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Münster, 15.12.2018
Lettland: Bislang längste gemessene Sommerperiode PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 22. September 2018 um 00:00 Uhr

Im Mai stieg das Thermometer erstmals über 30 Grad

Badespaß an der DaugavaFür Riga und andere lettische Orte haben die Meteorologen des Lettischen Zentrums für Umwelt, Geologie und Meteorologie (LVGMC) den bislang längsten Sommer gemessen. Seit dem 7. Mai 2018 betrug in der lettischen Hauptstadt die Durchschnitts-Temperatur zwischen dem höchsten Wert am Tag und dem tiefsten in der Nacht mehr als 15 Grad, was lettische Wetterexperten als "metereologischen Sommer" definieren. Erst ab dem 13. September war demnach der Sommer beendet, was den bisherigen Rekord des Jahres 2013 mit 130 Tagen um acht Tage übertrifft (lsm.lv) / (la.lv).

Badestrand am Daugava-Ufer in Riga, Foto: LP

 

Normalerweise ist der so definierte metereologische Sommer kürzer als der kalendarische, doch die Klimaerwärmung schafft auch in Lettland neue Wetterbedingungen. Das LVGMC ermittelte, dass sich der lettische Sommer in den letzten Jahrzehnten um 17 Tage verlängert hat. Die größte Abweichung registrierten die Metereologen für den Mai mit 15,3 Grad - 3,9 Grad wärmer als die Durchschnittstemperatur für diesen Monat (meteo.lv). Damit war dieser Mai der wärmste seit den regelmäßigen lettischen Wetteraufzeichnungen, die im Jahr 1924 begonnen haben. In der Gemeinde Rucava wurde am 30. Mai erstmals im Wonnemonat die 30-Grad-Marke übertroffen.

Lettinnen und Letten konnten sich viele Tage lang an mediterranen Temperaturen erfreuen, lange Sommerabende genießen, in der Daugava oder in der Ostsee baden. Doch dieser Sommer zeigte auch die Gefahren des Klimawandels auf: Die lange Trockenheit machte lettischen Landwirten ähnlich zu schaffen wie den Bauern in Deutschland und anderen Ländern Europas, die Saat wuchs schlecht oder verdorrte und dem Vieh fehlte das Futter. Die Trockenheit vermehrte zudem die Schädlinge. Die lettische Feuerwehr hatte mit großflächigen Waldbränden zu kämpfen, der größte erfasste ein Wald- und Torfgelände in der Nähe von Talsi. Noch am 8. September wurde ein Waldbrand bei Cesis in der Nähe des Flusses Gauja gemeldet.

Das lettische Umweltministerium sieht darin Anzeichen des Klimawandels: „Die Anomalien dieses Sommes wurden teilweise durch blockierende Teile eines Hochdruckgebietes bestimmt, welches sich langfristig über Nordeuropa und der baltischen Region befand und Regenwolken nach Island ablenkte. Solche anhaltenden Hochdruckgebiete sind üblich, besonders im Frühjahr. Doch in diesem Jahr hielten sich diese Bedingungen für eine ausgesprochen lange Wetterperiode. Sehr ähnliche Bedingungen wurden auch in den Jahren 1889 und 1947 beobachtet. Dennoch beeinflusste auch die langfristig zu beobachtende Klimaerwärmung die Wetterbedingungen dieses Jahres. Somit ist die Rekordwärme ein Ergebnis einer Kombination aus einem anhaltenden Hochdruckgebiet, Trockenheit und die stufenweise Erhöhung der mittleren Lufttemperatur.“ (varam.lv)

 

 

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