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Münster, 24.5.2017

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Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Hyperrealismus - Variationen in Lettland
Wann:
03.03.2017 - 21.05.2017 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Hyperrealismus - Variationen in Lettland

Diese umfangreiche Ausstellung ist bis zum 21.5.2017 in der Kunsthalle Arsenāls (Riga, Torņa iela 1) zu sehen. 170 Bilder von 50 Künstlern wurden ausgewählt, um die Epoche des Hyperrealismus von 1967 bis 2017 darzustellen. Die neue Kunstrichtung entstand in den USA, in der "fantastisch liberalen Atmosphäre" der 60er Jahre, wie Kuratorin Elita Ansone nostalgisch anmerkt. Die Fotokamera wurde zum künstlerischen Werkzeug. Sie bildete den städtischen Alltag ab: Autos, Wohnhäuser, Restaurants, Benzintanks, Telefonhäuschen, Reklamegestelle, Menschen auf der Straße. Die Fotografen widerspiegelten das Licht in den Vitrinen der Geschäfte, den Autopolierer in seiner Karosserie. Der Zusammenfluss der Bildinhalte ließ mitten im Realismus etwas Surreales entstehen. Die Maler begannen, mit den Fotografen zu konkurrieren und schufen ihrerseits Gemälde, die von Fotos kaum zu unterscheiden sind. Ansone beschreibt, wie der neue amerikanische Trend Europa und Lettland erfasste: "Der amerikanische Fotorealismus gelangte 1972 ins Bewusstsein des europäischen Publikums, als er auf der Kasseler "Documenta 5" ausgestellt wurde. Von diesem Moment an wurde die neue Strömung zum internationalen Phänomen, worüber auch in Lettland Informationen zugänglich waren." Daher interpretiert Ansone den lettischen Hyperrealismus nicht als lokale Erscheinung, sondern berücksichtigt den breiten Zusammenhang mit der westlichen Kunst. "Wenn in den USA und Europa der Hyperrealismus die logische Abkehr vom bereits zu lange vorherrschenden abstrakten Expressionismus bedeutete, so war er in Lettland eine Reaktion auf den sozialistischen Modernismus. Der ewige Drang neuer Kunstströmungen: Die vorherrschenden Prinzipien überwinden und als etwas Frisches andere Ausdrucksmittel einführen - das ist der logische Algorithmus des ästhetischen Wechsels in der Kunst und sie zeigte auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Lettland, dass dies unabhängig oder gar zum Trotz von der politischen Konjunktur geschieht." Doch Hyperrealismus in Reinform ist in der lettischen Kunst selten. Er wurde mit anderen Strömungen vermischt, beispielsweise mit der Kunst des Stillebens, die nun fotographisch wirkte. Hyperrealismus hatte natürlich auch eine gewisse Nähe zum sozialistischen Realismus. Ein Großteil der Ausstellung widmet sich dem konzeptuellen Ausdruck dieser Kunstform, also den Darstellungen, die die zugrundeliegende Idee sichtbar machen. Hyperrealismus verbreitete sich im neuen Jahrtausend auch in den digitalen Medien. Im Mittelpunkt steht aber die erste Generation der Künstler, die den Hyperrealismus nach Lettland brachten, dazu zählt neben Guntis Strupulis, Līga Purmale, Miervaldis Polis und Māris Ārgalis auch Imants Lancmanis, der vielen als unermüdlicher Restaurator des Schlosses Rundāle (Ruhental) bekannt ist. Die Ausstellung ist Teil der Reihe "Zehn Episoden aus der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Lettland" und ist die erste Veranstaltung, die das Nationalmuseum der Kunst dem 100jährigen Jubiläum der Staatsgründung widmet.


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