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Münster, 17.10.2017
Lettische Kunstausstellungen im April 2017 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 06. April 2017 um 00:00 Uhr

Porträtierte Damen neben Goyas Albträumen

Rigas BörseDas internationale Kunstmuseum Rīgas Birža präsentiert in den nächsten Monaten Werke bekannter Maler aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Sie sind Leihgaben aus dem Madrider Museum Prado.  Die  Birža-Ausstellung "Prado - 12 Charaktere"  zeigt Frauenporträts alter Meister aus Spanien und anderen Ländern. Gleichzeitig ist in Rīgas Birža in einem anderen Saal Francisco de Goyas Radierzyklus "Caprichos" zu betrachten. Krista Dzudzilo beschäftigt sich in ihrer Werkausstellung in der Kunsthalle Arsenals mit Schöpfungsfragen und Erin Lawlor schafft ihre Bilder mit vollem Körpereinsatz. - Hier die Zusammenfassung von den PR-Mitteilungen lettischer Kunstmuseen für den April.

Spanische Wochen im Kunstmuseum Rīgas Birža, Foto:  Diego Delso, CC BY-SA 3.0, Saite

 

Prado - 12 Charaktere

Das internationale Kunstmuseum Rīgas Birža (Doma laukumā 6, Riga) birgt in diesem Frühjahr Gemälde aus der frühen Neuzeit. Zu sehen sind bis zum 16.7.2017 Frauenporträts von Paolo Veronese (1528–1588), Anthony van Dyck (1599–1641), Peter Paul Rubens (1577–1640) und Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682). Die Mitarbeiter des Madrider Museums Prado schickten außerdem Werke eines der bekanntesten Künstler ihres Landes zur Leihgabe nach Riga: Francisco de Goya (1746–1828). Seine "Caprichos"-Radierungen sind gleichzeitig im Bosse-Saal des Museums zu betrachten. Daiga Upeniece, Leiterin von Rīgas Birža, beschreibt die Ausstellung im großen Saal ihres Hauses so: "Die Ausstellung der Meisterwerke des 16. bis 19. Jahrhunderts legt auf konzentrierte Weise die Geschichte und Eigenart der [Prado-] Sammlung offen, in welcher unleugbar Farben und Formen der ausdrucksstarken spanischen Kunst vorherrschen, welche die französischen, italienischen und flämischen Kulturräume bereicherten. Zugleich offenbaren diese zwölf Charaktere sich in sehr weiblicher Art, denn für die Ausstellung wurden zwölf Frauenporträts oder Genrebilder mit religiösem und allegorischem Inhalt ausgewählt, welcher die weite Interprationsmöglichkeit des Themas aufzeigt, vom sozialen Status der dargestellten Personen bis zur Frau als Machtsymbol, der Eleganz, Schönheit, Mütterlichkeit, Gottesfurcht oder Leichtsinnigkeit. Diese Gegensätze oder Ähnlichkeiten ziehen sich durch die Jahrhunderte und jedes kommt mit anderen Schönheitsidealen, Moden und Überzeugungen über den Lebensgenuss im Verhältnis zur Sittlichkeit." "Prado - 12 Charaktere" zeigt laut PR-Text die Vielfalt künstlerischer Stilarten, beginnend bei der Hochrenaissance, über das prachtvolle spanische und flämische Barock- und Rokoko-Zeit bis zum Realismus des 19. Jahrhunderts.

Prado-Ausstellung in Riga

Ausschnitt aus dem Porträt der Königin Isabella von Frans Pourbus dem Jüngeren, Foto: Aus dem fotografischen Archiv des Prado-Museums, Jose Baztan y Alberto Otero, bereitgestellt von LNMM


