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Münster, 26.9.2017
Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ III PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 02. August 2017 um 00:00 Uhr

3. Teil: Die Brandstifter

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Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ IV

Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ II - Mernieks

Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ I - Janis Zaklis

Massendemonstration 1905 in DundagaAugust Bielenstein, evangelischer Pastor in Dobele (Doblen), hat sich als Sprachforscher und Ethnograph Verdienste erworben. Seine Bücher sind ein wichtiger Beitrag zur lettischen Kulturgeschichte. Er glaubte zu wissen, weshalb die Letten 1905 den Gehorsam verweigerten, streikten und schließlich sogar die Herrensitze des deutschbaltischen Adels in Brand steckten, seine eigene Bibliothek ging damals in Flammen auf.

Massendemonstrationen fanden 1905 auch auf dem Land statt, wie hier in Dundaga, Foto: Saite

Bielensteins Argumente, weshalb es angeblich zum Aufruhr kam, werden auf der lettischen Wikipedia-Seite1 zum Revolutionsjahr vorangestellt: Der Druck der orthodoxen Kirche, um evangelische Letten zum Konfessionswechsel zu bewegen; Schriften wie die von Letten herausgegebene „Petersburgas Avize“, die den Nationalismus geschürt und Hass gegen Deutsche gesät hätten, die nationalistische Agitation des Lettischen Vereins in Riga; die Russifizierungspolitik des Zaren; lettische Bauernsöhne, die sich in Moskau oder an anderen russischen Universitäten einschrieben, um dann den nihilistischen, sozialdemokratischen Geist russischer Studenten mit nach Hause zu bringen. Fremde hatten also Bielensteins lettische Schäfchen verdorben, ihnen den Geist des Ungehorsams und des Widerstands in den Kopf gesetzt.

So erklären sich Eltern die Verdorbenheit ihrer Kinder. Und darin lag die eigentliche Ursache des Konflikts: Die deutschbaltische Oberschicht pflegte ein patriarchalisches Verhältnis zu den Letten, die als Untertanen, also als Herrschaftsobjekte mal fürsorglich, mal repressiv behandelt wurden. Bielenstein hielt Letten für zu unreif, um selbst Politik zu machen und einen Staat zu regieren. Der Zorn der für unmündig gehaltenen Aufständischen richtete sich gegen diese hochmütige Fremdherrschaft deutschbaltischer Gutsherren und Pastoren, von denen sie keine Befehle und Vorschriften mehr akzeptierten. Im Sommer 1905 formte sich der Unmut zum Massenprotest, der in blutiger Gewalt endete.

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Zwei Gemälde von Julius Gottfried Siegmund wieder in Riga PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 29. Juli 2017 um 00:00 Uhr

Werner von Sengbusch schenkte dem Museum für Stadtgeschichte lange Verschollenes

Bildübergabe1Zu Beginn der Mitgliederversammlung des deutsch-lettischen Kulturvereins Domus Rigensis (DR) am 7.7.17 wartete Werner von Sengbusch mit einer Überraschung auf. Im festlichen Haberlandsaal des Rigaer Museums für Stadtgeschichte und Schifffahrt waren zwei Ölbilder aufgestellt, die das DR-Vorstandsmitglied der anwesenden Museumsleiterin Klara Radzina übergab. Es sind Porträts zweier Deutschbalten: Hamilcar Baron von Fölkersahm (1811-1856) und Friedrich Wilhelm Brederlo (1779-1862). Julius Gottfried Siegmund (1828-1909) hatte diese Bilder im Auftrag des damaligen Dommuseums gemalt. Von Sengbusch erzählte von ihrer langen Reise im 20. Jahrhundert, die das deutschbaltische Schicksal widerspiegelt.

Werner von Sengbusch und Klara Radzina bei der Bildübergabe, Foto: Werner von Sengbusch

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Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ II - Mernieks PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 26. Juli 2017 um 00:00 Uhr

2. Teil: Janis Zaklis als Mernieks, Revolutionär in Riga

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Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ IV

Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ III

Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ I - Janis Zaklis

Denkmal für die Revolutionäre von 1905 in Riga, DaugavaJanis Zaklis erhielt im Januar 1905 von der kurländischen Polizei seine Papiere zurück. Er dachte nach seinem Aufenthalt in der Arrestzelle gar nicht daran, nun braver Bürger zu werden. Es war Winter, doch im ganzen Land war die Stimmung aufgeheizt. Noch im Dezember hatten Arbeiter in Riga, Liepaja und Daugavpils (Dünaburg) auf den Werften und in den Fabriken gestreikt, auch in der russischen Hauptstadt Petersburg verweigerten sie die Arbeit. Dort waren am 22.1.19051 Zehntausende Demonstranten zum Winterpalast des Zaren gezogen, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Meinungsfreiheit, Agrarreformen und Demokratie einzufordern. Die Antwort waren Gewehrsalven russischer Soldaten. Beim Petersburger Blutsonntag wurden Hunderte Demonstranten getötet oder verwundet. Der Funke sprang nach Riga über, wo Arbeiter drei Tage später den Generalstreik ausriefen, die Werkshallen verließen und sich zu Protestkundgebungen ins Zentrum aufmachten. Etwa 60.000 Menschen2 zogen zum Daugava-Ufer. Sie forderten den Acht-Stunden-Tag und mindestens einen Rubel Lohn pro Arbeitsschicht. Auch sie wurden an der Eisenbahnbrücke von russischen Soldaten aufgehalten. Der Menge wurde befohlen, sich in alle Richtungen zu zerstreuen. Die Menge weigerte sich, sie warf mit Schneebällen nach den bewaffneten Handlangern des Zaren. Dann fiel aus der Menge ein Schuss, der einen Soldaten tödlich verletzte. Jetzt hatte die Armee einen Grund, das Feuer zu eröffnen. 73 Demonstranten wurden erschossen, mehr als 200 verwundet, viele ertranken auf der Flucht, weil sie auf dem Eis der Daugava einbrachen. Die Toten und Verletzten waren meistens junge Arbeiter, aber auch Studenten, Lehrer und Schüler.3 Nun hatte auch Riga seinen blutigen Tag. Der lettische Auftakt zum Revolutionsjahr 1905 war erfolgt. Der Streik wurde fortgesetzt, noch viele Streiks und Demonstrationen sollten folgen.

Sowjetisches Denkmal für die Revolutionäre von 1905 am Daugava-Ufer in Riga, Foto:CC BY-SA 2.5, Saite

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