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Münster, 23.4.2017
Das Lutherjahr in Lettland PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 14. Januar 2017 um 00:00 Uhr

Grafiken von Cranach, Dürer und Co. bilden den Auftakt

Dürer Dreifaltigkeit1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen. Die Kirchenkritik des rebellischen Augustinermönchs verbreitete sich rasch. Die Städter lasen seine ketzerischen Flugschriften. Ein Anhänger der neuen Lehre, Andreas Knöpken, begab sich frühzeitig nach Riga. In der livländischen Metropole fanden seine Ideen schnell Gehör, denn hier herrschte ein toleranter, für Neues aufgeschlossener Geist. Rigas deutschsprachige Intellektuelle kannten schon die Lehren der Vorgänger, Jan Hus und Erasmus von Rotterdam. Hier konnte Knöpken erfolgreich gegen die Altvorderen der katholischen Kirche disputieren. Der Rigaer Erzbischof vermochte nicht zu verhindern, dass der aus dem Brandenburgischen stammende Theologe bereits 1522 zum Archidiakon der Petrikirche gewählt wurde. Damit hatte der Protestantismus in Riga, in einer der ersten Städte überhaupt, Fuß gefasst. Gewiss spielten auch weltliche Interessen eine Rolle. Das Luthertum bot den deutschbaltischen Vasallen die Gelegenheit, sich ihrer Kirchenfürsten zu entledigen. Die Untertanen, die lettischen Bauern, hatten das zu glauben, was ihnen die Herren befahlen. Diese sympathisierten fortan mit dem Professor aus Wittenberg. Deshalb bilden die Lutheraner heutzutage die größte christliche Konfession in Lettland. Das Lutherjahr ist folglich ein großes Thema für die Letten, nicht zuletzt, weil die Bibelübersetzung ins Lettische zur nationalen Emanzipation anregte. Das lettische Nationalmuseum, die Nationalbibliothek und die Lettische Universität haben ein Programm zum 500jährigen Jubiläum organisiert. Eine Ausstellung historischer Stiche und Radierungen im internationalen Kunstmuseum Rīgas Birža bildet den Auftakt.

Albrecht Dürers "Heilige Dreifaltigkeit", 16. Jahrhundert, Foto: Kollektion Thomas Emmerling/ LNMM

 

Das Luthertum im zeit- und landesspezifischen Kontext

Das Kunstmuseum Rīgas Birža (Doma laukums 6, Riga) präsentiert vom 21.1.2017 bis 12.3.2017 die Ausstellung „500 Jahre Reformation – Westeuropäische Grafiken vom 15. bis 20. Jahrhundert“. Die Bilder zeigen Impressionen der Lutherzeit, der damaligen Gesellschaft, aber auch die verschiedenen Ausprägungen, welche die neue Lehre in unterschiedlichen Zeitaltern und kulturellen Räumen angenommen hat. Kuratorin Daiga Upeniece beschreibt ihre Auswahl: „Jedes der fünf Jahrhunderte kennzeichnet ein Künstler seiner Zeit, ausgehend von den charakteristischen Tendenzen der Sakralkunst bezüglich des landesspezifischen Kontexts. Sie sind lediglich einige visualisierte Haltepunkte in der 500jährigen Geschichte, die nicht beanspruchen, das Geschehen vollständig darzustellen, aber anregen, die Unterschiede verschiedener Jahrhunderte wahrzunehmen.“ Im Zentrum steht die Persönlichkeit Luthers und die deutsche Kunst, doch Upeniece will auch die künstlerische Darstellung paralleler Ereignisse in den Nachbarländern berücksichtigen. Auch Grafiken aus den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich sind zu sehen, welche anglikanische, hugenottische oder sonstige Themen der Reformation darstellen.

rembrandt, Vertreibung aus dem tempel

Rembrandt Harmenszoon van Rijn: Die Vertreibung der Händler und Geldwechsler aus dem Tempel, 1635, Foto: LNMM

 

Stiche, Drucke und Radierungen folgender Künstler sind zu sehen:

Martin Schongauer (1445-1491)

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553)

Albrecht Dürer (1481-1528)

Hans Holbein der Jüngere (1497/8-1543)

Hans Burgkmair the Elder (1473 - 1531)

Erhard Altdorfer (um1480 - um 1561)

Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606 -1669)

Adriaen van Ostade (1610 -1685)

William Hogarth (1697- 1764)

Gustav König (1808 - 1869)

Gustave Doré (1832- 1883)

Otto Dix (1891- 1969)

 

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