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Münster, 24.4.2019
Voldemars Veiss` Gedenktafel auf dem Ehrenfriedhof „Bralu kapi“ PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 30. Januar 2019 um 00:00 Uhr

Wird in Riga wegen eines deutsch-lettischen Vertrags ein NS-Kollaborateur verehrt?

Eingangsschuld zum Brüderfriedhof in RigaDarauf wurde am 12. Dezember 2008 sogar die italienische Corriere della Sera aufmerksam: Mussolini hatte gerade lettische Politiker entzweit: "Die historische Figur von Benito Mussolini hat mehr als 60 Jahre nach seinem Tod Chaos und hitzige Debatten im lettischen Parlament entfacht, nachdem auf dem Friedhof, wo die `Väter des Vaterlandes` des baltischen Landes bestattet sind, eine Gedenktafel zu seinen Ehren aufgestellt wurde." (corriere.it, Dank an eine Römerin, die nicht genannt werden möchte, für den Hinweis). Nun war die Tafel nur erneuert worden und sie enthält noch viele andere Namen. Mit der lettischen Verehrung für Mussolini wird sich die LP später einmal beschäftigen. Doch in der Debatte fiel ein weiterer Name, Voldemars Veiss, der ebenfalls auf dem genannten Friedhof zu lesen steht und dem angeblich in deutschem Interesse gehuldigt wird. Die Namen der Genannten sind auf dem "Bralu kapi", dem Brüderfriedhof in Riga zu finden. So nennen Letten ihre Ehrenfriedhöfe für Soldaten. Jene, die als sogenannter "kleiner Mann" oder sogenannte "kleine Frau" auf dieser Welt wandeln und die in rührender Weise noch die Gräber ihrer Liebsten für ein paar Jahre auf eigene Kosten hegen und pflegen, bis sie alle schon wieder sang- und klanglos aus der Weltgeschichte verschwunden sein werden, sie dürften nicht schlecht staunen, wer so alles auf diesem absurden Planeten "verewigt" wird. 

Zugangsschild zum Rigaer Brüderfriedhof, Foto: LP

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Lettische Historiker recherchierten über das Lager Salaspils: Teil 3: Lettisch-russischer Streit um Fakten und Deutungen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 26. Januar 2019 um 00:00 Uhr

„Versuch, nazistische Schandtaten zu verhehlen“

Figuren der Gedenkstätte SalaspilsAus sowjetischen Quellen stammt die Zahl von 100.000 Opfern, die in Salaspils getötet worden seien1. Die lettischen Historiker Kangeris, Neiburgs und Viksne ermittelten nur knapp ein Viertel als Gesamtzahl der Inhaftierten, von denen einige überlebten, zumindest die Zwischenstation in Salaspils. Man kennt die Gefahr der Verringerung bei diesem Thema aus rechtsradikalen Kreisen. Solche ziehen die Zahlen des Holocausts prinzipiell in Zweifel, sie leugnen sogar schlechthin, dass der industrielle Massenmord an Juden und anderen dem Regime nicht genehmen Gruppen erfolgt ist, eine Behauptung, die in Deutschland legitimerweise unter Strafe steht. Deshalb soll hier herausgestellt werden, dass in der Salaspils-Forschung des lettischen Autorentrios keine rechtsradikalen Bestrebungen zu entdecken sind. Die nationalsozialistischen Verbrechen (inklusive ihrer lettischen Beteiligung) werden weder verharmlost noch verleugnet. An keiner Stelle erhält der Leser den Eindruck, dass etwas aus lettischer Perspektive beschwichtigt oder geschönt werden soll, die Autoren bemühen sich um wissenschaftliche Aufklärung, gestehen auch ein, wo sie auf Recherchegrenzen stoßen, dort, wo geeignete Daten und Dokumente fehlen.2 Die deutschen Besatzer hatten die Akten des Lagers Salaspils bei ihrem Rückzug aus Lettland vernichtet.3 Dennoch gelang es den Historikern, durch zahlreiche Dokumentenfunde vieles zu erhellen. Sie zweifelten dabei Zahlen und Greueltaten an, die sich in den Berichten der Außerordentlichen Kommission von 1944 finden und die aus Sicht der Autoren zu Propagandazwecken benutzt wurden. Bis heute bleibt beim Thema Salaspils die Trennung von Fakten und Fake-Daten unscharf, die Vermischung ist nützlich, wenn sie dem eigenen nationalen Narrativ entspricht. Das verdeutlicht eine Rezension auf der lettischsprachigen Webseite des russischen Nachrichtenmagazins Sputnik, die zu diesem Buch erschienen ist. Unterschiedliche Geschichtsdeutungen sind ein wichtiger Grund dafür, weshalb das lettisch-russische Verhältnis bis heute angespannt ist.


Figuren der Gedenkstätte Salaspils, Foto: Neaizsargāts darbs, Saite
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Krisjanis Karins mit deutlicher Mehrheit zum lettischen Ministerpräsidenten gewählt PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 23. Januar 2019 um 15:54 Uhr

„Wir sind keine Revolutionäre“

Krisjanis KarinsDie Saeima-Abgeordneten haben am 23. Januar 2019 Krisjanis Karins, Politiker der kleinsten Parlamentsfraktion Jauna Vienotiba (Neue Einigkeit, JV), nach mehrmonatigen Koalitionsverhandlungen zum Ministerpräsidenten gewählt. Er erhielt 61 von 100 Saeima-Stimmen (lsm.lv). Fünf Abgeordnete der zukünftig mitregierenden Neugründung „Kam pieder valsts?“ (Wem gehört das Land? KPV) stimmten mit der Opposition gegen Karins. Die neue Regierung besteht aus fünf Parteien: Neben JV (8 Abgeordnete) und KPV (16) stellen Jauna konservativa partija (Neue Konservative Partei, JKP, 16), Attistibai/Par! (Für Entwicklung/Pro! AP, 13) und Nacionala apvieniba (Nationale Allianz, NA, 13) die zukünftigen Minister. Karins erklärte, dass seine Koalitionäre „keine Revolutionäre“ seien. Das bedeutet offenbar, dass keine grundsätzlich veränderte Politik zu erwarten ist.

Krisjanis Karins in der außerordentlichen Saeima-Sitzung, in der seine Wahl zum Ministerpräsidenten auf der Tagesordnung stand, Foto: Ernests Dinka, saeima.lv

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