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Münster, 23.5.2017
Kreuzkirchengemeinde in Liepāja streitet mit LELB um Immobilien PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 21. Juli 2016 um 12:52 Uhr

Während der Gemeindeversammlung das Kirchenschloss ausgewechselt

Gemeindehaus der KreuzkircheDie meisten Gemeindemitglieder der Kreuzkirche in Liepāja (Libau) wollen den Weg der Evangelisch Lutherischen Kirche Lettlands (LELB) nicht mitgehen. Diese hatte im Juni beschlossen, Frauen nicht zum Priesteramt zuzulassen. Die Entscheidung stieß insbesondere bei deutschen Protestanten auf Kritik. Danach hatte die Kreuzkirchengemeinde den Beschluss gefasst, aus der LELB auszutreten. Inzwischen stehen die Gläubigen vor verschlossener Tür: LELB-Anwältin Anitra Vanaga hat das Schloss der Kirche auswechseln lassen. Die LELB beansprucht die Immobilie für sich und kündigt auf ihrer Webseite bereits eigene Gottesdienste in der Kreuzkirche an. Am 10.7.2016 spitzte sich der Streit zu: Pastor Markus Schoch, Vertreter der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland, schilderte in einem Rundschreiben das Geschehen an diesem Sonntag: Vanaga erschien auf der Gemeindeversammlung in der Kreuzkirche und stellte deren Beschlussfähigkeit in Frage. Schließlich mussten die Anwesenden die Kirche verlassen und ihre Versammlung in den Räumen der deutschen lutherischen Gemeinde Liepājas fortsetzen.

Gemeindehaus der Kreuzkirche, Foto: LP

 

Zugang zur Kirche versperrt

Nach Aussage Markus Schochs unterstützt eine deutliche Mehrheit den Entschluss ihres Pastors Martin Urdze, die LELB zu verlassen. Von 122 eingeschriebenen Mitgliedern seien 74 anwesend gewesen, 10 weitere hätten eine Vollmacht erteilt. Später seien noch einige Bestätigungen hinzugekommen, so dass etwa 90 Personen ihre Mitgliedschaft in der Kreuzkirchengemeinde bekräftigen, welche zur liberaleren Lettischen Auslandskirche übergetreten ist, die inzwischen in Lettland eigene Gemeinden unterhält. Während die Vertriebenen in der deutschen Diaspora tagten, schuf Vanaga mit wenigen Gleichgesinnten vollendete Tatsachen: "Im Gebäude der Kreuzkirche waren mit Anitra Vanaga vier Personen zurück geblieben. Noch während die Gemeindeversammlung in den Räumen der deutschen Gemeinde stattgefunden hat, wurden in der Kreuzkirche die Schlösser ausgetauscht. Die herbeigerufene Polizei hat festgestellt, dass Frau Vanaga im Unternehmensregister inzwischen als neue Leiterin der Gemeinde eingetragen ist und die Polizei deshalb keine Handhabe hat, gegen den Einbau der neuen Schlösser vorzugehen. Gegen diese Eintragung im Unternehmensregister hat die Kreuzgemeinde bereits Widerspruch eingelegt, darauf aber noch keine Antwort erhalten. Somit hat die Kreuzgemeinde seit [jenem] Sonntag keinen Zugang mehr zu ihrem Kirchengebäude und allem Inventar, das dort enthalten ist. Das Diakoniezentrum der Kreuzgemeinde ist davon bisher noch nicht betroffen, jedoch hat Frau Vanaga auch hier schon die `Übergabe` und die Herausgabe der Schlüssel gefordert, was von der Kreuzgemeinde abgelehnt wurde," erläutert Markus Schoch die Situation.

 

Diakonische Arbeit gefährdet

Martin Urdze und seine Gemeinde sehen einem Rechtsstreit entgegen. LELB-Anwältin Anitra Vanaga begründete gegenüber lsm.lv ihr Vorgehen: Wenn eine Gemeinde beschließe, das religiöse Zentrum zu verlassen, dann sei sie faktisch als eine neue Gemeinde einzutragen, das bestimme das lettische Gesetz für religiöse Organisationen. Andererseits sehe die Gemeindesatzung vor, dass im Falle einer Auflösung oder einer Beendigung der Zusammenarbeit mit LELB eine Verwaltungskommission eingesetzt werde und LELB den Besitz übernehme. Urdze kennt die Argumente der Gegenseite, doch die Begründung dafür sei, weiterhin lutheranische Gemeindearbeit zu gewährleisten. Seiner Ansicht nach kann die eigene Gemeinde diese besser bewerkstelligen als LELB: "Sie [LELB] sind nicht imstande, die Nachfolge zu sichern, weder in der diakonischen Arbeit noch in der Gemeinde," entgegnete Urdze im selben lsm.lv-Beitrag. LELB habe bislang in die Kirche und das Gemeindehaus nichts investiert. Die etwa 100.000 Euro, die aufgewendet wurden, um die Immobilien mit viel privater Initiative instandzusetzen, seien deutsche und niederländische Spenden gewesen. Das Gemeindehaus wird als diakonisches Zentrum genutzt und ist ein wichtiger Treffpunkt für sozial Benachteiligte. Hier finden Erwerbslose, Geringverdiener, Behinderte und Kinder, deren Eltern keine Zeit für Betreuung finden, Halt und Unterstützung. Gemeindemitglied Irēna Raškova äußert sich gegenüber lsm.lv anerkennend: Sie hält die Kreuzkirchengemeinde für etwas ganz Besonderes: Hier werde niemand abgewiesen, niemand frage, ob man gläubig sei oder nicht. Hier könne jeder hinkommen und mitmachen. Es gebe zehn verschiedene Kreise, für Behinderte, alte und junge Menschen. Gemeindemitglied Māris Riemeris lobt Pastor Urdze: Er helfe jedem, komme jedem mit großer Liebe entgegen, einerlei, ob jemand ein Trinker sei oder ob er den Gottesdienst besuche. Martin Urdze sieht seine Gemeinde im Recht und wirft der LELB vor, mit ihren Beschlüssen ein Klima der Angst zu erzeugen.

 

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Externe Linkhinweise:

kalpot.lv

lelb.lv: Liepājas Krusta ev.lut. draudze aicina uz dievkalpojumiem katru svētdienu plkst. 15:00

lsm.lv: Luteriskās baznīcas un Liepājas draudzes konflikts pāraug strīdā par īpašumiem

la.lv: Liepājas mācītājs Mārtiņš Urdze uzskata – LELB rada baiļu klimatu

 

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