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Münster, 09.12.2019
Lettische Delegierte boykottieren Jubiläumsfeiern des Europarates PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 05. Oktober 2019 um 10:12 Uhr

„Mit der Zeit werden sie sich uns anschließen...“

Inese Libina-EgnereDer französische Staatspräsident Emmanuel Macron fand am 1. Oktober 2019 in Straßburg euphorisch klingende Worte zum 70jährigen Jubiläum des Europarates (ER), dem 47 Mitgliedstaaten angehören und zu dessen Aufgaben der Einsatz für Menschenrechte und Rechtsstaat zählt: „Ich glaube an dieses Europa der Menschen, des Verantwortungsbewusstseins, der Fantasie und der Schönheit. In einem Europa der Künstlerinnen und Künstler, der Freien und Zufriedenen, der Rebellinnen und Rebellen und der Hoffnungsträger. Diese Hoffnung ist unsere Hoffnung. Träumen wir also, denn das alles sind wir!“ (coe.int) Ob er mit „Rebellen“ auch die Gelbwesten im eigenen Lande meinte, bleibt ungewiss. Für den Franzosen hat das internationale Forum eine bestimmte Aufgabe: „Ich bin davon überzeugt, dass der Europarat der Ort ist, an dem die Spaltungen unseres Kontinents repariert werden können, da hier das europäische Bewusstsein entsteht und debattiert wird.“ (coe.int) Macron denkt an das gespannte Verhältnis zu Russland. Er begrüßte ausdrücklich, dass dessen Delegierte in diesem Jahr das Stimmrecht zurückerhalten haben, das ihnen nach der Krim-Annexion und der Unterstützung ostukrainischer Separatisten entzogen worden war. Danach zahlte die russische Regierung keine Mitgliedsbeiträge mehr, so dass jährlich 33 Millionen Euro in der Kasse fehlten. Am 26. Juni hatte die Parlamentarische Versammlung des ER mehrheitlich beschlossen, Russland wieder volle Mitgliedsrechte zu gewähren. Dagegen stimmten neben den Delegierten der Ukraine, Polen, Slowakei und dem in die NATO drängenden Georgien auch jene der drei baltischen Länder. Am 8. Juli beriet die lettische Saeima das weitere Vorgehen ihrer ER-Delegierten. Die Abgeordneten stimmten mit großer Mehrheit für eine Absichtserklärung, die Russlands Interventionen in der Ukraine und Georgien erneut verurteilt, die Erneuerung der Stimmrechte als „riesigen Schaden für die Reputation des Europarats“ betrachtet und die lettischen ER-Delegierten auffordert, mit Gleichgesinnten gegen die Rehabilitierung Russlands zu arbeiten (likumi.lv). Am 1. Oktober hat Inese Libina-Egnere, Leiterin der lettischen ER-Delegation, mit Vertretern der baltischen Nachbarländer, Ukraine und Georgien die “Baltija+ grupa” gegründet, deren erste Aktion darin bestand, die ER-Feierlichkeiten Anfang Oktober zu boykottieren, um „Russlands militärische Okkupation in der Ostukraine, einem Teil Georgiens und Moldawiens” zu verurteilen. Aber nicht alle Saeima-Abgeordneten teilen die Auffassung der liberal- bis nationalkonservativen Regierungsfraktionen.

Inese Libina-Egnere in einer Saeima-Sitzung, Foto: Saeima (Reinis Inkēns, Saeimas Kanceleja) - 29.maija sēde, CC BY-SA 2.0, Saite

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Lettische Kunstausstellungen im Oktober 2019 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 03. Oktober 2019 um 00:00 Uhr

Ein Jubiläum, eine Retrospektive und Erinnerungen als solche

Belcova, SelbstporträtDieser Herbst ist den Erinnerungen gewidmet. An was wir uns wie erinnern, beeinflusst unser gegenwärtiges Denken und Handeln. Das lässt sich sowohl auf das kollektive Gedächtnis als auch auf die Psyche jedes einzelnen beziehen. Die Lettische Kunstakademie erinnert in einem ungewöhnlichen Projekt an ihr 100jähriges Bestehen, zugleich an der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Akademie: Dem kreativen Gedankenaustausch unter freiem Himmel, daran soll auch der Besucher der sich im Prozess befindlichen Ausstellung teilhaben. Im Nationalen Kunstmuseum ist ab Mitte Oktober eine Retrospektive zum Werk Aleksandra Belcovas zu sehen, sie gehört zu den Frauen, die die lettische Moderne mitgestalteten. Das litauische Kunstprojekt X-Memory thematisiert den Einfluss der Erinnerung auf unser Leben. 20 Künstlerpaare versuchen aufzuzeigen, wie die Erinnerung unsere Gegenwart prägt, die Kommunikation mit den Mitmenschen und unsere Entscheidungen beeinflusst. Hier die Zusammenfassung aus den PR-Texten lettischer Kunstmuseen für den Monat Oktober.

Aleksandra Belcova, Selbstporträt, Foto: Normunds Braslins/ LNMM

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Projekt „Parks ohne Grenzen“ führt lettische und russische Garten- und Parkspezialisten zusammen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 28. September 2019 um 00:00 Uhr

Gemeinsam gegen Baumsterben und Klimawandel

ZirbelkieferUm das Verhältnis Russlands zu seinen mittelosteuropäischen Nachbarn steht es nicht zum Besten. Der mythologisierende Umgang mit der Stalin-Zeit, die umstrittene NATO-Osterweiterung und schließlich der ukrainisch-russische Konflikt seien als Reizworte genannt. Ob die derzeit Regierenden in der Lage sind, die Spannungen zu entschärfen, erscheint ungewiss. Ihnen gehen die politischen Ratgeber aus, die den Krieg teils als Soldat selbst erleben mussten und deshalb um die Bedeutung des Friedens wussten. Wo aber Gefahr ist, wächst bekanntlich das Rettende auch. Vom 23. bis 25. September 2019 trafen sich im nordlettischen Ort Gulbene (deutschbaltisch: Schwanenburg) russische und lettische Park- und Gartenspezialisten, um sich über die Situation solcher Grünflächen in der Zeit der Klimaveränderungen auszutauschen. Vielleicht entsteht ein wechselseitiges Verständnis für gemeinsame Probleme und Interessen jenseits der politischen Frontlinien.

Solche Zirbelkiefern wachsen auch im Juzefova-Park, Foto: Tigerente - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

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