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Münster, 17.2.2019

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Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Boris Lurie und NO!art
Wann:
03.02.2019 - 10.03.2019 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Museum für internationale Kunst Rigas Börse, Doma laukums 6, Riga, Atrium, Großer Saal, Parterre, bis 10.3.2019

Der PR-Text zur Ausstellung ist mit einer außergewöhnlichen Warnung verbunden, die die Besucherzahlen noch steigern könnten: „Warnung: Die in der Ausstellung zu sehenden Kunstwerke enthalten Motive der Gewalt und sexuellen Charakters“. Wie dem auch sei, das Thema ist aufrührerischer und nonkonformistischer Art. Boris Lurie wurde 1924 in Leningrad geboren und wuchs in Riga auf. Als die Deutschen 1941 Lettland eroberten, musste er mit den Verwandten ins Rigaer Getto ziehen. Seine Schwester, Mutter und Großmutter sowie seine Jugendliebe fielen den Massenerschießungen in Rumbula zum Opfer. Er selbst und sein Vater überlebten in Arbeitskommandos und überstanden die NS-Lager Kaiserwald, Salaspils, Lenta und dann noch die KZ Stutthoff und Buchenwald. 1946 emigrierte er mit seinem Vater nach New York, wo er Mitbegründer der NO!art-Bewegung wurde. Sie wandte sich gegen abstrakten Expressionismus, war politisch und provokativ. Luries Kunst war von seinen Erlebnissen geprägt, er mischte in seinen Collagen Krieg und Holocaustgreuel mit Reklamebildern und pornographischen Szenen. Er und seine NO!art-Mitstreiter sahen sich Anfang der 60er Jahre als Kritiker der Konsumgesellschaft, der Kommerzialisierung und der modernen Zivilisation schlechthin. Lurie veranstaltete gemeinsam mit Sam Goodman und Stanley Fisher in der alternativen March-Galerie brisante politische und sozialkritische Ausstellungen. Ab 1963 arbeitete Lurie mit der Schriftstellerin Gertrude Stein zusammen. Sie gründeten eine neue Galerie, in der u.a. die Ausstellungen „NO! Show“ und „NO!Sculpture (Shit) Show” stattfanden. Während seiner NO!art-Zeit traf Lurie eine Reihe von Gesinnungsgefährten, die international bekannt wurden, unter ihnen auch den Fluxus-Künstler Wolf Vostell. Luries „No, no, no“ zu Konformismus und Materialismus hat von seiner Aktualität nichts eingebüßt. Kuratorin Ivonna Veiherte zitiert eine Frage Luries, die er anlässlich seiner Ausstellung „Beteiligung“ im Jahre 1961 stellte: „Neue Grenzen … alte Grenzen. Ist es wirklich so, dass ein einziger Mensch die Welt erwecken kann?“ Für Veiherte bleibt dies die Grundfrage auch in dieser Ausstellung des Jahres 2019. Übrigens: Die NO!art-Bewegung hat eine deutschsprachige Webseite: text.no-art.info.


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