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Münster, 11.7.2020
Lettland: Ausnahmezustand bis 12. Mai verlängert PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 15. April 2020 um 15:30 Uhr

Einzigartige Corona-Mutationen in Lettland

Corona-TestDie Maßnahmen der lettischen Regierung als Reaktion auf die Corona-Epidemie sind offenbar wirksam. Bislang hält sich die Zahl der ermittelten Neuinfektionen in Grenzen, ein exponentieller Anstieg ist nicht erkennbar. Seit drei Tagen befindet sich die Zahl der täglich ermittelten Neuerkrankungen, die am 1. April mit 48 Neuinfizierten den Höchststand erreichte, wieder im einstelligen Bereich. Derzeit haben die lettischen Untersuchungslabors 666 Covid-19-Infektionen ermittelt; insgesamt wurden 29.896 Personen getestet (nra.lv). Damit meldet das lettische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prophylaxe (SPKC) deutlich geringere Zahlen als die Nachbarländer Litauen und Estland. Dennoch beschloss das Ministerkabinett in der letzten Woche, den Ausnahmezustand bis zum 12. Mai zu verlängern; Gesundheitsministerin Ilze Vinkele warnte, dass der Höhepunkt der Pandemiewelle noch bevorstehe. Weiterhin bleiben also Kindergärten und Schulen geschlossen, öffentliche und private Veranstaltungen verboten, Restaurants und zahlreiche Geschäfte geschlossen, die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Ministerpräsident Krisjanis Karins erwägt allerdings, in zwei Wochen erste Beschränkungen aufzuheben.

Ein Set für den Corona-Test, Foto: Centers for Disease Control and Prevention -  Neaizsargāts darbs, Saite

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Die Seuchenerfahrungen der Vorfahren, Teil 2 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Sonntag, den 12. April 2020 um 00:00 Uhr

Wie man dem Tod entkommt

Juan de Flandes: Jesus weckt Lazarus aufDie Vorfahren ahnten bereits, wer unbekannte Krankheiten, damit Not und Elend ins Land brachte: Reisende und Tiere aus der Ferne, also vor allem Reiter und Vögel, die als die Seuchen selbst personifiziert wurden. Die Bewohner von Landstrichen, die von der Pest und der Cholera überfallen wurden, rangen nach Mitteln, der tödlichen Gefahr zu entkommen oder aber, sich ihr zu stellen. Sie waren bestrebt, den Absichten der Krankheiten auf die Spur zu kommen und entwickelten spezielle Behandlungen, um sie abzuschrecken. Die überlieferten Sagen künden davon, wie die Letten es schafften, mit dem Leben davonzukommen.

Juan de Flandes: Jesus weckt den toten Lazarus auf, Foto: 1. The Yorck Project (2002) 10.000 Meisterwerke der Malerei (DVD-ROM), distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH. ISBN: 3936122202. 2. Museo del Prado, Galería online, Gemeinfrei, Link

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Die Seuchenerfahrungen der Vorfahren, Teil 1 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 09. April 2020 um 18:44 Uhr

“Man spürte das Herannahen der Krankheit kaum: Sie begann mit Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit — und da war auch schon der Tod zur Stelle.”

Cholera-Gedenkkreut in München HaidhausenDieses Osterfest findet unter Umständen statt, die nicht weiter erläutert werden müssen. Kein lebender Zeitgenosse in Europa hat derartiges bislang erlebt. Für die Vorfahren gehörten aber Seuchen, Krankheiten und vorzeitiges Ableben zum brutalen Alltag. Was erzählten sie sich über Pest, Fieber und Cholera? Und wie konnte man diesen Plagen entkommen? Darüber geben verschiedene Überlieferungen aus der lettischen Märchen- und Sagensammlung von Peteris Smits Auskunft, die zum Teil digital auch in deutscher Sprache verfügbar ist (lfl.lv). Unter der Rubrik “Slimibas” (Krankheiten) erzählen Lettinnen und Letten, wie Seuchen die Menschen heimsuchten. Da häufig Orte oder Landstriche genannt sind, entspricht die formale Erzählform meistens den Sagen. Diese sind aber nicht literarisch ausgeschmückt und überarbeitet, sondern meistens kurz und bündig, so wie sie eben mündlich überliefert wurden. Die verknappte Form lässt das eigentlich Tragische zuweilen fast ein wenig komisch erscheinen, wenn zum Beispiel die Pest fast alle Bewohner eines Bauernhofs tötet: “Die Mägde prahlten stolz, gar nicht ans Sterben zu denken, aber beim Abendessen fielen ihnen die Löffel aus der Hand. Nur ein ganz alter Mann blieb am Leben. Alle anderen — der Bauer, die Bäuerin, drei Mägde, zwei Knechte und der Hirtenknabe — alle waren gestorben,” so erzählt es Karlis Blaubergis aus der Gegend von Serpils (lfl.lv). Ebenso tragikomisch bahnt sich in Blaubergis` Pesterzählung noch eine Liebesgeschichte an: “Es wird erzählt, dass in einer anderen Gemeinde nur zwei Menschen am Leben geblieben waren. Der eine begann aus vollem Halse zu schreien. Als der andere das hörte, antwortete er mit Schreien. So fanden sie sich: der eine (Mensch) war ein Mädchen, der andere ein Jüngling.” Das Verhältnis zwischen Menschen und Seuchen war in alten Zeiten ein enges, fasst zutrauliches. Smits` Sagensammlung kündet von den Versuchen, sich wechselseitig zu überlisten, manchmal mit Happy End für den Menschen.

Cholera-Gedenkkreuz in München-Haidhausen, Foto: Evergreen68 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

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