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Münster, 24.9.2017
Riga: Mitgliederversammlung von Domus Rigensis am 7.7.17 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 08. Juli 2017 um 09:54 Uhr

Die deutschbaltische Kulturgeschichte ermöglicht internationale Kontakte bis Zypern

Domus-Rigensis-Vollversammlung im Haberland-SaalDie Mitglieder des Vereins Domus Rigensis (DR), der die deutschbaltisch-lettische Kulturgeschichte wieder ins Bewusstsein bringt, treffen sich alljährlich Anfang Juli in Riga zu den Domus-Rigensis-Tagen. Das ist ein dreitägiges Programm mit Vorträgen, Konzerten, Museumsbesuchen und einem Tagesausflug zu historischen Stätten. Den Auftakt bildet die Mitgliederversammlung, auf der man trotz der satzungsgemäßen Formalitäten, die erledigt werden müssen, manche reizvolle Hinweise und Informationen erhält.

Domus-Rigensis-Mitgliederversammlung am 7.7.2017 im Haberland-Saal des Rigaer Museums für Stadtgeschichte und Schifffahrt, Foto: Werner von Sengbusch

 

Domus Juvenum: Baltische Lebenslust in Valmiera

„Domus Rigensis lebt,“ war das Fazit des Vorstandsmitglieds Werner von Sengbusch vor versammelter Runde im festlichen Haberlandsaal, der sich im Rigaer Museum für Stadtgeschichte und Schifffahrt befindet. Er ist erfreut, dass die Mitgliederzahlen wachsen und DR auch in diesem Jahr Neuzugänge begrüßen kann. Von Sengbusch ist zudem Schatzmeister und konnte von einer soliden Kassenlage berichten. Angesichts der geleisteten Arbeit ist das kleine Minus von 194 Euro leicht zu verkraften. Zur erfreulichen Entwicklung trägt der Nachwuchs bei, der bereits sechs Domus-Juvenum-Tage veranstaltet hat. Juvenum-Vorsitzende Libana Vancane ließ ihren Bericht vorlesen, weil sie sich gerade als Praktikantin des Deutschen Bundestages in Berlin aufhält. Bislang widmeten sich die Jüngeren kulturhistorischen und gesellschaftspolitischen Themen. Zum Jahreswechsel 2017/18 soll Neues erprobt werden: DR Juvenum wird sich diesmal in Valmiera (Wolmar) treffen, um sich der Lebenslust zu widmen: „Die schönen Seiten im Baltikum: Essen und Trinken, Singen und Tanzen.“ Vancane ermunterte die Älteren, ebenfalls an den Juvenum-Tagen teilzunehmen. Die Vorstandsvorsitzenden Vija Daukste und Manfred von Boetticher blickten auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Der DR-Vorstand und Geschäftsführerin Nora Rutka organisieren nicht nur das Treffen im Juli. Zum Jahresprogramm gehören zahlreiche Vorträge und Gedenkveranstaltungen. Manja Kliese, Vertreterin der Deutschen Botschaft, übermittelte die Grüße der Diplomaten und lobte die gute Zusammenarbeit. Sie wies auf die vielen historischen Verbindungen zwischen Deutschen und Letten hin, im Guten wie im Schlechten: Zu den Erinnerungen gehören 500 Jahre Reformation ebenso wie der Holocaust. Kliese erwähnte das Treffen des Riga-Komitees, einem Zusammenschluss deutscher Städte, deren jüdische Bürger 1942 nach Riga deportiert wurden, meistens in den Vernichtungslagern endeten. Über 70 Vertreter des Komitees, unter ihnen zahlreiche Bürgermeister, hatten sich jüngst in Riga getroffen und der Opfer gedacht.


