logo
Münster, 16.10.2019
Grundstück der Discounterkette Lidl Latvija ist mit sowjetischen Altlasten verunreinigt PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 21. September 2019 um 00:00 Uhr

Rigas Altlasten bleiben unentsorgt

Lidl-KarteDie Discounterkette Lidl hat erneut Ärger beim Bau einer Filiale. Vor zwei Jahren sollte das erste Geschäft von Lidl Latvija im Rigaer Viertel Purvciems an der Dzelzavas iela 75b entstehen (LP: hier). Doch es zeigte sich, dass der Plan nicht mit den Einwohnern vor Ort abgestimmt war. Eine öffentliche Anhörung habe nicht stattgefunden, schrieb der Aktivist Janis Maulis. Eine Bürgerinitiative kämpft nun dagegen, dass mehrere Dutzend Bäume auf dem von Lidl erworbenen Gelände einem Parkplatz weichen sollen. Die Bürger zogen vor Gericht, das Urteil ist noch nicht gesprochen (lsm.lv). Dennoch beobachteten sie vor einigen Tagen, dass die Bauarbeiten wieder aufgenommen worden seien. Maulis wirft dem deutschen Konzern vor, einen Beschluss des Dezernats für Stadtentwicklung zu ignorieren, der eine Unterbrechung der Bauarbeiten bis zur Gerichtsentscheidung vorsehe. Das zeige Lidls „nihilistisches Verhalten gegenüber der Beachtung der Gesetze in Lettland“, meint er (pietiek.com). Auch die Eröffnung einer Filiale in Riga-Sarkandaugava dürfte sich verzögern. Das TV-Magazin „Neka personiga“ berichtete am 15. September 2019, dass das Grundstück an der Duntes iela 25 mit Ölgemischen und Schwermetallen verseucht ist (skaties.lv). Das war schon 2006 bekannt, doch die Mitarbeiter der städtischen Verwaltung hatten den Verseuchungsbefund nicht in die offizielle Liste verunreinigter Flächen eingetragen.

Die Karte jener Länder, in denen der Lidl-Konzern Geschäfte betreibt, in der Karte ist Lettland noch nicht markiert, Foro: Rothwild - Diese Datei wurde von diesem Werk abgeleitet: Lidl locations.pngOriginal: LugPaj; update June 2008: Rosenzweig; update February 2010: Ortmart; update November 2010: Rosenzweig;Base-Map use from Blank map of Europe.svg by Maix, which is based on Europe countries.svg by Tintazul, CC BY-SA 4.0, Link

Altlasten aus sowjetischer Zeit verunreinigen das von Lidl erworbene Grundstück: Sie sollen die Grenzwerte für Schwermetalle um das 10fache, jene für Ölgemische um das 40fache überschreiten. 55.000 Kubikmeter Boden sind verschmutzt. Lidl-Sprecher Valdis Lopeta versichert, dass seine Firma darüber vorher nicht informiert worden war. Die Firma gab selbst eine chemische Untersuchung in Auftrag, die die Verseuchung bestätigt. Lopeta hofft, sich mit der Stadt zu einigen: „derzeit erfolgen Verhandlungen mit den entsprechenden Seiten, um die beste Lösung zu finden, wie man mit der Verschmutzung zurande kommt.“

Insgesamt sind mehr als 3.500 Gebiete auf dem Territorium Rigas als verunreinigte Flächen ausgewiesen. Das Lidl-Grundstück gehört zu den 13 Gebieten, die verunreinigt sind, aber nicht in der offiziellen Liste auftauchten. Bislang unternimmt die Stadt wenig, um die verseuchten Böden zu sanieren. Bei größeren Flächen beschränkt sich die Aktivität auf deren Versiegelung, bei kleineren geschieht nichts und es ist nicht klar, ob sie die Gesundheit schädigen. Ilze Kurmahere, Leiterin der Kontrollabteilung der Umweltbehörde, weist darauf hin, dass sich zuweilen die Messergebnisse verändern können, je nach Grundwasserspiegel könnten die Giftstoffe „migrieren“ und einfach verschwinden.

 

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||