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Münster, 21.8.2017
Pro eine Million Einwohner hatte Lettland 2014 die meisten Verkehrstoten PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 26. März 2015 um 00:00 Uhr

Auffahrt zur Südbrücke in Riga-KengaragsDas Flugzeugunglück in den französischen Alpen macht auch in der lettischen Presse Schlagzeilen. Die ganze Welt nimmt Anteil, wenn so viele Menschen auf einen Schlag sterben. Weniger Aufmerksamkeit findet der alltägliche Tod auf den Straßen. An den erinnern die Statistiker. EU-Transport-Kommissarin Violeta Bulc veröffentlichte gerade Erläuterungen zu den Verkehrsopferzahlen für 2014. Demnach kamen in den 28 EU-Mitgliedstaaten im letzten Jahr 25.700 Menschen durch Verkehrsunfälle ums Leben, mehr als 200.000 wurden verletzt. Es wäre ein Hohn für die Angehörigen dieser 25.700 Toten, diese Zahl als Erfolg zu bezeichnen. Doch sie ist Teil eines günstigen Trends. Bulc schreibt in ihrer aktuellen Publikation zur EU-Straßensicherheit, dass 2014 immerhin 5.700 Verkehrstote weniger zu beklagen waren als 2010. Damals hatten die meisten Länder noch mehr als 80 Tote pro eine Million Einwohner verzeichnet. Heute wird diese Schwelle nur noch von fünf Staaten übertroffen. Leider ist Lettland das Land mit der relativ höchsten Opferzahl. 2014 starben hier pro eine Million Einwohner 106 Verkehrsteilnehmer als Auto- oder Motorradfahrer, Biker oder Fußgänger - mehr als doppelt so viel wie im EU-Durchschnitt, der 51 Opfer beträgt. In der mittleren Baltenrepublik hat sich die Zahl der Toten sogar leicht erhöht. Die lettische Polizei nennt Gründe für die schlechte Entwicklung.

Neue Brückenbauten in Riga-Ķengarags, doch lettische Straßen sind nicht überall auf dem neuesten Stand, Foto: LP

 

Ohne Kontrolle herrscht jugendlicher Nihilismus

Normunds Krapsis, Abteilungsleiter für Verkehrssicherheit bei der lettischen Polizei, weist gegenüber lsm.lv vor allem auf fehlende Radarkontrollen hin. Nach einem Vertragsstreit mit dem deutschen Hersteller wurden die mobilen Radaranlagen vor einigen Jahren aus dem Verkehr gezogen. Nun ignorieren offenbar viele die Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern, wie sie auf lettischen Landstraßen vorgeschrieben ist. Immerhin seien inzwischen wieder neun Radargeräte im Einsatz, weitere sollen hinzukommen. Vor allem jugendliche Fahrer verstießen gegen Verkehrsregeln, Krapsis bezeichnet ihr Verhalten als "geradezu nihilistisch". Neben zu schnellem Fahren sind Trunkenheit am Steuer, Fahren über Rot, der Nichtgebrauch von Blinkern und Sicherheitsgurten die häufigsten Unfallursachen. Schärfere Strafen, Schulung und weitere Kampagnen zur Verkehrssicherheit könnten die Situation verbessern. Krapsis erwähnte allerdings den teilweise schlechten Zustand der Verkehrswege nicht, der an manchen Stellen ebenfalls das Unfallrisiko erhöht. Beispielsweise ist eine Radtour durch die Innenstadt von Riga ein riskantes Unterfangen, denn Fahrradwege fehlen allenthalben. Nachts überqueren Fußgänger die schlecht beleuchteten Zebrastreifen auf den schnell befahrenen vierspurigen Ausfallstraßen. Der mäßig beschrankte Bahnübergang auf der autobahnartigen Via Baltica zwischen Riga und Valmiera ist gefährlich. Vor einigen Jahren war er Schauplatz eines tödlichen Zusammenstoßes zwischen Lok und Pkw. Lettlands Infrastruktur hielt mancherorts nicht Schritt mit dem intensiveren und schnelleren Verkehr. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres starben bereits 30 Menschen. Bei den wechselhaften Witterungsbeingungen hatten Autofahrer die Glättegefahr unterschätzt.

 

Verkehrstote pro eine Million Einwohner

In der EU-Verkehrstotenstatistik ist ein West-Ost-Gefälle erkennbar. Im Osten sterben pro eine Million Einwohner deutlich mehr Menschen auf den Straßen als im Westen der EU. In Lettland ist der Straßenverkehr deutlich riskanter als in den baltischen Nachbarrepubliken.

 

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Externe Linkhinweise:

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ec.europa.eu: Road Safety in the European Union

 
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