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Münster, 15.9.2019
Wegen Ärztemangels: Kreiskrankenhaus von Daugavpils verschiebt geplante Operationen auf September PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 15. August 2019 um 00:00 Uhr

Operieren bis zur Erschöpfung

Wappen von DaugavpilsGrigorijs Semjonovs, Vorstandsmitglied der Klinik, informierte am 5. August 2019, dass für diesen Monat geplante Operationen auf den September verschoben werden. Als Grund nannte er die übermäßige Belastung der Anästhesisten und Reanimatologen. In der Urlaubszeit sei die Personaldecke gespannt und aus gesundheitlichen Gründen fielen zusätzlich zwei Spezialisten aus. Die Ärzte arbeiteten an der Grenze ihrer Belastbarkeit (la.lv).

Wappen der ostlettischen Stadt Daugavpils, der zweitgrößten Stadt des Landes, Foto: pilsētas dome, Neaizsargāts darbs, Saite

 

Nur noch Operationen in akuten Fällen

Am 1. August habe sich die Situation ergeben, dass sich alle Spezialisten im Operationssaal befunden hätten. Sie „mussten zwischen einem komplizierten Kaiserschnitt, künstliche Sauerstoffversorgung einer Lunge und der Intubation eines anderen Patienten wählen. In allen drei Fällen sei eine qualitative Behandlung sichergestellt worden, kein Patient habe unter dem Personalnotstand gelitten. „Das alles war nur dank der Hingabe unserer hervorragenden, umsichtsvollen Spezialisten möglich,sagte Semjonows. Die Leitung sei nicht berechtigt, Menschenleben zu gefährden und physisch wie emotional die Kollegen zu erschöpfen. Deshalb würden alle Operationen, die nach medizinischem Befund nicht dringend seien, auf den September verschoben. Derzeit werden nur Operationen in akuten Fällen, beispielsweise bei einer diagnostizierten Krebserkrankung, ausgeführt. Semjonows hofft darauf, dass sich die Personalsituation bis zum nächsten Monat entspannt. Auf der Webseite seiner Klinik ist eine ganze Liste vakanter Arztstellen zu finden. In Lettlands Krankenhäusern fehlt allenthalben Personal, sowohl Ärzte als auch Krankenschwester und Pfleger, viele emigrieren und suchen besser bezahlte Stellen im westeuropäischen Ausland. Die Verbliebenen führen Proteste und Streikaktionen durch, über die die Lettische Presseschau mehrmals berichtete.

 

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