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Münster, 15.12.2018
Aufführung „Andrievs Niedra“ im Dirty Deal Teatro in Riga am 3. November 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 15. Dezember 2018 um 00:00 Uhr

Von Manfred von Boetticher

Andrevs Niedra Zu einer der umstrittensten Personen der lettischen Geschichte des 20. Jahrhunderts gehört der Pastor und Schriftsteller Andrievs Niedra (1871-1942), der im April 1919 im Zusammenwirken mit deutschbaltischer Landeswehr und reichsdeutschen Kräften zum Ministerpräsidenten berufen wurde und für einige Wochen dieses Amt bekleidete. Im Gegensatz zu Niedras späteren offiziellen Charakterisierung als „deutscher Marionette“, seiner Verurteilung in den 20er Jahren als „Volksverräter“ und seiner Verbannung aus Lettland unter seinem politischen Gegner Kārlis Ulmanis1 hat Niedras Persönlichkeit in den vergangenen Jahren zumindest ansatzweise eine Neubewertung erfahren. Vor diesem Hintergrund hat sich in Riga im jungen „Dirty Deal Teatro“ ein Zwei-Mann-Schauspiel dieses Stoffes mit der Aufführung „Andrievs Niedra. Eine Tragödie“ angenommen. Im Mittelpunkt steht dabei Niedra, der seine wohlüberlegten Positionen diversen Widersachern gegenüber in vielfältigen Dialogen zum Ausdruck bringt. Die Erstaufführung fand im Dezember 2015 statt und hatte ein weithin positives Echo. Am 3. November 2018 konnte das lettisch-deutschbaltische Kulturzentrum DOMUS RIGENSIS nun eine Aufführung des Stückes mit deutscher Übersetzung und anschließender zweisprachiger Diskussion unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Kaspars Zellis organisieren. Dabei sollten die Schauspieler erklären, was sie zu ihrer Inszenierung bewogen hat. Zugleich sollten Betroffene und Historiker zu Wort kommen, um noch einmal zum Schauspiel Stellung zu nehmen. Der Besuch der Veranstaltung war an diesem Abend dank der großzügigen Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien kostenlos. Schon mehrere Wochen vor der Aufführung war die Nachfrage nach den begehrten Plätzen so groß, dass zahlreiche Interessenten abgewiesen werden mussten.

Andrievs Niedra, Foto: Domus Rigensis

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Lettisches Gedenken an die Holocaust-Zeit PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 13. Dezember 2018 um 00:00 Uhr

Spielfilm „Tevs Nakts“ über den Retter Zanis Lipke entfacht großes Interesse

Lipke-Briefmarke„Für Zanis war ich ein völlig fremder Mensch und ich konnte nicht begreifen, weshalb er das tat, als rundherum Mord geschah. Dieser Mensch erwies sich als ein Wunder – einfach in aller Ruhe die für den Tod Bestimmten zu retten. Geld nahm er nicht, er war kein Kommunist und ich konnte nicht begreifen, weshalb er diese Bürde auf sich nahm und sich jeden Tag den Schrecken des Todes aussetzte,“ sagte Izaks Drizins über seinen Retter Zanis Lipke (web.archive.org). Der derart Verehrte arbeitete als Hafenarbeiter, als die Deutschen in Lettland einfielen und sogleich begannen, seine jüdischen Mitbürger zu verfolgen. Am 30. November und 8. Dezember 1941 hatten SS-Soldaten mit Hilfe lettischer Kollaborateure 25.000 lettische Juden im Wald von Rumbula erschossen. Danach entschloss sich Lipke, die Verfolgten zu verstecken. Ihm gelang gemeinsam mit seiner Frau Johanna sowie Freunden und Bekannten, 55 Juden das Leben zu retten. Der Staat Israel ehrte das Paar Lipke 1977 mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“, denen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ein Baum gepflanzt wurde. Seit Oktober ist im lettischen Kino der Spielfilm „Tevs Nakts“ (Vater der Nacht) von David Simanis zu sehen, der die Geschichte der Retter nacherzählt (tevsnakts.lv). Seitdem steigen die Besucherzahlen des Janis-Lipke-Museums auf der Insel Kipsala. Zudem scheint sich das Gedenken an den Blutsonntag 30. November zur alljährlichen Tradition zu entwickeln.

Briefmarke der lettischen Post erinnert an das Paar Johanna und Zanis Lipke, Foto: Latvijas Pasts (Latvian Post) - wnsstamps.ch/en, Neaizsargāts darbs, Saite

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Berlin, Moskau und die Gründung der baltischen Republiken: Karsten Brüggemanns Vortrag am 4.12.2018 im Rigaer Goethe-Institut PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 08. Dezember 2018 um 00:00 Uhr

Glanz und Elend nationaler Bewegungen

Antibolschewistisches Propagandaplakat der DeutschenWas war im Ersten Weltkrieg im Baltikum los? Außer der pauschalen Antwort „Krieg“ fällt eine präzisere Darstellung schwer. Auf dem relativ kleinen Territorium der russischen Ostseeprovinzen trafen die Interessen verschiedener Ethnien und sozialer Schichten aufeinander. Sie verbündeten sich miteinander oder kämpften in ihren Armeen gegeneinander. Hinzu kamen die gegensätzlichen Interessen der Großmächte Russland und Deutschland, die Ansprüche auf die baltische Region stellten, auch die siegreichen Entente-Mächte intervenierten, weil sie sich vor dem Bolschewismus fürchteten. Karsten Brüggemann, Professor für estnische und allgemeine Geschichte in Tallinn, half seinen Zuhörern, mit einem klar strukturierten Vortrag Licht ins Gewirr dieser ebenso blutigen wie verwickelten Zeit zu bringen und regte sie zu weiterführenden Gedanken an.

Deutsches Propagandaplakat - dabei hatten die Deutschen zuvor über ihr Territorium Lenin passieren lassen, um im Zarenreich Unruhe zu stiften, Foto: Feld, Rudi - Library of Congress Catalog: ccn.loc.gov Image download: cweb2.loc.gov Original url: hdl.loc.gov, Public Domain, Link

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