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Münster, 01.4.2020
Erste Corona-Infizierte nun auch in Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 10. März 2020 um 18:30 Uhr

Tourismusbranche meldet bereits hohe Umsatzverluste

Neuseeländisches SchutzplakatBis zum 10. März 2020 meldete das staatliche Lettische Zentrum für Krankheits-Prophylaxe und -Kontrolle (SPKC) acht Patienten, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben (spkc.gov.lv). Die meisten von ihnen waren Mitglieder einer Reisegruppe, die sich im norditalienischen Cervina aufgehalten hatte, unweit des Matterhorns. Sie waren am 7. März mit dem Airbaltic-Flug BT-630 von Mailand nach Riga zurückgeflogen, mit 37 weiteren Passagieren. Die 25 Letten, die sich an Bord befanden, wurden von Epidemiologen des SPKC betreut; die positiv Getesteten befinden sich in Quarantäne. Auch die übrigen Fluggäste ohne lettischen Pass könnten infiziert sein. Nun fragt man sich auch in Lettland, was in naher Zukunft überhaupt noch stattfinden kann.

Neuseeländische Empfehlungen, Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei

Die lettische Airbaltic hat die Flugverbindungen nach Mailand und Verona eingestellt. Die ungarische Billigfluglinie Wizzair, die in Riga startet und landet, fliegt italienische und israelische Airports nicht mehr an (lsm.lv). Lettische Italien-Touristen und jene etwa 2.100 Letten, die in Italien leben und arbeiten, wissen nicht, ob und wie sie nach Riga zurückkommen können. Die Telefone des lettischen Außenministeriums und der lettischen Botschaft in Rom stehen nicht mehr still (lsm.lv). Janis Bekeris, Vertreter des lettischen Außenministeriums, wies darauf hin, dass die Regierung keine Kosten begleichen wird, die durch Umbuchungen entstehen.

Wizzair bietet die Erstattung des Flugtickets an, Airbaltic verhandelt mit ihren Kunden, von München, Wien, Zürich oder Genf nach Hause zu fliegen. 8.000 Letten, die von einem italienischen Flughafen nach Riga reisen wollten, wurde der Flug storniert (lsm.lv). Nicht nur den Fluggesellschaften droht ein geschäftlicher Absturz.

Nun wird auch in Lettland über Maßnahmen nachgedacht, die in anderen Ländern schon Praxis sind: Das Verbot von Massenveranstaltungen, Konzerten, Sportereignissen; die Empfehlung, das Reisen zu unterlassen. Das lettische Touristikgewerbe vermeldet für März bereits Umsatzeinbußen um 50 bis 70 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat. Was Corona für die gesamte lettische Wirtschaft bedeutet, können Ökonomen noch nicht einschätzen (lsm.lv).

Ministerpräsident Krisjanis Karins hat Gesundheitsministerin Ilze Vinkele und Justizminister Janis Bordans angewiesen, die Situation auszuwerten und Maßnahmen zu ergreifen. Das Bildungsministerum schrieb den Schulen einen Brief, weil die Freizeit- und Reisepläne der Schüler während der Osterferien ermittelt werden sollen. Die Behörden drängen darauf, nicht notwendige Reisen zu unterlassen. So ist derzeit auch offen, ob eines der wichtigsten Sportereignisse für die Letten, die Eishockeyweltmeisterschaft, die im Mai in der Schweiz stattfinden soll, abgesagt werden wird.

 

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