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Münster, 21.10.2018
Gottfried Bielenstein ist tot PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 13. Februar 2018 um 06:14 Uhr

Gottfried BielensteinAm 10. Februar ist Gottfried Bielenstein in Potsdam gestorben. Seine Familie, Freunde und alle, die ihn kannten, verlieren einen warmherzigen, stets freundlichen und sozial eingestellten Gesprächspartner, der sich das jahrelange Leiden an der schweren Erkrankung nie anmerken ließ. Am Ende seines Lebens erfüllte er noch eine gemeinnützige Aufgabe: In Lettland, dem Land seiner Vorfahren, erichtete er in einem Pflegeheim für Behinderte ehrenamtlich und mit Hilfe von Spenden eine Töpferwerkstatt.

Gottfried Bielenstein in Sturisi, Foto: Brigitte von Ungern-Sternberg

Gottfried Bielenstein stammte aus der Familie, deren Name durch den Vorfahren August Bielenstein bekannt wurde. Der Pfarrer von Dobele (Doblen) hatte die lettische Sprache und Kultur erforscht. Wegen der sogenannten "Umsiedlungspolitik" der Nationalsozialisten mussten auch die Bielensteins vor Kriegsbeginn die baltische Heimat verlassen. Gottfried wurde als Pastorensohn in der DDR ein Studium verwehrt. Er erlernte das Töpferhandwerk, zog in die Mecklenburger Provinz, wo er sich mit einer Werkstätte selbstständig machte. Er hoffte, dort vor Spitzeln sicher zu sein, was sich als Irrtum herausstellte.

Nach dem Mauerfall musste er sich eine neue Arbeit suchen. In einer Berliner Werkstätte für Menschen mit psychischen Problemen bot er das Töpfern als Therapie an und konnte auf diese Weise handwerkliches und kreatives Geschick mit seiner sozialen Ader verbinden.
Ihn beschäftigte der Gedanke an den Osten und an die Heimat seiner Familie. Er beherrschte die russische Sprache recht gut und war zuletzt noch bestrebt, sich Lettisch anzueignen. In den letzten Jahren seines Lebens hat er noch eine erfüllende Aufgabe gefunden: Er sammelte Geld, um im Pflegeheim Sturisi bei Talsi (Talsen) eine Töpferwerkstätte einzurichten. Es bereitete ihm Freude, dort Menschen mit psychischen oder geistigen Problemen an diese kreative Tätigkeit heranzuführen. Diejenigen, die ihn kannten, werden seine warmherzige und anteilnehmende Art, die ihn im Umgang mit Menschen auszeichnete, sehr vermissen.

 

Über Gottfrieds Arbeit in Sturisi:

Lettland: Im Land der Ahnen - Gottfried Bielenstein töpfert im sozialen Betreuungszentrum von Sturisi in Kurland, Teil 1

Lettland: Im Land der Ahnen - Gottfried Bielenstein töpfert im sozialen Betreuungszentrum von Sturisi in Kurland, Teil 2

 

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