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Münster, 05.6.2020
Lettische Staatsanwälte ermitteln gegen ehemalige ABLV-Angestellte PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 01. Februar 2020 um 00:00 Uhr

50 Millionen Euro „schmutziges Geld“ aus Weißrussland und Russland in die EU geschleust

ABLV-LogoDie Rigaer Staatsanwälte Gita Biezuma und Dainis Steinbergs informierten am 29. Januar 2020 in einer Pressekonferenz über Ermittlungen gegen zwölf Personen. Sie werden verdächtigt, sich an internationaler Geldwäsche beteiligt zu haben (lsm.lv). Um die 50 Millionen Euro wurden offenbar über Konten der inzwischen geschlossenen ABLV-Bank von ihrer illegalen Herkunft gesäubert. Lettlands drittgrößte Geschäftsbank ging vor einem Jahr nach wenigen Wochen pleite, nachdem eine US-Behörde sie u.a. der Finanzierung des nordkoreanischen Raketenprogramms bezichtigt hatte (LP: hier). Aber die Fahnder der lettischen Antikorruptionsbehörde KNAB und weiterer Behörden ermitteln in einer anderen Angelegenheit - wegen illegaler Geldverschiebungen, die zwischen Weißrussland, Russland und Ländern der EU getätigt wurden. Biezuma und Steinbergs beantworteten Fragen der Journalisten nur zurückhaltend, so dass der Öffentlichkeit das genaue Geschehen nur andeutungsweise bekannt ist. Unabhängig davon ermittelt die deutsche Polizei gegen die Deutsche Bank und vier lettische Kreditinstitute.

Eingangsschild der ABLV-Bank, Foto: LP

 

Fahnder kooperieren mit weißrussischen Kollegen

Die beiden Staatsanwälte verlautbarten, dass sich unter den zwölf Personen sieben ehemalige Beschäftigte der ABLV-Bank befinden, darunter auch ein Vorstandsmitglied; vier Tatverdächtige kommen aus dem Ausland; gegen fünf wird aktiv ermittelt, zwei von ihnen wurden inzwischen festgenommen. Die Zahlen könnten sich erhöhen, weil die Fahnder noch am Anfang ihrer Ermittlungen stehen. Dabei werden sie von Kollegen in Weißrussland unterstützt. An etwa 20 Orten der beiden Länder fanden Hausdurchsuchungen statt. 1,5 Millionen Euro wurden konfisziert. Die Verdachtsgruppe soll Anleger beraten und geholfen haben, wie sie Geld vor dem Finanzamt verbergen oder die Herkunft aus betrügerischen Machenschaften verschleiern. Dazu dienten beispielsweise in Großbritannien oder Zypern registrierte Scheinfirmen, die über Konten bei der ABLV verfügten. So kam das Schwarzgeld in den EU-Raum. Die illegalen Überweisungen sollen zwischen 2014 und 2018 stattgefunden haben, also bis in die letzten Tage der ABLV-Bank.

 

Zwei Festgenommene

Einer der beiden Festgenommenen ist laut Informationen von Latvijas Radio ein 29jähriger Banker, der in der ABLV beschäftigt war (lsm.lv). Laut Steinbergs wird ihm Geldwäsche im großen Umfang und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Der Beschuldigte ist zudem Vorstandsmitglied eines Unternehmens, das nach der aserbaidschanischen Währung benannt ist: „Manat“. Es machte 2018 einen Umsatz von etwa 2,5 Millionen Euro und befindet sich vollständig im Besitz einer weißrussischen Bürgerin. Früher existierte zudem eine „Manat Holdings“, die in der Republik Seychellen registriert war. Die Inselgruppe vor Ostafrika hat insgesamt die Größe Westberlins und gilt fiskalisch als Offshoregebiet. Außerdem kam ein Jurist hinter Gitter, der weißrussische Klienten "beraten" hatte (diena.lv). Die ABLV war für ihren problematischen Kundenkreis berüchtigt, doch ihre PR machte vor der endgültigen Pleite den Eindruck, dass sich die Bank mit Hilfe internationaler Kontrolleure auf dem Weg der Besserung befände. Mit ABLV-Kapital sollte in Riga ein neues Stadtviertel und ein Museum für moderne Kunst entstehen.

 

Deutsche Bank wieder im Visier

Unabhängig vom ABLV-Fall ermittelten deutsche und lettische Fahnder zur gleichen Zeit gegen die Deutsche Bank, Rietumu Bank, Regional Investment Bank, Industrial Bank und BlueOrange Bank. Gegenüber dem Fernsehsender LTV wiesen Vertreter der lettischen Banken den Verdacht einer Beteiligung an illegalen Geldgeschäften zurück. Die LTV-Journalisten vermuten, dass diese Ermittlungen im Zusammenhang mit den Panama-Papers stehen könnte. Die Deutsche Bank, die immer noch größte Deutschlands, die gerade ihr 150jähriges Jubiläum mit einer selbst verschuldeten Verlustbilanz bestreitet, musste im Dezember des letzten Jahres 15 Millionen Euro Strafe zahlen  - wegen der illegalen Machenschaften ihrer anrüchigen Tochter Regula Limited, die ihren Sitz auf den britischen Jungferninseln hatte, – das ist nur eines der Bußgelder in Millionenhöhe, das Richter in den letzten Jahren über die undurchsichtigen Frankfurter Twin-Towers verhängten, die von einem schrägen Balken im Quadrat geziert werden.

 

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