logo
Münster, 21.9.2018

Druckbutton anzeigen?

Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Ciao! Niklavs Strunke in Italien
Wann:
09.07.2018 - 09.09.2018 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Ciao! Niklavs Strunke Italia. 20. gadsimta 20. gadi - Ciao! Niklavs Strunke in Italien. Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts

Lettisches Nationales Kunstmuseum, Saal in der 4. Etage, Jana Rozentala laukums 1, Riga, bis 9.9.2018

"Čau" sagen Letten zur Begrüßung, wenn sie sich etwas besser kennen. Das Wort wird ausgesprochen wie das italienische "Ciao" und es stammt auch aus dem Lande des europäischen Stiefels. Der Dichter Aleksandrs Caks machte Niklavs Strunke für diese Italianisierung des Lettischen verantwortlich. Strunke wurde 1894 im polnischen Gostinina geboren, lebte später bei seiner Tante in Valmiera, studierte Kunst in Petersburg. Im Ersten Weltkrieg wurde er freiwilliger Rekrut in einem lettischen Schützenbataillon. 1919 beteiligte er sich kurzfristig an der expressionistisch orientierten Rigaer Künstlergruppe und reiste 1923 zunächst nach Berlin, um sich dort an der Großen Berliner Kunstausstellung zu beteiligen. In der deutschen Hauptstadt begegnete er Ruggero Vasari, dem Dichter und Verkünder des Futurismus`. Strunke wurde von der Italiensehnsucht erfasst. Während viele seiner Kollegen nach Paris zogen, lebte er von 1923 bis 1927 in Rom, wo er in der Nähe des Vatikans ein Atelier mietete, wohnte im Viertel Oltrarno von Florenz und auf Capri, er bereiste Venedig, die Toskana, die Bucht von Neapel und die Amalfiküste. Ihn interessierten gleichermaßen die alten und neuen italienischen Kunstepochen. Der Futurismus inspirierte ihn zu eigenen Werken, zu Gemälden, Buchillustrationen und modernen Bühnenbildern. Er lernte Filippo Tommaso Marinetti kennen, der das erste futuristische Manifest geschrieben hatte, traf sich mit Enrico Prampolini, dem Futuristen der zweiten Generation. Im Haus des futuristischen Kinopioniers Anton Giulio Bragaglia, einem Treffpunkt für Avantgardisten, veranstaltete Strunke 1924 eine Werkausstellung. Strunke, der "lettische Italiener", publizierte seine Ideen in italienischen Kunstzeitschriften. Doch ebenso wie von der italienischen Moderne ließ sich Strunke von der italienischen Renaissance inspirieren. In Kirchen und Museen studierte er die Malerei des Mittelalters und der frühen Neuzeit, verehrte den florentinischen Meister Fra Angelico und gestaltete aus solchen disparaten Impressionen neuartige Kompositionen. Die Ausstellung präsentiert Strunkes bekannteste Werke, darunter "Kopfkonstruktion, das Porträt von Ivo Pannaggi" (1924), "Sorrent" (1924-1925), "Der Mensch, der in ein Zimmer geht" (1927) und der "Florentiner im Winter" (1929). Außerdem werden in der Ausstellung weniger bekannte Eindrücke aus den visuellen Reisetagebüchern des Malers vorgestellt. Sie zeigen, wie ein Nordländer die “Sonne und ihr Land” wahrnahm, dessen Architektur und Alltagsleben. Wie so viele Letten musste Strunke im Zweiten Weltkrieg aus seiner Heimat fliehen und gelangte über Schweden ins italienische Exil, wo er 1966 in Rom starb und auf dem protestantischen Friedhof begraben ist. Die Liebe zu seiner zweiten Heimat hat er im Essay "Mein Italien" bekundet, der 1964 in seinem Buch "Sveta birze" (Heiliger Hain) veröffentlicht wurde.


(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||