Vollversammlung von Domus Rigensis im Haberlandsaal

Die Domus-Rigensis-Mitgliederversammlung war mit Vorträgen über die Reformation in Riga und dem Pietismus Magdalena von Hallarts verbunden, die Vortragenden waren Martin Pabst und Beata Paskevica, Foto: Werner von Sengbusch

Ojars Sparitis gewürdigt

Ojars Sparitis, Leiter der Wissenschaftlichen Akademie und langjähriges DR-Mitglied, hatte am 14.5.2017 den Kulturpreis der Deutsch-Baltischen Gesellschaft (DBG) erhalten. Er wurde ihm im Kaisersaal des Hamburger Rathauses überreicht. DBG-Vorsitzender Christian von Boetticher hatte die umfangreiche Forschungsarbeit des Kunsthistorikers gewürdigt. Deutschbaltische Kirchen- und Profanbauten sind sein Spezialgebiet. Sparitis` umfangreiches Wissen trägt dazu bei, dass das kulturelle Erbe der Deutschbalten wieder ins öffentliche Bewusstsein gelangt. Manfred von Boetticher hatte damals hinzugefügt: „Als Kunsthistoriker hat Ojars Sparitis viel zur positiven Entwicklung in den Beziehungen zwischen Letten und Deutschbalten beigetragen. Seine Forschungen und Veröffentlichungen zum deutschbaltischen kulturellen Erbe in Lettland, besonders zu Architektur und Kunst, bilden eine wichtige Grundlage für den gemeinsamen Dialog und für das gegenseitige Verständnis.1“ Von Boetticher erinnerte daran, dass Sparitis auf den Domus-Rigensis-Exkursionen ein ebenso kenntnisreicher wie unterhaltsamer Reiseführer ist, der die historischen Zusammenhänge lebendig darzustellen weiß. Sparitis bedankte sich auf der DR-Mitgliederversammlung für die Würdigung, die auch sein Engagement für diesen deutsch-lettischen Verein einbezieht. Bei dieser Gelegenheit wies er auf kommende Veranstaltungen hin, u.a. auf die Eröffnung einer Ausstellung in der Lettischen Nationalbibliothek am 11.7.2017, 16 Uhr, zum Werk des Malers und Literaten Karl Gotthard Graß (lbn.lv ), der 1767 im livländischen Dzerbene (Serben) geboren wurde. Er war ein Zeichenschüler von Johann Christoph Brotze. Später studierte er Theologie in Jena, lernte dort Friedrich Schiller kennen. Graß reiste in die Schweiz, nach Italien, bis Sizilien. Die Ausstellung „Malerische Reise von Serben bis Sizilien. Karl Gotthard Graß“ wird Zeichnungen, Gemälde und Handschriften präsentieren. Am 21. und 22.9.2017 ist in der Nationalbibliothek eine Konferenz zum 250. Geburtstag des Livländers geplant. An ihr werden Wissenschaftler aus Lettland, Deutschland, der Schweiz, Italien, Estland und Zypern teilnehmen. Das Deutschbaltische sorgt also für internationale Beziehungen, weit über Deutschland und Lettland hinaus. Graß` Werke sind bis zum 24.9.2017 im Saal I der Nationalbibliothek zu besichtigen. Vorstandsvorsitzende Vija Daukste gab ebenfalls eine Vorschau auf das Kommende: Im nächsten Jahr wird sich DR im Jahr des hundertjährigen Jubiläums der lettischen Staatsgründung gerade dieses historischen Umbruchs widmen: Bei den DR-Tagen 2018 soll die Zeit von 1918 bis 1920 im Mittelpunkt stehen, eine unruhige, blutige Zeit, in der sich die Letten von der deutschbaltischen Vorherrschaft emanzipierten, DR widmet sich auch den heiklen Themen. Martin Pabst, Gast der Lüneburger Carl-Schirren-Gesellschaft, der später noch einen Vortrag über seine Dissertation hielt, der Reformationszeit in Riga, führte die notwendigen Formalitäten, nämlich Entlastung des Vorstandes und seiner Wiederwahl, kurz- und schmerzlos durch: Es bestand kein Zweifel, dass die alten Mitglieder einstimmig zu den neuen gewählt wurden: Im lettischen Teil sind Ilona Audere, Vija Daukste, Silvija Pavidis, Ojars Sparitis und Liliane Vancane vertreten, im auswärtigen Manfred von Boetticher, Monika von Hirschheydt, Anita Kugler, Werner von Sengbusch und Philipp Schwartz.

1 Zit. nach dem DR-Info-Brief 2017-3

 

 

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