüllen das Straßenschild, Foto: Stadt Finsterwalde

Die verbindende Sangestradition

Salaspilser und Finsterwalder haben ein verbindendes Thema: Sie sind im Gesang vereint. Finsterwalde trägt offiziell den Titel „Sängerstadt“ (finsterwalde.de). Bereits seit 1565 besteht der älteste Chor, die Trinitatis-Kantorei. Im 19. Jahrhundert gründeten sich Chöre, die der Zeit entsprechende Namen trugen: „Liederkranz“, „Grüne Eiche“ oder „Einigkeit“. In der DDR-Zeit kam ein Arbeiterchor hinzu. „Als unsere Väter noch Burschen waren, da pflegten sie schon das deutsche Lied. Es sangen Tischler, und auch die Bäcker, der Lehrer, Amtsrichter, Kaufmann, Schmied,“ dichtete Wilhelm Wolff in seiner Burleske „Wir sind die Sänger von Finsterwalde“, die 1899 in Berlin uraufgeführt wurde. Eigentlich wollte sich der Boulevardkomödienschreiber über die Finsterwalder lustig machen, doch sein kleines Stück machte die Brandenburger Kleinstädter allgemein als Sängerstadt bekannt. Seit 1954 feiern die Bürger Sängerfeste,  das Finsterwalder Sängerfest, das seit 1991 im festen Zweijahresrhythmus, so auch in diesem Jahr, stattfindet. „Die Sangestradition in unserer Stadt reicht weit zurück und wird in der Stadt aktiv gelebt. Was liegt also näher als ein intensiver Austausch und freundschaftliche Beziehungen zum singenden Volk der Letten? Salaspils‘ Bürgermeister Raimonds Cudars spricht zwar sehr gut Deutsch, da er selbst in Düsseldorf Jura studiert hat, dennoch ist Musik international für beide Völker verständlich und verbindet, ähnlich wie Sport, über alle eventuellen Sprachbarrieren hinweg,“ sagt Vogel. Für Sangesfreunde hat das Jahr 2018 also zwei Höhepunkte: Das Chor- und Tanzfestival in Riga und das Sängerfest von Finsterwalde. Paula Vogel kündigt an, dass sich Delegationen an diesen Veranstaltungen beteiligen werden: „Vom 5. Bis zum 8. Juli wird eine Finsterwalder Delegation um Bürgermeister Jörg Gampe nach Lettland reisen. Dann werden wir vermutlich auch das Chor- und Tanzfestival besuchen, worauf wir uns bereits jetzt sehr freuen. Vom 23.-26. August kommt dann eine Delegation aus Lettland nach Finsterwalde, um gemeinsam mit uns und Delegationen der weiteren Partnerstädte (neben Montataire und Finspang auch Eppelborn im Saarland) das Sängerfest zu feiern. Finsterwalde und Salaspils widmen sich auch der düsteren Seite der deutsch-lettischen Geschichte. Für Historiker ist der Name Salaspils vor allem als Polizeigefängnis und Arbeitsumerziehungslager der Nationalsozialisten bekannt. Delegationen aus Finsterwalde haben die entsprechenden Gedenkstätten in Lettland besucht.

 

Weitere LP-Artikel zum Thema:

Städtepartnerschaft zwischen Smiltene und Willich

Die Lettenfreunde vom Niederrhein - Interview mit Wolfgang Brock, Teil I

Wie der Kontakt zu Lettland die Willicher Kultur bereichert - Interview mit Wolfgang Brock, Teil II

Deutsch-lettische Partnerschaften: auf gleicher Augenhöhe

Achim trifft Cēsis und Cēsis trifft Achim – Norddeutsche und Livländer feiern 20 Jahre Städtepartnerschaft

 

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||