Druckbutton anzeigen?

Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Lucija Zamaica
Wann:
04.12.2019 - 25.04.2020 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Riga: Lucija Zamaica, Es un mani vardi – Ich und meine Worte

Romans-Suta-und-Aleksandra-Belcova-Museum, Elizabetes iela 57a, dz. 26 (Eingang über den Hof, 5. Etage), Riga, vom 4.12.2019 bis 25.4.2020, Ausstellungseröffnung am 3.12.2019, 17 Uhr

Ich, Lucija Zamaica, und meine Worte“, mit diesem selbstbewussten Titel benannte die Literatin ihren vierten Gedichtband, den sie 1923 veröffentlichte. Zamaica, die 1893 in der Nähe von Bauska geboren wurde und 1965 in Riga starb, war ein Bürgerschreck ihrer Zeit, links, feministisch, die Ehe bezeichnete sie als legalisierte Prostitution. In den zwanziger Jahren erregte sie öffentliche Skandale, weil sie beispielsweise ein Kleid trug, das vorn keusch biszum Hals geschlossen geschlossen war, aber hinten tief ihren Rücken bis zum Po entblößte - eine anschauliche Verkörperung der gesellschaftlichen Bigotterie. Ein Gericht verurteilte sie zu 100 Lats Strafe oder einem Monat Arrest, weil sie öffentlich einem Feuilletonchef vorgeworfen hatte, ihre Gedichte in seiner Brusttasche am Herzen zu tragen, an einem Ort, der seiner zweiten Frau zustehe. Unter Pseudonymen schrieb sie Essays, kritisierte die bürgerliche Doppelmoral, war gesellschaftskritisch und entlarvte die patriarchalischen Stereotypen über weibliche Rollenbilder. Sie kritisierte Spießbürger und lettische Selbstgefälligkeit. Ihr bekanntestes Werk wurde der Roman „Direktors Kazrags“, den sie 1927 in Paris schrieb, eine Satire über die Geschäfts- und Bankenwelt. In dieser Zeit lernte sie den Aktivisten Linards Laicens kennen, engagierte sich mit ihm in einer linken Gewerkschaft und betätigte sich im politischen Untergrund. Die deutschen Besatzer steckten sie 1941 für neun Monate ins Gefängnis. Doch auch mit den sowjetischen Machthabern hat sich die Standhafte nicht eingelassen. Kuratorin Nataļja Jevsejeva: „Zamaica war niemals Kommunistin gewesen, aber hat sich früh mit linken Ideen vertraut gemacht. […] Ungeachtet ihrer politischen Überzeugung hat Zamaica in den Jahren sowjetischer Okkupation nicht versucht, mit der neuen Macht zusammenzuarbeiten, sie trat nicht dem Schriftstellerverband bei, obwohl sie dadurch ihre Ansprüche auf eine Rente verlor. Nahe Freunde unterstützten die Dichterin, unter ihnen waren die Schauspielerin Anta Klints und die Malerin Aleksandra Belcova.“ Schon in den zwanziger Jahren hatte Zamaica die Malerin Belcova kennengelernt und im Lauf der Jahre eine enge Freundschaft geschlossen. Von ihr wurde sie ungezählte Male porträtiert. In der Ausstellung kann der Besucher einige dieser Gemälde und Zeichnungen betrachten. Außerdem sind Manuskripte, Gedichtkladden, Fotografien, Handschriften und private Gegenstände zu sehen. Karlis Verdins hat speziell zur Ausstellung einen Essay über Zamaicas Belletristik geschrieben.