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Münster, 14.12.2018
Riga erhält ein Museum für moderne Kunst PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 17. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Update: Gewinner inzwischen bekannt

Wer sich in Riga nach zeitgenössischer Kunst umschaut, findet sie in Wechselausstellungen und auf Festivals. Ein Museum, das ständig moderne Kunst präsentiert, fehlt bislang. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Zwei private Stiftungen stellen 30 Millionen Euro zur Verfügung. Mit diesem Geld soll im Neubaugebiet, das auf Lenglisch (Lettisch + Englisch) „New Hanza City“ heißt, der neue Kunsttempel entstehen. Am 6.6.2016 präsentierten sieben Architektengruppen der Jury ihre Entwürfe. Eine britische Consultingagentur hatte die Teams ausgewählt, in denen jeweils ein lettisches Büro mit einem ausländischen Partner kooperieren sollten. Im Wettbewerb befindet sich u.a. ein deutsch-lettischer Vorschlag.

Moderne Kunst findet in Lettland bislang nur vorübergehend Unterschlupf, wie hier eine Survival-Kit-Ausstellung in einer leerstehenden Fabrikhalle, Foto: LP

 

Erfreut über gute Ergebnisse

Acht Jurymitglieder und interessiertes Publikum musterten in der Technischen Universität Rigas die Präsentationen. Jedes Team hatte dafür eine halbe Stunde Zeit. Romans Surnačovs, Leiter des Museumsfonds, der das zukünftige Gebäude finanziert, zeigte sich gegenüber lsm.lv begeistert. Er und seine Mitarbeiter seien erfreut und ergriffen von den Resultaten gewesen, deshalb wünschten sie, die Entwürfe nicht nur der Jury, sondern auch einem breiteren Publikum vorzustellen. Die sieben Vorschläge sind auf der Webseite competitions.malcomreading.co.uk zu begutachten. David Bickle, Mitarbeiter des Londoner Viktoria- und Albert-Museum für Design, ist Juryvorsitzender. Lsm.lv befragte ihn nach seinem ersten Eindruck. Er bescheinigt dem Wettbewerb ein hohes Niveau. Die Architekten seien dem Wunsch der Veranstalter gefolgt, nicht nur ein Museum für die Kunst zu planen, sondern einen Ort, der Menschen und Ideen dient. Ihm sei wichtig, dass das Gebäude der Zukunft zugewandt sei, sich Veränderungen anpasse und in die Umgebung einfüge. Die verschiedenen Kriterien seien für die beteiligten Architekten und Designer eine große Herausforderung, zitiert Bickle lsm.lv. Der Bau wird auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs errichtet, von einem Park umgeben sein. Das Areal bildet den Übergang zwischen dem Neubaugebiet und älteren Vierteln der lettischen Hauptstadt. Ein anderer Vertreter des Museumsfonds, Kaspars Vanags, erläuterte lsm.lv, was Besucher in Rigas zukünftiger Attraktion erwartet. Das Museum wird zeitgenössische Kunst von 1960 bis zur Gegenwart zeigen. Die Sammlung sei auf die Ostseeregion konzentriert, gewiss mit besonderer Berücksichtigung der lettischen Kunst.

Survival-Kit-Ausstellung

Survival-Kit-Ausstellung in einer verwaisten Fabrik, die Lagerhallenatmosphäre passt zu den Themen und Medien der modernen Kunst, Foto: LP


Uneinigkeit über das Lagerhallen-Design

Am Wettbewerb beteiligt sich das deutsch-lettische Bürogespann Saurbruch-Hutton und Ingurds Lazdiņš. Das Berliner Büro der Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton hat für seine Bauten bereits zahlreiche Preise erhalten. U.a. wurde es für das M9-Museum in Venedig-Mestre, für die Immanuelkirche in Köln und das Museum Brandhorst in München ausgezeichnet. Lazdiņš plante in Riga mehrere Büro- und Wohnkomplexe. Für das Bürogebäude „Ostas skati“ gewann er 2007 den Preis des lettischen Architektenverbandes für das beste öffentliche Gebäude. Den Entwurf gestaltete das Team betont „nicht-ikonographisch“. Nach seinen Vorstellungen sollen die Umrisse nichts symbolisieren und auch nicht mit der präsentierten Kunst konkurrieren, ebenso lehnen die deutsch-lettischen Planer modische Extravaganzen ab. Ihr Modell orientiert sich an Lagerhäusern. „Das Museum wird als Arbeitsort betrachtet, der eine flexible Infrastruktur bereithält, um den vielfältigen Anforderungen eines zeitgenössischen Museums zu entsprechen, das sich als Ort für Ausstellungen, Aufführungen, Diskussion und Konfrontation, aber ebenso als einen Platz für Produktion, Interpretation, Forschung und Kommunikation betrachtet,“ so beschreiben die Architekten ihre Skizzen auf competitions.malcomreading.co.uk. Hinter den Kulissen herrschte offenbar Uneinigkeit. Das deutet Radiojournalistin Māra Rozenberga an. Demnach war Lazdiņš mit dem Lagerhaus-Design seiner deutschen Kollegen nicht einverstanden. Vor dem Mikrophon blieb er aber diplomatisch. Die Zusammenarbeit mit den Deutschen sei auf dem Niveau eines guten professionellen Service gewesen. Die Jury will ihre Entscheidung Ende Juni bekanntgeben. Bis zum Herbst 2021 soll der Bau fertiggestellt sein.

 

Zusatz vom 18.6.2016:

Die Jury hat den Gewinner bereits ermittelt: Das britisch-lettische Team Adjaye Associates + AB3D wurde zum Sieger gekürt: Hier dessen Präsentation: competitions.malcolmreading.co.uk

 

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