logo
Münster, 03.8.2020
Verirrte lettische Drohne stört den baltischen Luftraum PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 05. Mai 2020 um 16:42 Uhr

Ein “sehr fortschrittliches” Fluggerät machte sich selbstständig

Raimonds BergmanisSeit dem 3. Mai 2020 schauen die Mitarbeiter der lettischen Luftfahrtagentur, des lettischen Militärs und des Grenzschutzes besorgt gen Himmel: Irgendwo in den Lüften zwischen Bauska und Adazi soll eine neu entwickelte Drohne der Firma UAV Factory herumirren. Ihre Entwickler wollten testen, wie lange ihr neues Gerät in der Luft bleiben kann, verloren aber schnell die Kontrolle. Inzwischen gelten für den lettischen Luftraum besondere Sicherheitsregeln für den in Corona-Zeiten noch stattfindenden Flugverkehr. Eine Maschine aus China, die in Riga landen sollte, wurde nach Tallinn umgeleitet.

Ex-Verteidigungsminister Raimonds Bergmanis setzte sich für Aufrüstung und Rüstungsaufräge für die lettische Wirtschaft ein, Foto: Saeima - CC BY-SA 2.0

Konstantins Popiks, Vorstandsvorsitzender und Miteigentümer der lettischen Filiale von UAV Factory, bezeichnete den Prototyp als “neues Produkt”, ein sehr “fortschrittliches” Fluggerät einer neuen Generation. Noch könne man nicht kommentieren, weshalb es auf Abwege geriet. “Der konkrete Test bezweckte, die maximale Flugdauer zu erproben. Auch ein neuer Weltrekord war eingeplant,” fügte Popiks hinzu. Seine us-amerikanisch-lettische Firma ist auf kleine Starrflügler-Drohnen spezialisiert (db.lv). 2012 gelang UAV Factory mit dem Modell Penguin B ein Weltrekord in der Miniklasse: Die Drohne blieb 54 Stunden und 27 Minuten in der Luft. Das neue, verlorene gegangene Modell, das sich nicht mehr steuern lässt, ist 5,50 Meter lang, 3,5 Meter breit und 70 Stundenkilometer schnell. Falls die Techhnik funktioniert, landet es nach Angaben der Hersteller automatisch, bevor der Tank geleert ist. Fragt sich nur, wo...

Aivis Vincents, dem Vertreter der lettischen Luftfahrtagentur, ist so etwas noch nicht vorgekommen. Bislang gab es nur Zwischenfälle mit kleinen Multicoptern, den hubschrauberartigen Spielzeugdrohnen von Privatbesitzern. Außer Kontrolle geraten zerschellen sie meistens nach kurzem Flug an einem Baum oder sonstwo. Vincents` Agentur wird bei der Suche von Grenzschützern und Soldaten unterstützt, die Nachbarländer sind gewarnt. Sandra Bale, Pressesprecherin des Verteidigungsministeriums erklärte, dass es sich um keine Drohne der lettischen Armee handele und sie auch keinen Sprengstoff mit sich führe (sargs.lv).

Tatsächlich kooperiert UAV Factory mit den nationalen Streitkräften und lieferte ihnen im letzten Jahr eine militärischen Zwecken angepasste Testversion. In der zweiten Jahreshälfte will das Maruper Unternehmen den Soldaten eine verbesserte Version zur Verfügung stellen. Nach offiziellen Angaben der lettischen Streitkräfte sollen diese Fluggeräte der Rettung und Überwachung dienen. Von Plänen, die Drohnen zu bewaffnen oder mit Sprengstoff auszustatten, ist bislang nichts bekannt.

Die Regierung will die Rüstungsproduktion voranbringen. Verteidigungsminister Artis Pabriks setzt die Politik seines Vorgängers fort, den steigenden Rüstungsetat zu nutzen, um in die eigene Wirtschaft zu investieren. 2018 vereinbarte Ex-Verteidigungsminister Raimonds Bergmanis mit dem deutsch-israelischen Joint Venture Eurospikes GmbH, beim Kauf von Panzerabwehrlenkwaffen lettische Firmen in Forschung und Entwicklung einzubeziehen. (LP: hier)

Der Lobbyverband FSDI (federacija.lv) organisiert die Zusammenarbeit zwischen Militärs, staatlichen Hochschulen und Privatunternehmen, diesem Verband gehört auch UAV Factory an.

Das Unternehmen wurde 2009 in den USA gegründet. Die lettische Filiale erwirtschaftete mit etwa 60 Beschäftigten im letzten Jahr 3,56 Millionen Euro Gewinn, ein Jahr zuvor betrug er nur eine Million. Nach eigenen Angaben hat UAV Factory Kunden in mehr als 50 Ländern, die die Drohnen und Videokameras für zivile, wissenschaftliche und militärische Zwecke benötigen.

Wenn die rebellische Drohne nicht von lettischen Militärs vorzeitig vom Himmel geholt wird, könnte sie den Weltrekord ohne ihre Erzeuger schaffen: Der Treibstoff soll für 90 Stunden reichen.

 
  • 05.08.2020 Internet: We need your data to fight Cor...
  • 02.09.2020 Know the enemy – Can genetic engineeri...

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||