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Münster, 17.10.2017
Esslingen2017: Lettisches Festival am Neckar PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Dienstag, den 13. Juni 2017 um 00:00 Uhr

Plakat zum Festival

Gedenken an das größte lettische Flüchtlingslager der Nachkriegszeit

Esslingen, die Stadt am Neckar, wird vom 16. bis 18.6.2017 Schauplatz eines großen lettischen Festivals: Mehr als 600 Sänger, Musiker und Tänzer reisen an, um die Zuschauer und Zuhörer mit lettischer Musik und Kultur zu unterhalten. Auf dem Programm stehen ein Eröffnungsgottesdienst, ein Umzug durch die Innenstadt, Chorkonzerte, Tanzaufführungen, ein Festball. Zudem informiert eine Ausstellung über die Geschichte der Exilletten. Händler werden lettisches Handwerk anbieten. Der Höhepunkt des internationalen Treffens ist das Musical „Esslingen“.

Plakat: esslingen2017.de

 

Erinnerung an das lettische Chorfestival vor 70 Jahren

Esslingen trug vor 70 Jahren den Beinamen „das kleine Lettland“. Damals lebten etwa 6000 lettische „displaced persons“ (DP) in der Stadt. So nannte man Menschen, die durch Krieg und staatliche Gewalt vertrieben worden waren. In Lagern auf deutschem Territorium fanden sie eine erste Bleibe. Viele Letten flohen am Kriegsende vor stalinistischer Willkür. Am 25.5.1947 organisierten sie in Esslingen ein Liederfest mit 25 Chören und 1000 Teilnehmern. Es war das größte Chortreffen dieser Art, das Letten im Nachkriegsdeutschland veranstaltet haben. Daran erinnert das Festival am nächsten Wochenende, das der Kulturverein Saime mit Unterstützung anderer lettischer Exilorganisationen veranstaltet. Bereits am 13.6.2017 wird die Ausstellung „Letten in Esslingen 1947“ im Stadtmuseum „Gelbes Haus“ eröffnet. Sie zeigt Fotos und Dokumente aus der Zeit des Flüchtlingslagers.

Musical-Plakat

Plakat zum Musical "Esslingen", esslingen2017.de

60 Mitwirkende aus sieben Ländern

Höhepunkt der Veranstaltung ist das Musical „Esslingen“. 60 Mitwirkende aus Irland, Dänemark, Italien, Luxemburg, der Schweiz, Deutschland und auch Lettland trafen sich in den letzten Monaten mehrmals zur Probe. Karina Stängle, Mitglied des Organistionskomitees, deutet die Handlung an. Im Mittelpunkt steht das Paar Ilze und Andrejs, das sich vor 70 Jahren in Esslingen kennenlernte, nach Kanada emigrierte und nun an die Stätte ihrer ersten Begegnung zurückkehrt, um die Schauplätze von damals zu besichtigen: „Ilze und Andrejs trafen sich im Tanzsaal der `Krone`, damals Martinstrasse 28; die Jugend rockte in den Fünfzigern in der `Lido Bar`, die damals an der Stelle des heutigen Polizeireviers zu finden war. Sie hatten den jungen amerikanischen GI’s den neuen temperamentvollen Tanz abgeguckt. Die Bühne ist für die wirbelnden Schauspieler gerade groß genug, um dies darzustellen. Die Choreographie dazu ist perfekt inszeniert. Zum fulminanten Finale nehmen die zusammengewürfelten Letten aus deutschen Lagern wehmütig Abschied von den neuen Freunden, um in ihre neuen Wahlheimat zu ziehen. Daran erinnern sich Ilze und Andrejs, als sie aus Kanada wieder herkommen – als Touristen von heute, um ihre Erinnerungen aufzufrischen.“ Den Text schrieb Alberts Legzdins, Gründungsmitglied der humoristischen Musikergruppe „Cikagas piecisi“. Leider ist Legzdins im März gestorben. Lolita Ritmane und Andris Ritmanis komponierten die Musik dazu. Ganze Chorgruppen reisen an, um Ilze und Andrejs auf der Bühne beizustehen, z.B. der Frankfurter Frauenchor „Silava“ und ein lettischer Chor aus Mailand. Die Hauptrollen übernehmen professionelle Sänger, Raitis Grigalis aus Basel als Andrejs und Sabine Soida aus Kopenhagen als Ilze. Zudem wird Ilona Popova, die derzeit in Deutschland Gesang studiert, die Rolle der Laila übernehmen. Am 16.6.2017 um 19 Uhr ist der Vorhang für „Esslingen“ in Esslingen frei. Für deutsche Besucher wird der Text übersetzt werden, alle nötigen Informationen zum Festival hält die Webseite esslingen2017 in deutscher Sprache bereit.

 

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