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Münster, 17.10.2017
Cūkmens-Aktion: Der Lette mag keine Schweinereien im Wald PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 10. August 2013 um 00:00 Uhr

CukmensDas Schwein ist das diskriminierteste Vieh auf der ganzen Welt: Es hat nicht nur ein bedauernswert bedrängtes und kurzes Leben, es muss zudem den Spott seiner Verzehrer ertragen. Es sei dumm und dreckig, behaupten sie. Cūkmens, Lettlands Superman mit Schweineohren und Steckernase, belehrt die Schnitzelschmatzer seit zehn Jahren eines Besseren: In seinem früheren Leben soll er wie seine Artgenossen, die Schweinemenschen, die Wälder der Bernsteinküste versaut haben. Doch er wurde wiedergeboren und ließ sich von den staatlichen Waldhütern auf den richtigen Weg führen. Er hilft nun alljährlich bei der Talka, so nennen die Letten ihre kollektiven Aufräumaktionen im Frühjahr,wenn die Emsigen die Sauereien der Schweinemenschenhorden aus der Landschaft entfernen. Nun predigt Cūkmens Bürgern und Politikern den Goldenen Verhaltenskodex, um nicht wie seine Verwandten als Schweinemenschen dahinzuvegetieren.

Cūkmens kommt, Foto: MOOZ

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Lettland: Überschwemmungen an der Daugava PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 19. April 2013 um 00:00 Uhr

Eis auf der DaugavaDie Tauwetterperiode bereitet den Anwohnern der Daugava stets eine sorgenvolle Zeit. Dann schwimmen Eisbrocken, Baumteile und Treibgut den größten Fluss des Landes hinab. Das Wasser dringt in ufernahe Häuser, überschwemmt Straßen und Felder; trennt ganze Dörfer von der Außenwelt ab. Die lange Kälteperiode und die rasche Erwärmung lassen die Wasserpegel in diesem Jahr höher steigen als gewöhnlich. Stark betroffen ist derzeit (19.4.13) der Ort Pļaviņas. Der Wasserstand lag hier in der Mittagszeit 2,30 Meter über der kritischen Grenze und erreichte damit einen neuen Rekord. Das meldete Latvijas Radio1. Der Stadtrat beschloss heute den Ausnahmezustand. Die Rettungskräfte mussten zu ersten Einsätzen ausrücken. Ein besonderes Problem sind Eisbrocken, die sich zu Dämmen auftürmen und die Wassermassen blockieren.

Das Eis auf der Daugava ist bei Überschwemmungen im Frühjahr ein spezielles Problem, Foto: LP

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Lettland: Ostern in der warmen Stube PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 29. März 2013 um 09:39 Uhr

Vereiste Daugava in Riga

Die Daugava in Riga im März, Foto: LP

In diesem Jahr benötigen Letten wohl Helm und Skianzug, um einer populären Tradition zu folgen: Wer das Schaukeln zu Ostern riskiert, das froh und fruchtbar macht, muss eisige Temperaturen ertragen. Die Kälte lässt auch an der Rigaer Bucht keine Frühlingsstimmung aufkommen. Die Metereologen verzeichneten zur Märzmitte (2. Dekade) die frostigsten Temperaturen seit 50 Jahren. Das Lettische Zentrum für Umwelt, Geologie und Meteorologie (Latvijas Vides, ģeoloģijas un meteoroloģijas centrs) maß in dieser Zeit eine mittlere Lufttemperatur von -8,1ºC, das sind 6,6 Grad unterhalb der Norm. An sechs Nächten fiel die Temperatur unter -20 ºC. Auch zum Osterfest wird der Frosch die Leiter nicht besteigen, die Temperaturen bleiben eisig. Lettland, in dem sich die Reformation früh und rasch verbreitete, bietet dennoch viele Möglichkeiten, sich die Festtage besinnlich zu gestalten. Dazu gehören im Land der Musik natürlich zahlreiche Konzerte, die glücklicherweise in beheizten Sälen stattfinden.

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Die Einsamkeit in den Arbeiterschließfächern - Woher hat der Rigaer Vorort Zolitude seinen Namen? PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Sonntag, den 09. Dezember 2012 um 00:00 Uhr

Plattenbauten in ZolitudeSolitude bedeutet im feinen Französisch Einsamkeit. Das wissen nicht nur die Stuttgarter, wo einst Friedrich Schiller unter der Solitude litt - nicht, weil er sich einsam fühlte, sondern weil der Württemberger Herzog Carl Eugen ihn dazu verdonnerte, an dessen Hoher Schule auf dem Schloss Solitude Militärarzt zu werden. Die gestrengen Lehrer befleißigten sich, dem späteren Freiheitsdichter die Schreib- und Literaturflausen solange auszutreiben, bis dieser der Württemberger Kerkerpädagogik entkam. Ein solch feines Schloss ist im Rigaer Vorort Zolitude nicht - bzw. nicht mehr - zu finden. Wer vom Flughafen kommt und auf die hohen Plattenbauten dieser Gegend schaut, denkt eher daran, dass vielleicht ein soziologischer Humorist diesem Stadtteil den Namen Zolitude verpasste: Wo ist man heutzutage sicherer vor nachbarlicher Neugier und sozialer Kontrolle als in der Anonymität eines Mikrorajons`, der sowjetlettischen Entsprechung von Berlin-Marzahn oder Köln-Chorweiler? In solchen Vierteln darf der vereinsamte Großstädter zuweilen noch Tage und Wochen nach seinem Ableben in seinem anberaumten rechteckigen Gefilde verharren, also schon verwitternd bei laufendem Fernseher beinahe noch so etwas wie am Leben bleiben - bevor schließlich der aus allen Ritzen quellende Leichengeruch die Bestatter doch noch auf den Plan ruft. Doch die zur Solitude veredelte Vorstadteinsamkeit bezeichnete kein Brettlspitzen-Dahrendorf. Sie führt vielmehr - wie am Neckar, so an der Daugava - auf eine Adelstradition des 18. Jahrhunderts zurück.

Plattenbauten von Zolitude, Foto: Laurijs Svirskis auf Wikimedia Commons

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