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Münster, 16.10.2018

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Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Übertragbare Landschaften
Wann:
03.05.2018 - 17.06.2018 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Parnesajamas ainavas - Übertragbare Landschaften

Lettisches Nationales Kunstmuseum, Großer Saal, Jana Rozentala laukums 1, bis 17.6.18

Das Lettische Zentrum für zeitgenössische Kunst organisiert diese internationale Ausstellungsreihe über lettische Künstler im Exil vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Sie erzählt über das Leben der Emigranten, die im Ausland künstlerische Zentren bildeten, so in Paris, New York, Gotland und Westberlin. In Paris gründete die Tänzerin und Schriftstellerin Aija Bertrand mit ihrem Ehemann Raymond Duncan 1920 die Kommune "Akademia", um mit Gesinnungsgefährten ein kapitalismuskritisches, von altgriechischer Kunst und lettischen Traditionen inspiriertes Leben zu führen (LP: hier). In New York trafen sich lettische Literaten und Künstler in den 50er Jahren in der berüchtigten Hafengegend Manhattans und gründeten Ellis Kekis, die zur größten lettischen Exilgruppe anwuchs, ein kräftiger "Akkumulator" im intellektuellen Milieu, wie die Kuratorinnen anmerken. Zum Ellis-Kekis-Kreis gehörte Fridrihs Milts, dem das Nationalmuseum bereits im letzten Jahr eine Ausstellung widmete (LP: hier). Der Maler Laris Strunke floh mit seiner Familie im Zweiten Weltkrieg vor der Roten Armee über die Ostsee und kam nach Gotland. Für das künstlerische Exilantenleben in Deutschland steht der Name Valdis Abolins. Er machte in den 70er Jahren lettische Kunst im Westen bekannt, organisierte in Düsseldorf die Ausstellung "20 Künstler aus dem sowjetischen Lettland" und sorgte dafür, dass Maija Tabaka ein DAAD-Stipendium für Westberlin erhielt. Für Schlagzeilen sorgte Abolins, der rebellische Mann im Hintergrund, bereits 1964 als Student der Technischen Hochschule Aachen. Damals veranstaltete er den Gedenktag des 20. Julis mit Fluxus-Künstlern, unter ihnen Wolf Vostell, Joseph Beuys und Bazon Brock. Das Happening, das mit der Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?" begann, endete - wohl nicht unkalkuliert - im Tumult (LP: hier). Nach einem halben Jahrhundert Apo-Bewegung erinnern sich auch die Aachener an ihren einstigen rebellischen Studenten: "Valdis Abolins und wie der Fluxus nach Aachen kam" ist Thema einer Ausstellung im Aachener Ludwig Forum, die noch bis zum 19. August 1018 zu sehen ist. (ludwigforum.de) "Betrachtet man die fernere Geschichte, so stellt man fest, dass unter dem Druck des Krieges oder politischer und ökonomischer Veränderungen ununterbrochen Migration stattfindet. Das Exil, die Diaspora und Migration sind auch kennzeichnende Größen der weltweiten Kulturräume, dessen Ausdruck nicht nur Änderungen auf der Weltkarte bedingten, sondern auch den Boden zur Entwicklung einer besonderen Kunst- und Kulturtätigkeit bereiteten, indem man kulturelle Vermischungen und Überlagerungen gestaltete, neue Ideen und Richtungen hervorbrachte," so erläutern die Kuratorinnen Solvita Krese, Inga Lace, Diana Popova, Antra Priede-Krievkalne und Andra Silapetere ihre Veranstaltung (lcca.lv). Eine Satellitenausstellung wird demnächst in Berlin eröffnet.


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