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Münster, 23.10.2018
Papst Franziskus sprach in Lettland soziale Themen an PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 28. September 2018 um 00:00 Uhr

"Auch wir sind gerufen, mit dem Leid unserer Mitmenschen `in Berührung` zu kommen."

Basilika von AglonaWährend seiner Reise durch die baltischen Länder machte Franziskus am 24. September Zwischenstation in Riga und Aglona, dem katholischen Zentrum im ansonsten eher lutheranisch geprägten Lettland. Vor der Basilika Minor der kleinen lettgallischen Gemeinde warteten seit dem Morgen viele Pilger auf das katholische Oberhaupt, das am Nachmittag mit dem Hubschrauber eintraf und mit dem Papamobil zum Wallfahrtsort fuhr - denn Aglonas weißes Gotteshaus ist ein Ort der Marienverehrung. So widmete der Papst seine Predigt vor etwa 40.000 bis 45.000 Gläubigen der Gottesmutter.

Foto: "Aglona basilica". Via Vikipēdija. GFDL with disclaimers, Saite

Franziskus betonte die soziale Botschaft, die mit den Mariendarstellungen des Johannesevangeliums verbunden sind (vaticannews.va). Während der Kreuzigung stehe Maria unbeirrt bei ihrem Sohn. "Maria zeigt sich vor allem so: an der Seite derer, die leiden, die von aller Welt gemieden werden, auch an der Seite derer, die angeklagt und von allen verurteilt werden, die deportiert werden. Es ist nicht einfach so, dass sie unterdrückt oder ausgebeutet werden, sondern sie befinden sich direkt `außerhalb des Systems`, am Rande der Gesellschaft. Bei ihnen ist auch die Mutter, zusammen angenagelt an dieses Kreuz des Unverständnisses und des Leidens."

Maria zeige den Weg, dieser sei kein Kurzbesuch, Spaziergang oder Solidaritätstourismus. "Es geht darum, dass die, welche eine leidvolle Wirklichkeit erleben, spüren können, dass wir fest und zuverlässig an ihrer Seite und auf ihrer Seite stehen," sagte Franziskus und: "Auch wir sind gerufen, mit dem Leid unserer Mitmenschen `in Berührung` zu kommen. Lasst uns ihnen entgegengehen, um sie zu trösten und zu begleiten; haben wir keine Angst davor, die Kraft der Zartheit zu erfahren und uns auf die anderen einzulassen, auch wenn unser Leben dadurch komplizierter wird. Und lasst uns wie Maria dabei fest und aufrecht stehen: mit einem Gott zugewandten Herzen und dem Mut, den Gefallenen aufzuhelfen, die Niedrigen aufzurichten und dabei zu helfen, jegliche Unterdrückung zu beenden, die sie wie Gekreuzigte leben lässt..."

Auf dem Heiligen Feld vor der Basilika wurde angesichts des hohen Besuchs das Marienbild hinausgetragen. Das letzte Mal hatte es 1993 die Kirche verlassen. Damals hatte Papst Johannes Paul II. Aglona besucht. Vater Benedikt, der den Papstaufenthalt mitorganisiert hatte, informierte über die Geschichte des Marienbildes: "Gerade vor 300 Jahren, im Jahr 1718, wurde das Heiligenbild der Gottesmutter Aglonas mit Papstkronen gekrönt, denn dieses Heiligenbild ist sehr bekannt und es ereignet sich angesichts dieses Bildes viel Barmherzigkeit. Heute ist es das sechste Mal, dass das Bild der Gottesmutter Aglonas aus der Basilika herausgebracht wird. Das vorige Mal war vor 25 Jahren." (lsm.lv) Nachdem das Bild in einer Prozession herausgebracht wurde, erfolgten Fürbitten für Lettland, eine Marienlitanei und Rosenkranzgebete bis zur Ankunft des Papstes. Dieser erhielt als Geschenk eine Kopie des Bildes.

Am Morgen war Franziskus auf dem Rigaer Flughafen gelandet, wo ihn Staatspräsident Raimonds Vejonis und der katholische Erzbischof Zbignevs Stankevics empfingen (lsm.lv). Sie geleiteten ihn zur Rigaer Burg, dem Sitz des Staatspräsidenten, wo das Kirchenoberhaupt eine Ansprache an Politiker und Gesellschaft hielt. Lettland habe harte soziale, politische und geistliche Prüfungen erlebt, doch nun sei es zu einem Zentrum der Politik und Kultur geworden. Der lettischen Bevölkerung riet er, zum Wohle der Familie, der Alten und der Kinder zu arbeiten. Ex-Präsident Guntis Ulmanis hörte das Gesagte mit Wohlgefallen (lsm.lv). Er wies darauf hin, dass sich seit dem letzten Papstbesuch vor 25 Jahren die Welt gewandelt habe und das in der Rede Franziskus` trefflich zum Ausdruck komme. "Die Rede des Papstes war sehr weltlich und sogar schroff in Bezug auf die in der ganzen Welt wahrnehmbaren Phänomene, welche sich überall zeigen. Und das sind die Ungleichheit, das Verhalten untereinander und die zunehmenden Migrationsströme," meinte Ulmanis.

Auch anderen Kommentatoren gefielen die Papstworte. Politologin Iveta Kazoka schätzte besonders das päpstliche Bekenntnis zur menschlichen Vielfalt und die Kritik am materiellen Wohlstand. Da Franziskus diese Themen oftmals in seinen Reden anspricht, zeige sich, dass sie ihm viel bedeuteten. Auch Janis Kapustans, Experte für internationale Beziehungen an der Hochschule Vidzeme, lobte, dass der Papst sich sozialen Themen zuwende, insbesondere dem der Armut.

In Riga nahm Franziskus an einem ökumenischen Gottesdienst im Rigaer Dom teil und besuchte das Nationaldenkmal. Anlass seines dreitägigen Besuchs in den baltischen Ländern waren deren 100jährige Staatsjubiläen.

 

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