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Münster, 26.7.2017
Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ II - Mernieks PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 26. Juli 2017 um 00:00 Uhr

2. Teil: Janis Zaklis als Mernieks, Revolutionär in Riga

Link zum 1. Teil: Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ I - Janis Zaklis

Denkmal für die Revolutionäre von 1905 in Riga, DaugavaJanis Zaklis erhielt im Januar 1905 von der kurländischen Polizei seine Papiere zurück. Er dachte nach seinem Aufenthalt in der Arrestzelle gar nicht daran, nun braver Bürger zu werden. Es war Winter, doch im ganzen Land war die Stimmung aufgeheizt. Noch im Dezember hatten Arbeiter in Riga, Liepaja und Daugavpils (Dünaburg) auf den Werften und in den Fabriken gestreikt, auch in der russischen Hauptstadt Petersburg verweigerten sie die Arbeit. Dort waren am 22.1.19051 Zehntausende Demonstranten zum Winterpalast des Zaren gezogen, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Meinungsfreiheit, Agrarreformen und Demokratie einzufordern. Die Antwort waren Gewehrsalven russischer Soldaten. Beim Petersburger Blutsonntag wurden Hunderte Demonstranten getötet oder verwundet. Der Funke sprang nach Riga über, wo Arbeiter drei Tage später den Generalstreik ausriefen, die Werkshallen verließen und sich zu Protestkundgebungen ins Zentrum aufmachten. Etwa 60.000 Menschen2 zogen zum Daugava-Ufer. Sie forderten den Acht-Stunden-Tag und mindestens einen Rubel Lohn pro Arbeitsschicht. Auch sie wurden an der Eisenbahnbrücke von russischen Soldaten aufgehalten. Der Menge wurde befohlen, sich in alle Richtungen zu zerstreuen. Die Menge weigerte sich, sie warf mit Schneebällen nach den bewaffneten Handlangern des Zaren. Dann fiel aus der Menge ein Schuss, der einen Soldaten tödlich verletzte. Jetzt hatte die Armee einen Grund, das Feuer zu eröffnen. 73 Demonstranten wurden erschossen, mehr als 200 verwundet, viele ertranken auf der Flucht, weil sie auf dem Eis der Daugava einbrachen. Die Toten und Verletzten waren meistens junge Arbeiter, aber auch Studenten, Lehrer und Schüler.3 Nun hatte auch Riga seinen blutigen Tag. Der lettische Auftakt zum Revolutionsjahr 1905 war erfolgt. Der Streik wurde fortgesetzt, noch viele Streiks und Demonstrationen sollten folgen.

Sowjetisches Denkmal für die Revolutionäre von 1905 am Daugava-Ufer in Riga, Foto:CC BY-SA 2.5, Saite

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Das lettische Vorleben des Anarchisten „Peter the Painter“ I - Janis Zaklis PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 19. Juli 2017 um 00:00 Uhr

1. Teil: Janis Zaklis, ein kurländischer Schüler der Revolution

Janis Zaklis„Schau, was für ein böser Kerl. Der sieht genauso aus wie Peter the Painter!“ Das sagte Philip Ruffs Großmutter, wenn sie ihm unheimliche Typen zeigte1. Peter the Painter, der heute, am 19. Juli, Geburtstag hat, ist der bekannteste Lette in England, der vor dem Ersten Weltkrieg im Londoner Armenviertel East End sein Unwesen trieb. Pubs und Tapeziergeschäfte tragen seinen Namen. Der kleine Philip wusste nicht, ob es sich um einen Kobold oder ein Schreckgespenst handelte. Später erfuhr er, dass dieser Lette tatsächlich gelebt hatte. Fortan wurde die Erforschung seiner Biographie zu Ruffs Leidenschaft.

Peter the Painter, alias Janis Zaklis, Foto: Saite

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80 Teilnehmer des Deutschen Riga-Komitees trafen sich in der lettischen Hauptstadt PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 15. Juli 2017 um 00:00 Uhr

Holocaust-Gedenktag am 4.7.2017 in Lettland

Gedenkstääte Gogola iela in Riga„In einer Zeit, in der es kaum noch Zeitzeugen gibt, die über die grauenhaften Geschehnisse jener Zeit aus eigener Erfahrung berichten können, ist die Gedenk- und Erinnerungsarbeit umso wichtiger,“ mit diesen Worten empfing Rolf Schütte, deutscher Botschafter in Lettland, die Delegation des Riga-Komitees, das sich anlässlich des lettischen Holocaust-Gedenktages am 4. Juli in der lettischen Hauptstadt aufhielt (riga.diplo.de). Im Juli 1941, kurz, nachdem deutsche Soldaten Lettland erobert hatten, begannen SS-Angehörige und lettische Hilfspolizisten, Juden zusammenzutreiben, um sie im Wald von Bikernieki, später auch in Rumbula zu erschießen. Ab November 1941 wurden Juden aus dem Reichsgebiet ins Ghetto nach Riga deportiert. Passanten in deutschen Städten werden durch die messingfarbenen „Stolpersteine“ auf den Gehwegen an das Schicksal ihrer ermordeten Mitbürger erinnert: Auf vielen ist zu lesen, dass Riga die Endstation ihres Lebens war. Im Jahr 2000 gründeten 13 deutsche Städte zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge das Riga-Komitee (riga-komitee.de). Inzwischen beteiligen sich 56 deutsche Städte, zudem Wien und Brünn. 80 Komitee-Gesandte hielten sich vom 3. bis 5. 7.2017 in der lettischen Hauptstadt auf, um die Erinnerungsorte des Holocausts zu besuchen und an Gedenkveranstaltungen mit Juden und Letten teilzunehmen.

Gedenkstätte der zerstörten Synagoge an der Gogola iela in Riga, Foto: Reinis Inkēns, Saeimas Administrācija

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