Goya - Caprichos

Gleichzeitig mit der Ausstellung "Prado - 12 Charaktere" präsentiert das Kunstmuseum Rīgas Birža (Doma laukumā 6, Riga) bis zum 16.7.2017 im Bosse-Saal den Zyklus "Caprichos" des spanischen Erneuerers der Malerei und Zeichenkunst, Francisco de Goya (1746–1828). Goya fand zu neuen Formen und Inhalten. Von ihm stammt das erste spanische Nacktporträt einer Frau. Er bebilderte die Gräuel der napoleonischen Besatzungszeit. Er malte als Hofmaler die soziale Oberschicht realistisch und die Unterschicht in ihrem Elend. Rīgas Birža zeigt 78 Grafiken aus dem zweiten Abzug des Zyklus` von 1799. "Caprichos" ist in der damals neuen und komplizierten Aquatinta-Technik entstanden. Goya widmet sich damals geächteten Themen: Albträume, Armut, Prostitution, den brutalen Auswirkungen der spanischen Inquisition und der Willkür von Adel und Klerus. Laut wikipedia.de wurden die Radierungen bereits zwei Tage nach ihrem Erscheinen aus dem Handel genommen. Trotzdem gelangten sie zu internationaler Popularität. Goyas Kunst überwand den klassizistischen Akademiestil und eröffnete einen neuen, freieren und expressiveren Zugang zur Realität, an dem sich im 19. und 20. Jahrhundert viele Künstler orientierten. Laut Museums-PR birgt Caprichos noch ungelöste Rätsel: "Man nimmt an, dass der Künstler von verschiedenen Philosophen und künstlerischen Werken beeinflusst wurde, aber Goya selbst, von einigen Zitaten bekannter Dichter wie Gaspar Melchor de Jovellanos (1744–1811) oder Ähnlichkeiten mit Theaterstücken seines Freundes Leandro Fernández de Moratín, (1760–1828) abgesehen hat Goya jeden Einfluss kategorisch abgestritten."

Goyas Nr. 43

Das Blatt Nr. 43 aus Goyas Caprichos-Zyklus: Aus dem Traum der Vernunft entstehen Ungeheuer, Foto: LNMM

Krista Dzudzilo - Die sechste Schöpfung der Welt

Rigas Ausstellungshalle für moderne Kunst, Arsenāls (Torņa ielā 1, Riga), präsentiert diese Ausstellung vom 7.4. bis 14.5.2017. Kuratorin Arta Vārpa schreibt dazu, dass Dzudzilo ihre künstlerische Praxis fortsetze: "Wechselbeziehungen finden zwischen solchen grundsätzlichen Prozessen wie Kreativität, Leben, Zeit und Erfahrungen aus der persönlichen Vergangenheit. Unabhängig von den benutzten Medien, ob Malerei oder Videoinstallationen oder in Skulpturen: Krista Dzudzilos Werken haftet eine lakonische Klarheit an. Das wurde in den Inhalten und Formen eingraviert, bis zum Zeichen, bis zur Klarheit des Symbols." Dzudzilo orientiert sich in ihrer aktuellen Ausstellung an Gustav Mahlers 6. Sinfonie. Vārpa sieht in Dzudzios Kunst das Bestreben, der Schöpfungsidee Konkretheit zu verleihen, damit der Betrachter nicht in einem allgemeinen poetischen Empfinden stecken bleibe, sondern sich der Realität nähere. Die Arbeiten der Künstlerin zeigten im wesentlichen den Zusammenhang von welt, Sinfonie und Schöpfung des Lebens. Krista Dzudzilo wurde 1989 geboren, studierte in der Abteilung Malerei der Rigaer Kunstakademie und wurde 2015 mit ihrer Videoinstallation "Klarheit 2015" für den Purvitis-Preis nominiert.

Dzudzilo

Foto von Krista Dzudzilo zu ihrer Ausstellung, LNMM

 

Was gibts in Daugavpils? Erin Lawlor: Onomatopoesie

Deanna Sirlin beobachtete Malerin Lawlor im Kunstatelier: Sie setzt ihren ganzen Körper ein, um die Leinwand in ein Bild zu verwandeln. Mit tänzerischen Bewegungen trägt sie Farbklumpen in dicken Pinselstrichen auf. So entstehen natürliche Formen, die an einen Wasserfall oder an Wellen erinnern und sich über die ganze Fläche verbreiten. Diese Malweise unterscheidet sich stark vom sparsameren Farbverbrauch früherer Jahrhunderte. Trotzdem erkennt Sirlin in Lawlors Kunst historische Bezüge, insbesondere zum Barock. Dieser Epochenbegriff wird in seiner ursprünglichen portugiesischen Bedeutung genommen: Ungeschliffene, ungleichmäßige Perlen, mit denen diese wellenförmige und fließende Malerei verwandt seien. Die Ausstellung «Onomatopoesie» ist vom 21.4 bis 2.7.2017 im Mark-Rothko-Zentrum in Daugavpils zu sehen.

 

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