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Münster, 17.8.2018
Großer Waldbrand in der westlettischen Region Kurzeme PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 20. Juli 2018 um 21:14 Uhr

Rauch noch im 100 Kilometer entfernten Saldus zu spüren

WaldbrandSeit Dienstag kämpfen Feuerwehrleute gegen Rauch und Flammen in einem westlettischen Wald- und Torfgebiet an. Nationalgardisten und Mitarbeiter des staatlichen Forstbetriebs unterstützen sie dabei. Einige Helikopterpiloten des Grenzschutzes, der Armee und vom litauischen Rettungsdienst beobachten das betroffene Gebiet in der Nähe der Gemeinde Valdgale und löschen über den unzugänglichen Brandherden. Die Brandbekämpfung erweist sich als schwierig: Wechselnder Wind treibt das Feuer in verschiedene Richtungen, in den Torfgebieten kann es sich unterirdisch ausdehnen, der Rauch gefährdet noch in weiter Entfernung die Gesundheit. Am Mittwoch mussten die 130 Bewohner von Stikli evakuiert werden, weil starker Rauch durch die Ortschaft trieb. Es besteht aber nach offiziellen Angaben nicht die Gefahr, dass das Feuer auf diese Siedlung übergreift. Nach Meldungen vom 20.7.2018 hat der Brand inzwischen eine Größe von etwa 700 Hektar erreicht. Er zählt damit zu den größten Bränden, die in den letzten Jahrzehnten in Lettland beobachtet wurden. Die westlettische Region Kurzeme (Kurland) blieb in den letzten Wochen ungewöhnlich trocken, die Meteorologen hatten vor Waldbränden gewarnt.

Ein Waldbrand, Foto: Neaizsargāts darbs, Saite

 

Der Brand brach auf dem Gelände eines dänischen Gartenbaubetriebs aus. Dessen Mitarbeiter hatten ihn nach Aussage einer Firmenvertreterin zu löschen versucht, doch der Traktor, der die Löschmittel transportieren sollte, hatte eine Panne und fing selbst Feuer. Die Brandursache ist bislang nicht geklärt (lsm.lv).

Inzwischen sind etwa 100 Feuerwehrleute im Einsatz. Sie schlagen Schneisen in die Wälder, um dem Feuer den Brennstoff zu entziehen und sie kämpfen sich mit Atemschutzmasken ins rauchende Dickicht vor. Laien, die helfen wollen, werden abgewiesen, weil dieser Brand tückisch ist und nur mit Erfahrung und spezieller Ausrüstung bekämpft werden sollte. Allerdings stellten einige benachbarte Bauern ihre schweren Traktoren als Transportgerät, lange Wasserschläuche und Leitungen zur Verfügung.

Am Freitagabend bemerkten sogar die Einwohner der Kleinstädte Talsi und Saldus den Rauch, die 35 bzw. 100 Kilometer vom Brandgebiet entfernt sind. Inta Palkavniece, Sprecherin der staatlichen Feuerwehr, empfiehlt, im Zweifelsfall Türen und Fenster zu schließen und bei gesundheitlicher Beeinträchtigung ärztliche Hilfe zu suchen. Der wechselnde Wind treibt den Rauch in unterschiedliche Richtungen über weite Entfernungen hinweg.

Damit entwickelt sich 2018 zu einem der größten Brandjahre der letzten Jahrzehnte. Schon im Juni verbrannten Bäume des militärischen Übungsgeländes von Adazi auf einer ähnlich großen Fläche, so dass beide Brände zusammen etwa 1500 Hektar vernichteten Wald ergeben. Das ist die größte Zerstörung seit 1992, damals vernichteten Brände über 6300 Hektar im Nationalpark von Slitere und im Forst von Garkalne (lsm.lv). Jene Bewohner von Stikli, die nicht auf eigene Verantwortung in ihre Wohnungen zurückgekehrt sind, werden voraussichtlich das Wochenende in Notunterkünften verbringen. Die Feuerwehr prognostiziert, dass sie auch nächste Woche im Einsatz sein wird.

 

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