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Münster, 14.12.2018
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Geschrieben von: Jens von Rauchhaupt   
Montag, den 28. Mai 2007 um 12:41 Uhr
LCMAm 7. Juli beginnt in dem Schulgebäude des Lettischen Centrum Münster (LCM) die zweite Ferien Sommerschule. Bereits der erste Ferienkurs im Jahre 2006 war ein voller Erfolg. Nun werden wieder Jugendliche aus dem Baltikum hier in Münster für 3 Wochen die Schulbank drücken und ihre deutschen Sprachfähigkeiten verbessern. Die Lettische Presseschau konnte sich bei der Geschäftsführerin des LCM, Frau Zuze Kreslins-Sils über den letzten Stand der Dinge informieren.
LP: Frau Kreslins-Sils, wie viele Jugendliche haben sich bereits zum Sprachunterricht in Münster angemeldet und woher kommen die Schüler eigentlich, alle aus Lettland?

Geschäftsführerin Frau Kreslins-Sils
Geschäftsführerin, Frau Zuze Kreslins-Sils; Foto: LCM
„Wir haben bisher 24 Anmeldungen. Der größte Anteil kommt natürlich aus Lettland. Wir haben aber auch vier Anmeldungen aus Litauen und eine lettische Staatbürgerin reist extra aus Schweden an. Es wird also immer internationaler.“

LP: Wie alt sind die Schüler?

„Die Jugendlichen sind im Alter von 14 bis 18 Jahren. Die meisten von ihnen sind wie im vergangenen Jahr 17 oder 18 Jahre alt.“

LP: Ein schwieriges Alter, wer passt auf die Jugendlichen auf?

„Wir haben für die drei Wochen extra 4 baltische Studenten eingestellt, die hier Aushilfetätigkeiten übernehmen. Die Sommerschule ist kein Camp! Das ist auch den Jugendlichen klar. Wir sehen die Schüler aber eher als Kurs- und Projektteilnehmer. Hier gilt das deutsche Jugendgesetz. Das heißt: Die 14-jährigen dürfen das. Die 17- jährigen dieses und die 18-jährigen werden wie Erwachsene behandelt. Wir werden dafür Sorge tragen, dass sich alle an die Regeln halten werden.“

LP: Was ist mit den Lehrkräften, woher stammen diese?

„Wie letztes Jahr wird mindestens eine Lehrkraft vom Goethe Institut Lettland gestellt. Eine weitere Lehrkraft ist eine Litauerin, die an der Universität Münster unterrichtete. Dazu kommen noch 2 Theater Leiterinnen und eine Praktikantin vom Cactus Theater Münster.“

Theaterproben 2006
Theaterprobe der Schüler in der Aula des LCM; Foto:LCM
LP: Dürfen wir also wieder auf eine Theateraufführung hoffen? Warum eigentlich diese Zusammenarbeit mit dem Cactus Theater?

„Ja, am Samstag dem 28. Juli ist eine Theateraufführung der Kursteilnehmer geplant. Diesmal soll die Aufführung das Thema Respekt behandeln. Uns geht es bei dem Kurs nicht nur um Büffelei und Prüfungen. Der Theaterkurs soll spielerisch dabei helfen, dass die Sprachschüler ihre Selbstsicherheit verbessern. Das hat schon letztes Jahr prima geklappt. Die Verantwortlichen vom Cactus Theater waren eine große Hilfe.“

Lp: Welche Rolle spielt das Goethe Institut Lettland bei dem Sprachkurs?

„Das Goethe Institut ist unser wichtigster Partner. Das Institut ist nicht nur für die Lehrinhalte verantwortlich, es gibt auch die unterschiedlichen Zertifikate aus, die von den Kursteilnehmern erworben werden können. Außerdem führen viele Kursteilnehmer den Sprachunterricht in Lettland fort. Das Goethe Institut hat uns bestätigt, dass die viele Kursteilnehmer vom letzten Jahr unglaublich motiviert nach Lettland zurückgekehrt sind und in Lettland dann weiter Deutsch gelernt haben.“

LP: Welche Zertifikate sind im Sprachkurs erwerbar, was können die Schüler damit anstellen?

