logo
Münster, 28.3.2017
Münchener Sicherheitskonferenz 2017: Für den lettischen Verteidigungsminister Raimonds Bergmanis sind zwei Prozent keine Obergrenze PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 22. Februar 2017 um 00:00 Uhr

Wenn mehr Sicherheit mehr Militär bedeutet

Protest gegen die Sicherheitskonferenz 2014„Das mittlere Verteidigungsbudget der Nato-Staaten liegt bei zwei Prozent vom BIP, was zur informellen Orientierung für Mitgliedskandidaten dient. Für die Verteidigung gleich viel Prozente vom BIP auszugeben hieße die Verantwortung und die Ausgaben zwischen den Staaten gerecht aufzuteilen, denn für die wohlhabenderen Staaten bedeutet das in absoluten Zahlen mehr auszugeben, für die nicht so begüterten – weniger. Zwei Prozent vom BIP ist weder ein Selbstzweck noch der einzige und alleinige politische Nachweis, den Lettland bereit ist, für seine Beteiligung an der Nato zu zahlen,“ so stimmte 2002 der damalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium und heutige Außenminister Edgars Rinkevičs auf höhere Ausgaben für das Militär ein (providus.lv). Im Jahr 2000 hatte das lettische Militärbudget noch 0,9 Prozent des BIP betragen, doch die Nato forderte mehr. Nach einem Jahr Nato-Mitgliedschaft betrug der Anteil 2005 bereits 1,6 Prozent (wko.at). Was Rinkevičs verschwieg: Nur wenige Nato-Länder erreichen oder übertreffen die Zwei-Prozent-Marke. Die meisten liegen darunter. In der Bankenkrise von 2009 drohte dem lettischen Fiskus wegen seiner Bankenrettungsaktion die Insolvenz. Infolgedessen blieb die Nato-Forderung unerfüllt. Auch für Militärisches wurden die Ausgaben gekürzt, sanken wieder unter ein Prozent. Erst die Ukraine-Krise brachte den Umschwung. Der damalige Finanzminister Andris Vilks schürte im März 2014 die Furcht vor einem russischen Angriff. Vilks, der sich in seinem Land an der Durchsetzung einer scharfen Austeritätspolitik beteiligt hatte, forderte nun mehr Geld für die Rüstung:Ich wünschte es für andere Bereiche auszugeben, doch leider ist es für die Bewaffnung nötig.“ (lettische-presseschau.de) Auf dem Nato-Gipfel in Wales vereinbarten die Mitgliedstaaten damals, innerhalb von zehn Jahren mindestens zwei Prozent vom BIP für Militärisches auszugeben, getrieben vom mächtigsten Verbündeten USA, der in der Bush-Ära beinahe vier Prozent seines BIP der sogenannten „Verteidigung“ gewidmet hatte und nach dem Amtsantritt Barack Obamas auf fast fünf Prozent steigerte (statista.com). Hier ist Sprache machtpolitische Beute. Auf der diesjährigen „Sicherheitskonferenz“ in München setzten die Redner Aufrüstung mit Sicherheit und Verantwortung gleich. Den meisten, die dieses Vokabular hinterfragten, blieb nur der Protest vor den Türen der geschlossenen Versammlung und eine ausführlichere Erwähnung fanden sie nur jenseits der Mainstream-Medien (nachdenkseiten.de). Der lettische Verteidigungsminister Raimonds Bergmanis gehörte zu den Konferenzteilnehmern. Er stellte in Aussicht, bei zwei Prozent nicht halt zu machen. Der EU-Kommissionsvorsitzende Jean-Claude Juncker übte hingegen auf der Münchener Konferenz Kritik am um sich greifenden Militärjargon.

Protest gegen die Sicherheitskonferenz 2014, Nato-skeptische Demonstranten kritisieren jedes Jahr die Münchener Veranstaltung, werden aber von den meisten Medien nur selten erwähnt, Foto: blu-news.org - Siko 2014 Demo Sicherheitskonferenz Uploaded by indeedous, CC BY-SA 2.0, Link

Weiterlesen...
 
Krišs Salmanis, Anna Salmane und Kristaps Pētersons erhalten den Purvītis-Preis 2017 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 18. Februar 2017 um 10:18 Uhr

Das “nationale Wertesystem” infrage gestellt

SalmaniMāra Lāce, Leiterin des Lettischen Nationalmuseums der Kunst und Jānis Zuzāns, Vertreter eines Museumssponsors, verkündeten am 17.2.2017 die diesjährigen Gewinner des Purvītis-Preises. Dieser wird seit 2009 alle zwei Jahre vergeben. Mit 28.500 Euro ist er der höchst dotierte Preis für moderne lettische Kunst. Krišs Salmanis, Anna Salmane und Kristaps Pētersons erhielten die Auszeichnung für ihre Ausstellung “Dziesma” (Lied). Die Künstler interessierten sich für die traditionellen Liedertexte, die auf den Abschlusskonzerten der großen Chorfestivals zwischen 1990 und 2013 gesungen wurden. Sie zählten, welche Substantive am häufigsten vertont wurden. Das meist verwendete Hauptwort in diesen Liedern ist demnach “Saule” (Sonne), gefolgt von “Meita” (Tochter) und “Dievs” (Gott). Für ihre Ausstellung wählte die Gruppe das Wort “Gott” aus. Kristaps Pētersons gestaltete aus 184 Liederfragmenten die Collage “Gottesländchen I”. Zudem wurde aus den “Gott” begleitenden Tönen eine Komposition zusammengestellt, die gleiche laut Kunstexpertin Elita Ansone zwar einer Kakophonie, also einer missklingenden Tonreihe, doch sie gebe die exaltierten Emotionen der Liederfeste wieder. “Die Komposition schafft einen surrealen Effekt, als ob ein Gespenst über uns komme oder eine beschädigte Platte erklingt,” meint Ansone. Der Jury gefiel diese neue Kunstidee. Māra Lāce begründete, weshalb die Juroren die Ausstellung des Künstler-Trios auswählten.

Werk von Krišs Salmanis, Anna Salmane und Kristaps Pētersons, Foto: Monta Ezerlīce

Weiterlesen...
 
Joachim Gaucks letzter offizieller Besuch galt Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 16. Februar 2017 um 12:10 Uhr

Einigkeit zwischen dem deutschen und den baltischen Präsidenten

Gauck und VejonisGaucks lettischer Amtskollege Raimonds Vējonis empfing ihn am 9.2.2017 in seinem Amtssitz, der frisch renovierten Rigaer Burg. Dort fanden sich zudem die beiden Staatspräsidentinnen der Nachbarländer ein, die Litauerin Dalia Grybauskaitė und die Estin Kersti Kaljulaid. Die Runde der Staatsoberhäupter besprach die weltpolitische Lage. Am Nachmittag widmete sich der ehemalige evangelisch-lutherische Pastor aus Rostock dem Lutherjahr. Riga war eine der ersten Städte, die reformiert wurden. Andreas Knöpken, ein Anhänger Luthers, predigte in der Rigaer Petrikirche bereits 1522 im protestantischen Sinne. Am Nachmittag besuchte Gauck diese Kirche und nahm an der Umbenennung ihres Vorplatzes in „Reformationsplatz“ teil. Der Fall eines Lüsters aus der Decke der Rigaer Ordensburg sorgte für weiteres Aufsehen.

Gauck und Vējonis vor der Petrikirche in Riga, Foto: Toms Kalniņš, Latvijas Valsts prezidenta kanceleja

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 4 von 285

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||