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Münster, 15.11.2018
Architekt Werner von Sengbusch engagiert sich ehrenamtlich in Lettland und Südamerika PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 25. August 2018 um 00:00 Uhr

"Wir brauchen heute Großzügigkeit, mehr Fläche, bessere Bäder, Licht und vieles mehr.“

Werner von SengbuschWerner von Sengbusch ist so etwas wie der „gute Geist“ von Domus Rigensis. Er hat für den deutsch-lettischen Kulturverein die mühsame Aufgabe des Kassenwarts übernommen und informiert die Mitglieder regelmäßig mit einem Rundbrief. Zudem kennen Lettlandfreunde und Kunstliebhaber den Brederlo-von Sengbusch-Kunstpreis, mit dem er und seine Verwandten alle zwei Jahre den Nachwuchs der Lettischen Kunstakademie fördern. Als die hessische Europaministerin Lucia Puttrich ihm im Februar das Bundesverdienstkreuz überreichte, erfuhren manche seiner lettischen Freunde wohl erstmals, dass seine vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten weit über Lettland hinausreichen: Werner von Sengbusch engagiert sich und hilft ebenso in Südamerika und versucht, dort die prekären Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung zu verbessern. Ein paar Wochen später erhielt der Architekt mit deutschbaltischen Wurzeln von Staatspräsident Raimonds Vejonis auch noch die lettische Entsprechung des Bundesverdienstordens, den Drei-Sterne-Orden (Triju Zvaigznu Ordenis). Anlässlich der doppelten Auszeichnung beantwortete Werner von Sengbusch der Lettischen Presseschau einige Fragen zu seinem Leben und seinem Werk.


Foto: Werner von Sengbusch

 

Bevor Ihre Familie nach Hamburg zog, lebten Sie als Kind in der sowjetisch besetzten Zone. War die politische Entwicklung dort der Grund, nach Westdeutschland umzuziehen?

 

Ich lebte mit der Familie in Luckenwalde, südlich von Berlin und wir flohen 1947 über West-Berlin zunächst nach Göttingen und dann 1950 weiter nach Hamburg. Obwohl mein Vater russisch sprach, wurde ihm die Situation zu gefährlich und er suchte die Möglichkeit, in der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen seine züchterische Arbeit an Pflanzen fortführen zu können.

 

 

Sie sagen, dass Ihre „Hauptjugendzeit“ in Hamburg stattgefunden hat. Erinnern Sie sich gern an diese Zeit?

 

Oh ja, es war eine besondere Zeit für mich, ich wurde „sesshafter“ ich war voller Neugier, ich wurde erwachsener, besuchte das Gymnasium bis zur Mittleren Reife (inzwischen ist das mehr als 62 Jahre her). Mit den Schülern und Schülerinnen (wir waren eine gemischte Klasse) treffen wir uns noch heute regelmäßig in Hamburg. So hatte ich zu meinem 80sten meine liebsten Schulfreunde und -freundinnen nach Hamburg-Volksdorf eingeladen.

Nach der Schule folgte die Schreinerlehre und das Ingenieurstudium in Hamburg. Es waren die 50er Jahre, die ich in Hamburg erlebte: Jahre des Aufbaus, eine Zeit stärkster Entwicklungen, der Kunst und Kultur, Theater- und Opernbesuche. Es gab kein Klavierkonzert, das ich nicht besucht hätte. Die Pianisten Elly Ney, Shura Cherkassky, Eduard Erdmann (mein Vater war mit ihm in Riga zusammen zur Schule gegangen), Wilhelm Kempff u.a. Entdeckungsfahrten mit dem Fahrrad in die Umgebung und besonders gerne in den Hamburger Hafen mit seinen aktiven großen Werften – die Verbindung in die große weite Welt – das war und ist heute noch Hamburg für mich. Eine Schiffsbegrüßungsanlage an der Elbe vor Hamburg - das bringt mir noch heute feuchte Augen.

