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Münster, 14.11.2018
Die Einsamkeit in den Arbeiterschließfächern - Woher hat der Rigaer Vorort Zolitude seinen Namen? PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Sonntag, den 09. Dezember 2012 um 00:00 Uhr

Plattenbauten in ZolitudeSolitude bedeutet im feinen Französisch Einsamkeit. Das wissen nicht nur die Stuttgarter, wo einst Friedrich Schiller unter der Solitude litt - nicht, weil er sich einsam fühlte, sondern weil der Württemberger Herzog Carl Eugen ihn dazu verdonnerte, an dessen Hoher Schule auf dem Schloss Solitude Militärarzt zu werden. Die gestrengen Lehrer befleißigten sich, dem späteren Freiheitsdichter die Schreib- und Literaturflausen solange auszutreiben, bis dieser der Württemberger Kerkerpädagogik entkam. Ein solch feines Schloss ist im Rigaer Vorort Zolitude nicht - bzw. nicht mehr - zu finden. Wer vom Flughafen kommt und auf die hohen Plattenbauten dieser Gegend schaut, denkt eher daran, dass vielleicht ein soziologischer Humorist diesem Stadtteil den Namen Zolitude verpasste: Wo ist man heutzutage sicherer vor nachbarlicher Neugier und sozialer Kontrolle als in der Anonymität eines Mikrorajons`, der sowjetlettischen Entsprechung von Berlin-Marzahn oder Köln-Chorweiler? In solchen Vierteln darf der vereinsamte Großstädter zuweilen noch Tage und Wochen nach seinem Ableben in seinem anberaumten rechteckigen Gefilde verharren, also schon verwitternd bei laufendem Fernseher beinahe noch so etwas wie am Leben bleiben - bevor schließlich der aus allen Ritzen quellende Leichengeruch die Bestatter doch noch auf den Plan ruft. Doch die zur Solitude veredelte Vorstadteinsamkeit bezeichnete kein Brettlspitzen-Dahrendorf. Sie führt vielmehr - wie am Neckar, so an der Daugava - auf eine Adelstradition des 18. Jahrhunderts zurück.

Plattenbauten von Zolitude, Foto: Laurijs Svirskis auf Wikimedia Commons

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Riga am Nationalfeiertag PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Montag, den 19. November 2012 um 10:16 Uhr

Rigas Rathaus am NationalfeiertagIn Ķengarags, der Vorstadt an der Daugava im Süden Rigas, bemerkt man vom höchsten lettischen Nationalfeiertag kaum etwas. Zwar wehen auch hier vorschriftsgemäß die rot-weiß-roten Flaggen an den Wohnhäusern, doch diese lang gestreckten Betonquader sind zu gewaltig, als dass eine einzige Fahne pro Block Wirkung erzielte. Die emsigen älteren Frauen der städtischen Hausverwaltung, die täglich Sauberkeit und Ordnung schaffen, stecken regelmäßig die Flaggen in die Halterungen. Sie müssen die Beflaggungspflicht bei vielen Gedenktagen und auch bei Staatsbesuchen beachten. Lettlands 94. Geburtstag, der 18.11.12, fällt auf einen Sonntag, der arbeitsfreie Tag ist auf Montag verschoben. Der Oberleitungsbus, der die Vorstädter ins Zentrum bringt, ist dennoch schon am Vormittag so voll, als ob Berufsverkehr wäre. Anlässlich des Jahrestages der Verkündigung der Lettischen Republik spendiert Rīgas Dome, der Stadtrat von Riga, in städtischen Bussen und Bahnen freie Fahrt. Richtung Innenstadt wird die Fahnenpräsenz dichter. In den Straßen, an denen sich kleinere Holzhäuser reihen, bilden die Fahnen eine rot-weiß-rote Allee. National gesinnt zeigten sich am Morgen bereits die Lutheraner. Ihr Erzbischof Jānis Vanags feiert traditionell einen ökumenischen Gottesdienst am höchsten politischen Festtag. Bekannte Volksvertreter besuchen den Rigaer Dom und das Fernsehen überträgt. Vanags erwähnt die lettische „Erfolgsgeschichte“ mit der am schnellsten wachsenden Wirtschaft innerhalb der EU. Er freue sich, davon zu hören, doch das nicht nur - ähnlich wie bei sportlichen Erfolgen - des nationalen Selbstbewusstseins, sondern vor allem der Hoffnung wegen, dass das Schlimmste vorüber sei und der Weg nun wieder nach oben führe. Die TV-Kamera zeigte den anwesenden Ministerpräsidenten Valdis Dombrovskis. Er dürfte die Worte des Kirchenfürsten mit Wohlgefallen vernommen haben.

Das Portal zum Rigaer Rathaus am Nationalfeiertag, Foto: LP

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Letten siedeln am Zvārte-Felsen Hexen an PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 01. November 2012 um 00:00 Uhr

Der Zvarte-Felsen am Fluss AmataViele Berge und Felsen sind sagenumwoben, man denke an die Loreley, den Kyffhäuser oder den Brocken. Dem eigenartigen Zvārte-Felsen am Flüsschen Amata fehlt bislang eine solche Überlieferung. Der rote Felsen, der mit einer grünen Kiefernmütze bedeckt ist, ragt recht malerisch aus dem Gewässer, das vom Sandsteinufer umrandet ist. Er steht allein in der Landschaft, von einem bewaldeten Abhang abgetrennt. Am Ufer gegenüber erstreckt sich eine große Wiese. Lettische Journalisten bezeichnen den Zvārte als das meist fotografierte Gestein ihres Landes. Die Gegend lädt dazu ein, Kindern zur Halloween-Zeit, die mittlerweile auch Lettland erfasst hat, schauerliche Geschichten zu erzählen. Die Verwalter des Gauja-Nationalparks, zu dem auch das Amata-Gelände zählt, haben nun einen wichtigen Schritt gewagt, damit bald echter Zvārte-Horror verkündet werden kann: Bislang waren lettische Hexen ohne zentralen Versammlungsort. Fortan werden sie sich auf der Wiese jenseits des Felsens verabreden, um sich auf die Ankunft des Teufels vorzubereiten.

Der Zvārte-Felsen am Fluss Amata in Vidzeme, Foto: LP

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Gäste lettischer Hotels sind meistens Deutsche oder Russen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 27. September 2012 um 06:27 Uhr

Das Hotel Latvija hinter der orthodoxen Kirche RigasDie Webseite baltictravelnews.com, die sich für Tourismus in baltischen Ländern engagiert, bezweifelte jüngst die Angaben der Zentralen Lettischen Statistikbehörde. Danach belegen Deutsche gemeinsam mit Polen nur den fünften Platz unter den Touristen, die Lettland besuchen (jeweils vier Prozent). Die staatlichen Statistiker beziffern – wenig überraschend – dass am häufigsten die Nachbarn aus Litauen (35 Prozent) und Estland (18 Prozent) die mittlere Baltenrepublik bereisen. Dann folgen die Russen (8 Prozent) und die Schweden (6 Prozent). Doch die Autorin Justīne Veinberga befragte Hoteliers vor Ort und diese beobachten eine andere Reihenfolge. In lettischen Hotels unterhalten sich die Gäste am Frühstückstisch häufig auf Deutsch und Russisch. Touristen aus diesen Ländern frequentieren lettische Herbergen offenbar am meisten – und, bei einer Webseite, die für Tourismus wirbt wenig überraschend: zur Zufriedenheit aller.

Hinter der orthodoxen Kirche in Riga lugt das Hochhaus des Hotels Latvija hervor, Foto: LP

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