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Münster, 15.9.2019

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Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Merijas Reise
Wann:
07.09.2019 - 24.11.2019 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

 

Riga: Merijas celojums. Grosvaldu gimenes stasts - Merijas Reise. Die Geschichte der Familie Grosvalds

Lettlands Nationales Kunstmuseum, Ausstellungssaal 4. Etage und Kuppelsaal in der 5. Etage, Jana Rozentala laukums 1, Riga, vom 7.9. bis 24.11.2019, Ausstellungseröffnung am 6.9.2019 um 18 Uhr.

Die Ausstellung ist keiner Künstlerin, sondern einer Organisatorin und Bewahrerin der Kunst gewidmet, der Archivarin und Museologin Merija Grinberga. Ihre gleichnamige Mutter stammte aus der Familie Grosvalds, die neben dem Maler Jazeps einige weitere bekannte Persönlichkeiten hervorbrachte. Merijas Vater war der lutheranische Bischof Janis Grinbergs, der bis zu seinem Tod 1923 in Petersburg der lettische Gemeinde vorstand. Danach zog Merija mit ihrer Mutter nach Riga, die am Aspazijas Bulvaris ein Geschäft für Designartikel eröffnete. Merija absolvierte 1928 das Gymnasium, half ihrer Mutter im Geschäft und beteiligte sich an der Organisation verschiedener Ausstellungen in Helsinki, Budapest, Paris und Leipzig. Seit 1936 arbeitete sie als Archivarin im Staatlichen Geschichtsmuseum. Im Zweiten Weltkrieg sollte sie den in Kisten verpackten Bestand nicht nur des eigenen Hauses, sondern auch des heutigen Nationalen Kunstmuseums und des damaligen Dommuseums bewachen. Auf deutschem Befehl wurde die wertvolle Fracht am 7. Oktober 1944, also kurz vor dem Rückzug der Wehrmacht aus Riga, auf das Schiff „Ludwigshafen“ verladen und zunächst nach Königsberg, von dort ins tschechiche Opavu transportiert. Die lettischen Kunstwerke endeten schließlich im von US-Amerikanern besetzten München. Die Besatzer übergaben die Kisten Vertretern der Roten Armee. Merija wurde mit dem Rücktransport beauftragt. Sie musste eine gefährliche Zugfahrt über Wien, Budapest und Lemberg antreten, der Zug wurde mehrmals überfallen. Doch ihr gelang es, am 10. Februar 1946 elf Waggons mit 400 Kästen in die lettische Hauptstadt zu bringen. Nur die Münzsammlung des Dommuseums war verlorengegangen. Über dieses Abenteuer hat die Regisseurin Kristine Zelve unter dem Titel „Merijas Reise“ im letzten Jahr einen dokumentarischen Spielfilm gedreht. Die Ausstellung bezieht sich auf Zelves Werk und ordnet es in einen größeren Rahmen ein, der Merijas Leben vor dem Hintergrund historischer Ereignisse darstellt. Zelve ist Mitkuratorin, die gemeinsam mit Ieva Kalnaca die Ausstellung organisiert. Besucher werden die Tagebücher von Merijas Mutter, Merijas eigene Zeichnungen aus Kindertagen, einige besondere Exponate, die sie damals gerettet hat, Bilder des bekannten Verwandten Jazeps Grosfelds, Fotografien und Gegenstände aus Familienbesitz betrachten. Merija verarmte in stalinistischer Zeit. Das Regime misstraute ihr. Sie musste sich für ihre Reise rechtfertigen und sie verlor ihre Arbeit im Geschichtsmuseum. In den 50er Jahren arbeitete sie einige Jahre als Qualitätskontrolleurin in einer Fabrik für Elektroarmaturen. Sie musste einige der Gemälde ihres bekannten Verwandten Jazeps Grosvalds verkaufen. Erst in der Tauwetterperiode nach Stalins Tod erhielt sie eine Stelle als Bibliothekarin im Nationalen Kunstmuseum.


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