 

Von Sengbusch erhält den Lacplesis-Orden

Werner von Sengbusch wurde nach der Überreichung des lettischen Drei-Sterne-Ordens in der Deutschen Botschaft empfangen, Foto: Werner von Sengbusch

 

Nach Ihrer Schreinerlehre und dem Besuch einer Bauschule studierten Sie von 1963 bis 1970 an der Technischen Hochschule in Karlsruhe Architektur. Dort hatten Sie einen prominenten Lehrer: Prof. Egon Eiermann, der einer der bekanntesten Vertreter der deutschen Nachkriegsarchitektur ist. Er wurde unter anderem mit dem Neubau innerhalb der vom Krieg zerstörten Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und dem „Langen Eugen“, dem Bonner Abgeordnetenhochhaus, bekannt. Was haben Sie speziell bei ihm gelernt?


Er war ein großer Lehrmeister, bei dem ich nicht nur die Grundlagen des Bauens, sondern auch das logische Denken in der Architektur gelernt habe. Jeder Strich, den wir aufs Papier brachten – ja, wir hatten noch keine CAD-Anlage - war eine Verantwortung, hatte eine Bedeutung. Die Form folgte seinerzeit der Funktion und gutes Design und gute Form waren gefragt. Von meinem ersparten Lehrlingsgeld kaufte ich mir 1959 eine Musiktruhe der Firma Braun, sie steht noch heute in meinem Haus mit vielen anderen Braun-Produkten aus der Zeit, als dieses Unternehmen für innovatives Design bekannt war.

 


Sie selbst haben dann recht früh eine „Waldstadt“ geplant. Wie kam es dazu?


Eine ganze Waldstadt habe ich nicht geplant, das ist nicht ganz richtig. Bevor ich nach dem Ingenieurstudium das Hochschulstudium in Karlsruhe beginnen konnte, musste ich warten und ein wenig um einen Studienplatz kämpfen. So begann ich zunächst als junger Ingenieur in einem kleinen Architekturbüro als „Werkplaner“. Ich bekam damals sensationell 800,- DM brutto. Nun fiel nach wenigen Monaten der Bauleiter in diesem Büro aus und so wurde ich ins Wasser geschmissen und hatte die Bauleitung für 10 Einfamilienhäuser in der Karlsruher „Waldstadt“, einem neuen Stadtteil im Stadtwald, zu bewältigen. Bauherren waren in der Regel Professoren des dortigen Kernforschungszentrums. Das war eine große Aufgabe, die mir sehr viel Selbstvertrauen gebracht hat.



Bereits während des Studiums haben Sie für das Planungsbüro von Karl-Heinz Götz gearbeitet. Weckte er Ihr Interesse für Südamerika?


Das war sehr wohl so. Götz war ebenso Eiermann-Schüler und hatte in Mexiko geplant und gebaut. Das waren wunderbare Häuser mit einer sehr klaren überzeugenden Architektur. Grundrisse, die man, Entschuldigung, in den Schnee pinkeln konnte.



Die „Planungsgruppe Kolumbien“, an der Sie sich beteiligten, entwickelte für das südamerikanische Land in den siebziger Jahren ein „low-cost-housing-system“. Wie sind die Wohnungen ärmerer Menschen beschaffen in den Ländern, die Sie bereist haben? Wie konnten Sie mit Ihren Kenntnissen die Wohnverhältnisse verbessern?


Auf Grund der Landflucht entstehen um die Großstädte wilde, unüberschaubare „Barriadas“. Hier werden auf dem in Besitz genommenen Land mit den primitivsten Materialien Hütten gebaut. Zunächst ohne Strom, Wasser und Abwassersysteme. Dies galt es zu berücksichtigen in unserem Programm „low-cost-housing“ für Kolumbien, das eine vom Staat vorgegebene Infrastruktur mit Straßen, Versorgungseinrichtungen, Supermarkt für Baukastensysteme usw. vorsah. Da ich nicht sehr lange in dieser Planungsgruppe war, sondern mich selbständig machte, konnte ich selber in diesen Ländern die Wohnverhältnisse nicht verbessern. Ich konnte aber auf eine meiner Südamerikareisen und später auf einem großen Architektenkongress von Teilerfolgen in Kolumbien erfahren.



