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Münster, 23.4.2017
Kreuzkirchengemeinde in Liepāja erhält ihre Kirche zurück PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 25. August 2016 um 00:00 Uhr

Lettische Auslandskirche verbreitet sich weiter im Inland

Rodin: Der DenkerIm Streit mit der „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland“ (ELKL) hat die Kreuzkirchengemeinde einen ersten gerichtlichen Erfolg erzielt: Sie erhält ihr Gotteshaus zurück, das die ELKL für sich beansprucht. Die Gemeinde des Pastors Martin Urdze war im Juni aus der ELKL ausgetreten, weil sie deren Beschluss, Frauen vom Priesteramt auszuschließen, nicht mittragen wollte. Danach ließ die ELKL-Anwältin Anitra Vanaga die Schlösser der Kreuzkirche austauschen und sich im lettischen Unternehmensregister als neue Leiterin der Gemeinde eintragen. Die Gemeindemitglieder, die mit großer Mehrheit den Kurs ihres Pfarrers unterstützen, hatten keinen Zugang mehr zu ihrer Kirche. Die rebellischen Lutheraner aus Liepāja, die sich gegen den ultrakonservativen Kurs des Rigaer Erzbischofs Jānis Vanags zur Wehr setzen, haben Recht bekommen. Doch der Streit ist noch nicht endgültig entschieden.

Auguste Rodin: "Der Denker", Foto: Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird angenommen, dass es sich um ein eigenes Werk handelt (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben)., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=393003

 

Die Kirche als Ort des wahrhaftigen Denkens

Nach ihrem Austritt aus der ELKL wechselte die Kreuzkirchengemeinde zur Evangelisch-Lutherischen Kirche ausserhalb Lettlands (ELKAL). Sie gilt als liberale Konkurrenz zu Vanags` Organisation und betreut inzwischen auch im Heimatland einige Gemeinden. ELKAL-Probst Kārlis Žols kündigte in seinem Rundschreiben vom 22.8.2016 an, dass seine Kirche ihren Namen demnächst ändern werde. Žols verkündete zudem der Öffentlichkeit die frohe Botschaft, die die lettische Justiz der neuen ELKAL-Gemeinde in Liepāja bereitet hatte. Am 17.8.2016 sprachen lettische Richter das vorläufige Urteil: Die von der ELKL eingesetzte Gemeindeverwalterin wurde aus dem Unternehmensregister gestrichen und der alte Vorstand wieder eingesetzt. Neben den Bemühungen Martin Urdzes und seiner Gemeindemitglieder sei dies der „uneigenützigen Arbeit eines Juristen“ zu verdanken gewesen. Pastor Martin Urdze sei am 21.8.2016, „dem de fakto Erneuerungstag der Unabhängigkeit Lettlands, nach dem Gottesdienst im Diakonischen Zentrum, wieder in die Kirche gegangen.“ Doch Žols warnt zugleich: „Es ist klar, dass damit die Auseinandersetzung nicht beendet ist, denn die ELKL kann und wird gegen diesen Beschluss Berufung einlegen und versuchen, auch vor Gericht recht zu bekommen.“ Für den ELKAL-Probst spiegelt dieser Konflikt die grundsätzliche Frage, welche Rolle Kirchen innerhalb einer Gesellschaft spielen: „Wie frei und offen kann die Kirche in Lettland sein, wie sehr ist und kann sie verbunden sein mit den Seelen der Gemeindeglieder und ihren Lebensfragen und -bedürfnissen? Vielleicht interessieren sich noch andere für diese Fragen … Innerhalb der Kirche haben verschiedene Prozesse dazu geführt, dass sie den einen zur Bastion der `wahren konservativen` Werte geworden ist, den anderen zum Spottobjekt in den Kommentaren im Internet. Aber vielleicht macht es Sinn, die zu suchen, denen sie ein Ort ist, wo man wahrhaftig denken und bewerten kann …“

 

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