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Münster, 11.12.2017
Lettland: Im Land der Ahnen - Gottfried Bielenstein töpfert im sozialen Betreuungszentrum von Sturisi in Kurland, Teil 2 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 28. August 2014 um 00:00 Uhr

Sturisi-Hinweisschild aus Holz

Link zum ersten Teil

Wieso wollte Gottfried Bielenstein gerade in Lettland eine solche Werkstätte einrichten? Ein Grund klingt in lettischen Ohren zunächst wenig sympathisch: „Meine Grundüberlegung war: Bevor ich sterbe, möchte ich ordentlich Russisch sprechen. Eigentlich wollte ich dafür noch an die Uni gehen, um diese Sprache richtig zu studieren. Doch mein Orthopäde empfahl mir: `Gehen Sie doch lieber in das Land, wo es gesprochen wird, dann lernen Sie es viel schneller.` Es lag natürlich auf der Hand, nach Russland zu gehen. Das ist aber administrativ unglaublich schwer. Ich habe dort auch keine Behinderteneinrichtung gefunden. Russische Sozialarbeiter haben mir gesagt: `Wir haben nicht die Einrichtungen, die du suchst.` Da dachte ich: `Okay, Lettland liegt mir viel näher am Herzen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung spricht Russisch, ich weiß, dass die Letten darüber nicht glücklich sind, aber es ist so.`“ So machte der Slawophile zur Bedingung, in Lettland eine Einrichtung zu finden, wo er mit dem Personal und den Bewohnern sich auf Russisch verständigen kann. Seine neuen Kollegen von Sturisi waren einverstanden.

An der Zufahrt nach Sturisi, Foto: LP

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Lettland: Im Land der Ahnen - Gottfried Bielenstein töpfert im sozialen Betreuungszentrum von Sturisi in Kurland, Teil 1 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 23. August 2014 um 00:00 Uhr

BBielenstein an der TöpferscheibeDer nette Taxifahrer, der im westlettischen Talsi an der Busstation wartet, weiß gleich, wohin es geht, als ich ihm den Namen Gottfried Bielenstein mitteile. Er startet den Motor und wir kurven hinter der Kleinstadt durch eine anmutige Hügellandschaft. Im Juli leuchtet das Blattgrün der Wälder unter blauem Himmel. Nach etwa zehnminütiger Fahrt erreiche ich mein Ziel: Sturisi. Inmitten von Wiesen und Wäldern befindet sich eine Art Dorf. Die betagten Häuser scheinen nur teilweise bewohnt. Zwischen kleineren Holzbauten ragen zwei größere Steingebäude aus dem Jahr 1935 hervor. Obwohl einiges renovierungsbedürftig erscheint, wirkt das Areal idyllisch und friedlich. Vor dem Hauptgebäude sehe ich einige Senioren, die in Rollstühlen sitzen, an der Wand sind einige Rollatoren platziert. Vor einem neueren Holzpavillon parkt ein Krankenwagen. Ein jüngerer Bewohner empfängt mich freundlich und offenherzig. Er hört mit seinem Handy Radio und zeigt mir das Gelände. Es fällt mir schwer, ihn mit gängigen Bezeichnungen einzuordnen. Manche würden ihn „psychisch krank“ nennen. Dabei bezweifeln Psychiatriekritiker, ob die Psyche überhaupt wie der Körper `erkranken` kann. In neueren Psychiatriebüchern ist von „psychischen Störungen“ die Rede. Wie dem auch sei: Menschen, die hier leben, haben offenbar Schwierigkeiten, mit dem Alltag zurechtzukommen. Im Dorf Sturisi erhalten sie eine Auszeit, wenn Verwirrung und Erregungszustände die Betroffenen und ihre Angehörigen überfordern. Mein Sturisi-Empfangsmann führt mich zu einem renovierten Holzhaus. Am Eingang steht „Podniecība”, also „Töpferei“. Gottfried Bielenstein begrüßt mich freundlich.

Gottfried Bielenstein in Sturisi an der Töpferscheibe, Foto: LP

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Mit Domus-Rigensis in die Kurländische Schweiz PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 12. Juli 2014 um 00:00 Uhr

Reisebusse beim Halt in PedvaleDer deutsch-lettische Verein Domus-Rigensis veranstaltete vom 4. bis 6. Juli 2014 seine 23. Kulturtage. Seit fast drei Jahrzehnten kümmern sich die Mitglieder um den kulturellen Austausch. Sie erinnern mit zahlreichen Veranstaltungen an das deutschbaltische Erbe, das ein Teil der lettischen Geschichte ist. Diesmal standen die Tage unter dem Motto: „Riga – Kulturhauptstadt Europas 2014“. Am Freitagabend sprach Frank von Auer im Haberlandsaal des Stadt- und Schifffahrtsmuseums im Namen der Deutsch-Baltischen Gesellschaft ein Grußwort. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit Domus-Rigensis und ließ gleichwohl seine Enttäuschung erkennen, dass im offiziellen Kulturprogramm Rigas die deutschbaltische Historie keine Rolle spielt. Deutschbalten haben den Aufstieg Rigas zur wichtigsten Metropole dieser Region mitgeprägt. Osteuropaexperte Erwin Oberländer schilderte in seinem Vortrag detailliert, wie sich bis 1914 innerhalb von fünf Jahrzehnten Riga zur Industriemetropole entwickelt hatte. Die deutschbaltische Oberschicht besaß daran maßgeblichen Anteil. Doch sie sah bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht ein, dass sie der wachsenden lettischen Mehrheit die politische Teilhabe nicht verwehren konnte. Oberländer bewundert die Entwicklung Rigas als multiethnische Gemeinschaftsleistung. Aber es blieb eine Leistung von Parallelgesellschaften, die ihre eigenen Kirchen und Vereinsräume behielten. Mikus Čeže erläuterte den historischen Wandel an einer bekannten kulturellen Institution. Er zeigte Fotos aus einem Bildband, den er zur Nationaloper erstellt hatte. Einst war es das deutsche Theater. Bilder der Frontfassade aus verschiedenen Epochen verdeutlichen, dass jedes Regime die Säulen mit eigenen Sprüchen und Farben verzierte. Eigentlich wollten die Deutschbalten ein Haus in ihrem typisch neugotischen Stil, doch der Gouverneur verpflichtete sie zu einem weniger schwülstigen, neoklassischen Gebäude, das Ludwig Bohnstedt geplant hatte. Auch am Samstag konnten die Teilnehmer so manches erleben und genießen, vom Konzert mit der Sopranistin Martina Doehring und dem Pianisten Aivars Kalejs bis zur lauschigen Fahrt auf dem Schiff „Vēcrīga“, was „Altriga“ bedeutet. So endete dieser Tag in der goldenen Abendsonne auf der Daugava, die einst Düna hieß. Als Teil für das Ganze wird unter „weiterlesen“ der sonntägliche Ausflug nach Goldingen ausführlicher berichtet.

Die Domus-Rigensis-Gemeinde auf Sonntagsfahrt, Foto: LP

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