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Münster, 19.6.2018
Radfahrerprotest in Riga PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 26. Mai 2018 um 08:27 Uhr

"Kritische Masse" reagiert auf Ignoranz der Stadtpolitiker

FahradwegdenkmalFür Fahrradfahrer sind die Straßen Rigas nach wie vor ein gefährliches Pflaster. Radwege und Radstreifen sind eine Seltenheit, Beinahekollisionen mit Motorisierten gehören zum Alltag. Zudem ist es seit 2016 den Benutzern der Drahtesel verboten, die breiten Bürgersteige zu befahren. Nun müssen sie auf den Fahrbahnen gleich neben den Autofahrern ins Pedal treten. Eigentlich sind Lettlands ebene Landschaften für lange Radtouren wie geschaffen. Doch allenthalben fehlen Radwege. Die Gefahren sind wohl der gewichtigste Grund, weshalb nur 9,9 Prozent der lettischen Einwohner das Fahrrad regelmäßig nutzen (riga.lv). Doch die Zahl unverdrossener Biker wächst unaufhaltsam. Sie haben sich der weltweiten Bewegung der "critical mass" angeschlossen: Am 1. Mai demonstrierten Rigas Radler zum 15. Mal in der Innenstadt und erinnerten die Stadtpolitiker an ihre Vorhaben.

Die Promenade mit Fahrradweg an der Daugava. Ein Fahrradweg ist in Riga etwas ganz Besonderes, deshalb wurde ihm ein Denkmal gewidmet. Foto: LP

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Empfehlungen für Lettland: EU-Kommission mahnt Minderung der sozialen Ungleichheit und Besserung bei der gesundheitlichen Versorgung an PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 24. Mai 2018 um 13:55 Uhr

Wer nicht arbeitet, wird zukünftig nicht voll behandelt

EU-FlaggeSeit 2011 überprüft die EU-Kommission, die quasi die Regierung des Staatenbundes darstellt, die Haushaltspläne der einzelnen Mitgliedstaaten. In länderspezifischen Empfehlungen bewerten EU-Experten die geplanten Gesetze. Obwohl das - durchaus umstrittene - Hauptziel die Haushaltsdisziplin, also das Vermeiden staatlicher Schulden ist, sorgen sich die EU-Kommissare im Falle Lettlands auch um das Soziale: Sie kritisieren die Ungleichheit zwischen arm und reich, die Mängel in der gesundheitlichen Versorgung und die niedrigen Steuereinnahmen, mit denen der lettische Fiskus die Vermögenden schont.

Die EU-Flagge, Foto: Gemeinfrei, Link

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Zum Leben und Werk von Carl Gustav Jochmann, Teil 2: Politische Glossen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 17. Mai 2018 um 00:00 Uhr

Karikatur Denkerclub

"Der endgültige Verzicht auf die Suche nach der wahrhaft menschlichen Gesellschaft bedeutet tödlichen Stillstand." (Ulrich Kronauer)

Ausgerechnet 1819, im Jahr der Karlsbader Beschlüsse, beendete Jochmann seine Tätigkeit als Advokat in Riga, reiste fortan durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz, traf aufgeklärte Geister, die ihn anregten, selber Texte zu veröffentlichen. Doch in der Zeit der Restauration fürchteten die Fürsten das freie Wort, übten Zensur und verfolgten die Anhänger der liberalen Bewegung. Jochmann ließ seine Bücher anonym drucken, sie waren ein Protest gegen Standes- und Zunftprivilegien, gegen die willkürlich herrschenden Fürsten, die ihr Volk unmündig wünschten, damit es die herrschende Ordnung nicht in Frage stellte. Gegen die Willkür, mit der sich wenige auf Kosten vieler bereicherten, setzte der Aufklärer die Vernunft, sie entsprach der natürlichen und göttlichen Ordnung. Mit ihr würden sich die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Besseren und Humaneren entwickeln. Doch Jochmann musste in seiner Zeit feststellen, dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig erfolgte. Die selbstverschuldete und erzwungene Unmündigkeit des Menschen, der Egoismus der Herrschenden, die von der Unaufgeklärtheit ihrer Untertanen profitierten, starre Standes- und Zunftgrenzen und die Gewohnheit, an überkommene Traditionen und Aberglauben festzuhalten, fehlende Pressefreiheit - das alles bewirkte Stillstand, sogar Rückschritt in frühere Zustände. Jochmann fühlte sich als Fremder unter seinen Zeitgenossen, die ihm wie Automaten vorkamen, vom Wahnsinn betrieben: "Den Wirrwarr aufs höchste zu steigern, sind die meisten Sterblichen: Automaten, vom Wahnsinn in Handlung gesetzt und bewegt. Diesen Wahn und irren Sinn erzeugen nicht bloß Nervenzerrüttung oder Leidenschaften der Liebe, des Hochmutes, des Geizes, sondern Erziehung, Schulunterricht, Schicksal und die ganze Ideen-Erbschaft aus der Vorwelt, die jeder wieder der Nachwelt zuschleppt."1 Jochmann, für den die Bildung höchstes Gut war, kritisierte auch die Schulmeister, wenn sie das Falsche, nämlich die Ideen aus der unaufgeklärten Vorwelt lehrten. Oberstes Maß war die Vernunft, die göttliche Weltordnung, die nicht zuletzt zu dem, was Kirchenvertreter predigten, im Widerspruch stand. Acht Jahre nach Jochmanns Tod veröffentlichte Heinrich Zschokke unter dem Titel "Reliquien" größtenteils unveröffentlichte Essays, Aphorismen und Glossen des Freundes. Im zweiten Band der Nachlasssammlung befindet sich ein Kapitel "Politische Glossen"2. Das sind 75 einzelne kurze Texte, die die gesellschaftspolitischen Zustände kommentieren und kritisieren.

"Der Denkerclub", Karikatur zu den Karlsbader Beschlüssen im Jahr 1919, Foto: Gemeinfrei, Link

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