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Münster, 19.9.2020

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Event-Kalender

Veranstaltung 

Titel:
Riga: Die Macht der Leidenschaft. Austra Ozolina-Krauze - Schriftstellerin, Mäzenatin, Spionin
Wann:
07.07.2020 - 21.11.2020 
Kategorie:
Ausstellungen

Beschreibung

Romans-Suta-und Aleksandra-Belcova-Museum, Elizabetes Straße 57a, Wohnung 26 (Eingang über den Hof, 5. Etage), Riga, vom 7.7. bis 21.11.2020

Das kleine Museum stellt wieder eine Künstlerin vor, die eng mit Romans Suta und Aleksandra Belcova befreundet war. Die neue Ausstellung widmet sich der sozialpolitisch engagierten Publizistin Austra Ozolina-Krauze (1890-1941), die “eine der intellektuellsten Frauen Lettlands” und “lettische Mata Hari” genannt wurde. Kuratorin Nataļja Jevsejeva beschreibt sie als “eigentümliche Persönlichkeit”, die “voller Widersprüche” gewesen sei. In ihrer Biographie gebe es noch viele Leerstellen. Jevsejeva möchte mit Porträts, Dokumenten, Fotografien und Manuskripten, die in dieser Ausstellung zu sehen sind, einige Lücken schließen.

Als Tochter eines wohlhabenden Bauunternehmers konnte sich Austra ein Studium im Ausland leisten. Von 1912 bis 1917 studierte sie Philologie und Rechtswissenschaften in Bern. In dieser Zeit begann sie, sozialpolitisch engagierte Texte zu veröffentlichen. In der Schweiz begegnete sie das lettische Literatenpaar Rainis und Aspazija. Mit ihnen arbeitete sie im Lettischen Komitee, zunächst als Sekretärin, dann als Leiterin dessen, was sich damals noch unschuldig “Propagandabüro” nannte. So wurde auch der Schweizer Geheimdienst auf sie aufmerksam. Offenbar konnte ihr auch der Feind seine Anerkennung nicht verwehren. Laut Jevsejeva war ihre lettische Propaganda gegen die Deutschen derart “beeindruckend”, dass sie in den Berichten der Deutschen Botschaft erwähnt wurde.

Nach Gründung der lettischen Republik kehrte sie in die Heimat zurück und befreundete sich mit Suta und Belcova an. Austra finanzierte das Satiremagazin “Ho-Ho”, in dem bekannte Schriftsteller und Dichter ihre Texte, Zeichner ihre Karikaturen publizierten. Auch Suta und Belcova waren Mitarbeiter. Die Freundin half den beiden finanziell, als sie “Baltars” gründeten, eine Werkstätte für Porzellanmalerei. In Austras Haus in der Lacplesa Straße richteten die beiden ihr Atelier ein. Fortan lebten die Freunde zusammen unter einem Dach.

Ender der zwanziger Jahre erkrankte Aleksandra an Tuberkulose. Austra finanzierte die gemeinsame Reise nach Südfrankreich, wo sich ihre Freundin einer Lungenoperation in Vence unterzog. Für beide war dieser Aufenthalt an der Riviera eine kreative Zeit; in einer angemieteten Villa schrieb Austra einen Roman über das Leben russischer Immigranten in Frankreich und das Theaterstück “Katrina”, dessen Hauptfigur Napoleons Geliebte Maria Walewska darstellt.

Danach wurde Austra offiziell für bankrott erklärt. Vielleicht hatte sie ihre Leidenschaft für Glücksspiele ruiniert. Jevsejeva vermutet, dass sie aufgrund dieser finanziellen Schwierigkeiten Spionin für mindestens zwei Geheimdienste wurde, deren Namen die Kuratorin aber nicht nennt. Die engagierte Publizistin war politisch links orientiert. Anfang der 30er Jahre besuchte sie Lehrgänge der Marxistischen Arbeiterschule der Berliner KPD (literatura.lv), arbeitete für kommunistische Zeitschriften und nahm 1932 am Antikriegskongress in Amsterdam teil. Austra nahm sich am 7. Juli 1941 das Leben, nachdem die Soldaten der deutschen Wehrmacht Lettland besetzt hatten.


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