Das sind die A1 -C2 Zertifikate des Goethe Instituts. Mit einem C2 Sprachzertifikat kann jeder ohne weitere Sprachprüfungen an deutschen Universitäten studieren. Letztes Jahr konnten 4 Schüler mit diesem Abschluss nach hause zurückkehren. Der Sprachkurs ist also eine wunderbare Möglichkeit um später in Deutschland ein Studium zu beginnen. Aber auch die anderen Zertifikate sind ein guter Nachweis für ein gewisses Sprachniveau. Es hilft den Kursteilnehmern bei Praktika, EU-Bildungsprogrammen wie Erasmus oder Leonardo, aber auch für mögliche Jobs bei deutschen Unternehmen im Baltikum.

LP: Welches Freizeitangebot ist für die Schüler geplant?

„Da haben wir uns noch nicht endgültig festgelegt, aber neben einem Besuch im Phantasialand sind Kurzreisen nach Köln oder Amsterdam geplant. Natürlich sollen die Schüler auch das schöne Münsterland kennen lernen. Fahrradausflüge und Besuche von Ausstellungen wie das Picasso Museum und die Skulptura sind ebenfalls angedacht. Außerdem kann man auch auf dem Gelände des LCM einiges unternehmen. Da werden wir uns zusammen mit den Aushilfekräften noch einiges einfallen lassen.“
Regenpause
Regenpause; Foto: LCM
LP: Was müssen eigentlich die Eltern der Jugendlichen für den Kurs bezahlen und bekommt das LCM eigentlich von staatlicher oder privater Seite irgendeine Unterstützung?

„Ein trauriges Thema. Leider mussten wir den Kursbeitrag für dieses Jahr auf 450 Euro erhöhen, weil wir sonst Gefahr laufen, dass das LCM am Ende noch draufzahlen muss. Wir bieten diesen Kurs nicht an, um Geld zu verdienen. Der lettische Staat hat uns seine Unterstützung verwehrt. Die Begründung: Ein solcher Sprachkurs würde ja nicht die lettische Sprache unterstützen. Noch enttäuschender ist mit Ausnahme des Goethe-Instituts die Unterstützung aus Deutschland. Eigentlich wollen wir diesen Sprachkurs jedes Jahr anbieten. Doch solange es an Sponsorengeldern mangelt, können wir das nicht gewährleisten. Dass wir die Kursgelder erhöhen mussten ist wirklich schwerwiegend, weil so Jugendliche aus ärmeren Verhältnissen nicht in den Genuss eines solchen Sprachkurses kommen können.

LP: Frau Kreslins-Sils. Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der diesjährigen Ferien Sommerschule 2007.

Hintergrundinformation

Wir von der lettischen Presseschau finden es schon merkwürdig. Überall diskutiert man in der Politik und Wirtschaft, wie die deutsche Sprache im Ausland an Attraktivität gewinnen soll und hier ist ein Projekt, das genau dieses Ziel verfolgt. Der deutsche Sprachkurs in Münster wendet sich nicht nur an lettische Staatsbürger sondern insgesamt an baltische Jugendliche. Gerade die deutsche Privatwirtschaft, die in das Baltikum expandiert oder dort eine Niederlassung besitzt, sollte doch ein Interesse daran haben, dass die Geschäftspartner oder die zukünftigen Angestellten auch die deutsche Sprache beherrschen. Das LCM ist ein ehemaliges Gymnasium mit angeschlossenem Internat, welches von Exil-Letten gegründet wurde. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion liefen die Fördermittel aus. Die Schule musste deshalb seinen Lehrbetrieb einstellen.
Aula im LCM
Aula im LCM, Foto: LCM
Nun steht der Großteil des Gebäudekomplexes leer. Damit der Verein Lettisches Centrum e.V. die Gebäude erhalten kann, muss der Verein die Internatszimmer an Studenten vermieten. Der Gebäudekomplex ist eigentlich eine perfekte Ausbildungsstätte mit Klassenzimmern, Bibliothek, Aula, Großküche und Sportplatz. Der Standort Münster ist einer der attraktivsten Mitteleuropas. Nicht aus Zufall wurde die Stadt Münster im Jahre 2004 von einer internationalen Jury zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt (LivCom Award). Münster kann zudem auf eine lange Handelsgeschichte mit dem Baltikum zurückblicken. Wenn es hier keine Synergien gibt, wo bitte dann?
-JvR-

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 29. Januar 2011 um 08:59 Uhr
 

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