Es ist kaum zu überblicken, wie viele ehrenamtliche Funktionen Sie in Ihrem Leben bereits übernommen haben. Dabei scheuten Sie sich nicht vor unangenehmen Tätigkeiten wie z. B. der Rechnungsprüfung. Das ehrenamtliche Engagement scheint in der Familie zu liegen. Mit Ihren Verwandten haben Sie den „Brederlo-von Sengbusch-Kunstpreis“ gestiftet, mit dem alle zwei Jahre Studierende der Lettischen Kunstakademie ausgezeichnet werden. Außerdem wird im Namen Ihres Vaters der „Reinhold von Sengbusch Preis“ an junge Naturwissenschaftler verliehen. Sie engagieren sich in leitenden Positionen im Frankfurter Lions-Club und als Vorstandsmitglied von Domus Rigensis, dem deutsch-lettischen Kulturverein in Riga. Das alles ist zeitintensiv, kostet mehr, als es einbringt. Handeln Sie nach dem Bibelwort: “Geben ist seliger denn nehmen?”

 

Nun, ich leide manchmal darunter, dass ich nicht nein sagen kann. Ich habe mich so entwickelt und wenn ich etwas übernehme, möchte ich es mehr als 100prozentig machen, ein großer Fehler von mir, zumal ich schwer delegieren kann. Schon in meiner Schulzeit habe ich gerne anderen geholfen, ist wohl meine Einstellung.



Im Rahmen Ihres Engagements im Lions-Club war ein Schwerpunkt Südamerika. 1979 besuchten Sie Oswaldo Kaufmann, einen Arzt deutscher Herkunft in Trujillo, einer abgelegen Kleinstadt in den peruanischen Anden, wo er das Hospital Andino del Alto Chicama gegründet hatte und für das er dringend um Unterstützung bat. Was erlebten Sie und Ihre Frau beim ersten Aufenthalt in Peru, fernab von den touristischen Routen? Wie gestaltete sich das Treffen mit Oswaldo Kaufmann?


Als ich in Lima bei meinem ersten Besuch einmal das Hotel verließ, um mich etwas umzuschauen, war ich sehr verunsichert, überall Straßenverkäufer, Lärm und viele mir fremde Gesichter, dabei war ich ja vorher 6 Wochen in Mexiko gewesen. Das war aber nur im ersten Moment, dann habe ich erkannt, dass auch diese Menschen liebenswert sind und um ihre Existenz kämpften. Wir sind gerne außerhalb der touristischen Routen unterwegs gewesen, haben zwar das Angenehme einer organisierten Reise gern angenommen, sind dann aber auch auf eigene Entdeckungsreise gegangen. Am Ende unseres Aufenthaltes in Lima und Peru fiel mir ein Artikel in einer deutschen Zeitung auf, dass Kinderspielplätze vom TÜV geprüft werden müssten – oh, welche Probleme haben wir, in Peru haben die Kinder gar keine oder nur im sehr begrenzten Umfang Spielplätze. Das hat mir die Augen geöffnet. Ansonsten hatten wir während unserer Reise sehr wenig an zu Hause gedacht, wir waren in Südamerika und Deutschland war weit weg.

Bei der Begegnung mit Dr. Kaufmann habe ich nicht nur das erste Mal erfahren, wie wichtig es ist, etwas für die ärmere Bevölkerung zu machen, sondern auch meinen ersten Pisco Sour, einen Cocktail aus Traubenschnaps, getrunken. Ich habe gespürt, wie Kaufmann darunter gelitten hat, dass ein angesagter Besuch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt nicht erfolgte, weil dieser von seinem Brasilienaufenthalt so ermüdet war, dass er in Peru das Hotelbett vorzog und den Besuch im Hospital abgesagt hatte. Kaufmann hatte sehr darauf gehofft, aus Deutschland Unterstützung für seine Arbeit zu bekommen. Mir ging es regelrecht unter die Haut, wie ernst Herr Dr. Kaufmann seine Aufgabe nahm und mit welchen Anstrengungen er seinen Dienst am Nächsten vollbrachte.

 

KKrankenhaus in Peru

OP des Hospitals Adino in den Anden, Foto: Werner von Sengbusch


Oswaldo Kaufmann starb noch in dem Jahr, als Sie ihn getroffen hatten. Seitdem engagieren Sie sich für den Erhalt, Ausbau und Betrieb des Hospitals. Sie pflegen Kontakte zum Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie zu anderen Hilfsorganisationen. Sie treffen sich mit Spendern aus der Privatwirtschaft, die Fahrzeuge und medizinische Geräte zur Verfügung stellen. Das Ziel dieser Aktivitäten ist es, die arme Landbevölkerung vor Ort medizinisch zu versorgen. Das soll ihnen eine Zukunft in der Heimat ermöglichen, damit sie nicht in den Slums von Lima enden. Hatten Sie Erfolg mit diesem Engagement? Wurde die Landflucht in Trujillo gestoppt?


