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Münster, 04.8.2020
Lettland: Zunahme der ermittelten Covid-19-Infektionen bislang nicht dramatisch PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 04. April 2020 um 00:00 Uhr

Sorgen bereitet das zu wenig geschützte Klinikpersonal

Austruma-Klinik in RigaJurijs Perevoscikovs, Leiter des Zentrums für Krankheitskontrolle und -prophylaxe (SKPC), sagte am 3. April 2020 zu den Infektionszahlen: “Der Anstieg der Erkrankungen ist langsam und moderat. In einer ganzen Woche haben wir 20 bis 30 Neuerkrankungen pro Tag, das schwankt zwischen zwei und drei Prozent von allen Untersuchten. Wir können drei Risikobereiche bezeichnen: Notunterkünfte, Gesundheitsdienste und soziale Einrichtungen. Die Institutionen der Gesundheitsdienste sind mit persönlichen Schutzmitteln versorgt, deshalb hoffe ich, dass in ihnen solche Infektionsfälle bald weniger oft vorkommen werden. Sicher ist es noch zu früh, über Anzeichen zu reden, die auf eine Verringerung der Erkrankungszahlen deuten. Darüber kann man nicht einmal in China sprechen, ungeachtet der guten Maßnahmen, um Covid-19-Erkrankungen zu begrenzen.” (lsm.lv) Am 4. April nannte Perevoscikovs die neuesten Corona-Zahlen: Bislang ermittelte das SKPC 509 Infizierte. 26 von ihnen befinden sich in stationärer Behandlung. Der Zustand von drei Covid-19-Patienten gilt als kritisch. Das SKPC sieht für Lettland im internationalen Vergleich zwei Vorteile: Die Rückkehrer aus Corona-Krisengebieten wurden frühzeitig getestet, insgesamt ließ die lettische Gesundheitsbehörde bis zum 3. April 19.380 Covid-19-Verdachtsfälle untersuchen. Zudem erschwert die dünne Besiedlung des Landes die Virenverbreitung. Sorgen bereitet Perevoscikovs allerdings, dass sich das Klinikpersonal infiziert (lsm.lv).

Die Onkologie-Abteilung der Rigaer Austruma-Universitätsklink, auch hier wurden bereits Covid-19-Fälle festgestellt, Foto: mikroskops - Panoramio, CC BY-SA 3.0, Saite

Täglich werden neue Fälle von Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern bekannt, die sich bei Patienten oder Kollegen ansteckten. 40 Mediziner wurden bislang positiv getestet. Zehn Prozent der Infektionen erfolgen in Krankenhäusern oder Arztpraxen. Im Krankenhaus von Rezekne hatte sich in der letzten Woche erstmals eine Ärztin, die Chirurgin der Kinderabteilung, infiziert. (lsm.lv) 200 Angestellte wurden darauf untersucht, unter ihnen zwei weitere Covid-19-Fälle ermittelt. Oberschwester Elita Cirule informierte die LSM-Redaktion, dass sich die Krankenhausleitung aus eigener Initiative zum Massentest entschlossen habe. Nun befinden sich 13 Angestellte in Quarantäne. Marita Zeltina, Vorstandsmitglied des Krankenhauses, ist der Ansicht, dass sich ihre Institution eine Verbreitung des Virus` und eine Schließung der gesamten Klinik nicht erlauben könne. Deshalb habe man schnell handeln müssen, derzeit sei noch genügend Personal einsatzfähig.

Schlimmer traf es das Krankenhaus von Ogre. Bei einem Patienten, der sich seit Ende März auf Station für innere Medizin befunden hatte, stellte man eine Covid-19-Infektion fest. Ein behandelnder Arzt hat sich bei ihm angesteckt. Klinikleiter Dainis Sirovs ließ die Abteilung schließen und desinfizieren. Die Klinik nimmt bis Montag keine neuen Patienten auf. 27 Angestellte befinden sich in Quarantäne. Sirovs beklagt, dass der Staat keine Expresstests anschafft, die schnellere Ergebnisse lieferten. Darüber war Sirovs mit der Gesundheitsministerin Ilze Vinkele in Streit geraten, die die Genauigkeit solcher Tests bezweifelt. In Sirovs` Klinik war zuvor durch einen Schnelltest eine schwer kranke Patientin als infiziert ermittelt worden. Sie wurde nach Riga in das Zentrum für Infektiologie der Austruma-Klinik überführt. Nach ihrem Tod stellte sich aber bei einer weiteren Untersuchung heraus, dass sie sich gar nicht infiziert hatte. (lsm.lv)

Ein weiterer Corona-Brennpunkt sind die Obdachlosenasyle. Im Rigaer Männerwohnheim der christlichen Suchthilfe-Organisation “Blaues Kreuz” hat das SKPC bislang 30 Personen positiv getestet. Zwei der Betroffenen hatten zuvor Kontakt zu ärztlichen Einrichtungen. Perevoscikovs erinnerte daran, dass Obdachlose erhöhten Infektionsgefahren ausgesetzt sind. (lsm.lv) Lettland hat zudem die erste Tote zu verzeichnen, die sich mit dem Corona-Virus infizierte. Die 99jährige starb in der Infektiologie-Abteilung der Austrums-Klinik in Riga. Allerdings besteht nach Ansicht der Ärzte kein direkter Zusammenhang zwischen ihrer Corona-Infektion und der Todesursache. So ist bislang unklar, ob sie als erstes lettisches Corona-Opfer zu erfassen ist. Perevoscikovs meint, das Virus könne andere chronische Erkrankungen der Seniorin aktiviert haben. Er ist der Ansicht, dass man sie als erstes lettisches Corona-Opfer werten müsse, doch darüber will er sich noch mit ausländischen Kollegen austauschen. (lsm.lv) Am 2. März 2020 wurde Covid-19 erstmals in Lettland festgestellt. Seit dem 12. März herrscht der Ausnahmezustand mit ähnlich strengen Kontaktverbot-Regeln, wie sie in Deutschland gelten.

Zusatz am 4. April 2020: Soeben meldet LSM, dass ein Bewohner des Männerheims, der mit Covid-19 infiziert war, gestorben ist. (lsm.lv)

 
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