Ich glaube, ich drehe ein viel zu kleines Rad, durch dieses Projekt alleine ist die Landflucht nicht zu stoppen, ein klein wenig sicher schon, denn die Dankbarkeit der dortigen Bevölkerung konnte ich mehrmals erfahren. Das grundsätzliche Problem in Peru sind die sozialen Unterschiede und Spannungen zwischen den Menschen an der Küste, einer mehr spanischen Bevölkerung und der eigentlichen indigenen Urbevölkerung in den Bergen. Von meinen Lionsfreunden in Trujillo wurde ich gefragt, warum ich in den Bergen ein Hospital unterstütze, ob das nicht auch in Trujillo möglich ist. „Nein,“ habe ich gesagt: „Ihr kümmert euch nicht um die Menschen in den Bergen, deswegen helfen wir dort.“


Das Hospital erhielt in den achtziger Jahren eine Drohung von der damaligen peruanischen Guerilla-Bewegung “Leuchtender Pfad”, so dass es vorübergehend geräumt werden musste. Weshalb wurde diese soziale Einrichtung Ziel einer Terrorgruppe?

Nun, im Nachhinein wurden wir schlauer, es war nicht die soziale Einrichtung die bedroht wurde, sondern ein Finca-Besitzer in der Nähe. Der Drohbrief wurde von der örtlichen Polizei manipuliert. Diese hatte mit dem Finca-Besitzer zusammen gearbeitet und auf den Brief auch die Namen des Hospital-Direktors und andere Autoritäten von Coina eingetragen, denen angeblich auch ein Anschlag drohen sollte. Auf diese Art sollte vertuscht werden, wer wirklich gemeint war, nämlich der Finca-Besitzer. Alle im polizeilich manipulierten Drohbrief Genannten konnten in Coina bleiben, nur der Finca-Besitzer musste sich absetzen.

 

Das Hospital ist nur ein Teil Ihres südamerikanischen Engagements. Ein anderer ist die Aufforstung eines Fluss-Ufers, das in der Regenzeit überschwemmt wird. Dort wurden mit finanzieller Unterstützung des Lions-Clubs und weiterer Organisationen 100.000 Bäume gepflanzt. Von Brasilien kennt man die Berichte, dass wegen kurzsichtiger Profitinteressen der Regenwald zerstört wird. Wie ist es in Peru? Wie ist das Verhältnis zur Umwelt? Ist sie ein Thema oder können sich die Menschen wegen ihrer Sorge um das tägliche Überleben Umweltschutz nicht leisten? Oder sind es mächtige Konzerne, die den Raubbau an der Natur vorantreiben?

 

Zunächst kommt das Überleben und dann irgendwann eventuell auch Umweltschutz. Sie sollten besser fragen, wie steht es um den Schutz der Menschen in den kleinen und großen Kohle- und Goldminen, dem Straßenverkehr, dem Schutz der Frauen usw. Die Sicherheit der Wasserversorgung brachte durch das Anlegen von großen Stauseen sicher Eingriffe in die Natur. Die Trockenheit auf der einen Seite und die Erosion durch die Wassermassen, die in der Regenzeit aus den Bergen zum Pazifik fließen und aus Bächen Ströme machen (Stichwort El Niño), sind ein großes Problem für das Land. Unsere Baumpflanzaktion hat ein wenig dazu beigetragen, wertvolles Ackerland vor dem Pazifik zu retten.



Neben Südamerika ist Lettland, die Heimat Ihrer Vorfahren, ein wichtiger Teil Ihres Lebens. Neben der Ausrichtung des Kunstförderpreises sind Sie vor allem mit der Kassenaufsicht von Domus Rigensis beschäftigt. Seit wann steht auch Lettland auf Ihrer Agenda? Wie kamen Sie zu Domus Rigensis?

 

Konkret seit dem Fall der Mauer, die Europa getrennt hatte. In der Familie gab es überhaupt keine Zuversicht, dass es wieder möglich sein könnte, die Heimat des Vaters und der Vorfahren zu besuchen. Im Jahr 2000 kam ich das erste Mal mit DOMUS RIGENSIS (DR) zusammen, ohne dass ich etwas über den Zweck des Vereins wusste. Es war anlässlich der Wiedereinweihung des Alexander Gottschalk-von-Sengbusch-Grabsteins auf dem Großen Friedhof. Er war von 1790-1796 Bürgermeister in Riga. Die Säule war mutwillig umgestürzt worden und Eizens Upmanis hatte im Auftrag der Stadt die Grabstätte wieder hergerichtet. Dabei lernte ich die wichtige Arbeit von Eizens kennen. 2005 hatte ich dann das Vergnügen, mit ihm einen Tag in Bad Nauheim und Bad Homburg zu verbringen, also ganz in der Nähe meines Wohnorts. Jugendstil war sein Thema, auch seine Frau Agrita interessierte sich sehr dafür. Sie lag aber in Riga krank im Bett. So konnten wir uns bei einem langen Spaziergang über viele Dinge unterhalten und als Eizens zurückfuhr, konnte er seiner Agrita berichten, dass er mich wohl für DR gewonnen hatte. So war es denn auch. Ziemlich schnell war ich für die Kasse verantwortlich. Das liegt sicher im Blut der Familie, denn schon mein Großvater hatte die gleiche Aufgabe in seiner Studentenverbindung übernommen.

 

V. Sengbusch überreicht ein Bild

Werner von Sengbusch überreicht dem Rigaer Museum für Stadtgeschichte ein Bild des Malers Julius Gottfried Siegmund



Welche architektonischen Besonderheiten schätzen Sie an Riga?

 

Jugendstil, wo man hinschaut. Es ist wichtig, dass man beim Laufen durch die Straßen auf die Löcher in den Fußwegen achtet, dabei darf man aber nicht vergessen nach oben zu schauen und die vielen wunderbaren Fassaden mit ihren Türmchen, Erkern und den Dekorationen zu bewundern.



Hand aufs Herz, gibt es auch Gebäude in Riga, die Ihnen missfallen, mal von den grauen sowjetischen Plattenbau-Siedlungen abgesehen?

 

Na ja, da fällt mir ganz besonders die neue Bebauung rund um den Rathausmarkt auf. Eigentlich genügt eine schwarze Kiste, warum baue ich weitere traurige Gebäude?


 

In Riga sieht man hervorragend sanierte Häuser, aber auch so manches bauliche Juwel, das vor dem Verfall steht, zum Beispiel in der Moskauer Vorstadt. Wie sehen Sie die Zukunft jener Viertel mit alter Bausubstanz in den europäischen Metropolen: Sind Abriss oder Gentrifizierung die einzigen Alternativen?

 

Die Lebensdauer von Häusern ist nicht sehr groß, auch Kirchen wurden immer wieder erneuert oder erweitert. Der Wunsch nach besseren Wohnungen geht meistens nur über einen Abriss, es sei denn, die alte Substanz lässt Modernisierung zu. In Frankfurt werden Gebäude - auch berühmter Architekten - abgerissen, weil sie dem gewachsenen Standard nicht mehr genügen. Wollen Sie in niedrigen, wenig belichteten kleinen Räumen leben? Wir brauchen heute Großzügigkeit, mehr Fläche, bessere Bäder, Licht und vieles mehr. Großflächiger Abriss erlaubt neue Gestaltungen von Stadtteilen. Mehr Höhe bedeutet gleichzeitig mehr freie Fläche und deren positive Gestaltung. Leider dürfen wir Architekten nicht nur gut gestalten, sondern unterliegen auch den ökonomischen Anforderungen.



Eine ganze Reihe von deutschbaltischen Architekten hat in Riga gearbeitet. Haben Sie darunter einen Liebling?

 

Wilhelm Neumann gehört dazu, auch wenn er kein Repräsentant des Jugendstils und kein ganz moderner Architekt war, hängt er doch mit dem Städtischen Kunstmuseum und dem großen Sengbusch-Haus in der Brīvības iela 51 (das war die frühere Hausnummer) zusammen, an dem noch heute ein Sengbusch-Wappen das Dach schmückt.



Wenn Sie mal nicht ehrenamtlich aktiv sind: Wo machen Sie am liebsten Urlaub?

 

In Frankreich und in meiner „Heimat“ Hamburg, am Meer und nicht in den Bergen.

 


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