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Münster, 20.11.2017
Ausstellung „Luther. Umkehr“ in der Lettischen Nationalbibliothek PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 02. November 2017 um 10:04 Uhr

Eyne Christliche vormanung von eusserlichem Gottisdienste vnde eyntracht, an die yn lieffland / durch D Martinum Luther vnd andere

Merkators LivlandkarteAusstellung "Luther. Umkehr", Lettische Nationalbibliothek, Parterre, Mukusalas iela 3, Riga, bis zum 4.2.2018

Das Lutherjahr hat nun seinen Höhepunkt erreicht. Die Lehre des Wittenbergers  ist für die lettische Kulturgeschichte ähnlich bedeutsam wie für die deutsche. Riga gilt als eine der ersten Städte, in denen sich protestantischer Geist verbreitete. Unter dem Titel „Luther. Umkehr“ widmet die Nationalbibliothek in Riga dem bekanntesten Reformator eine Ausstellung. Unter anderem sind Drucke seiner Sendbriefe zu besichtigen, die er den Livländern zwischen 1523 und 1525 geschrieben hat.

Gerhard Mercators Livland-Karte, Foto: Saite

Spannende Ketzerlektüre

Lsm-Journalistin Mara Rozenberga fragte den Ausstellungskurator Andris Levans, weshalb Luther den Livländern Briefe schickte (lsm.lv). Livland war im 16. Jahrhundert noch ein Ordensland, das große Teile Lettlands und Estlands umfasste. Der katholische Herrscher Wolter von Plettenberg duldete die neuen Ideen, deren Verkünder anderswo als Ketzer verfolgt wurden. Für Luther seien Sendbriefe nichts Außergewöhnliches gewesen, meint Levans. Solche Texte hätte er vielen Städten gewidmet, in denen Bürger mit der römisch-katholischen Kirche unzufrieden waren. Luther wurde durch seine Bibelübersetzung allgemein bekannt. Seine zahlreichen Schriften verbreiteten die Buchdrucker als Flugblätter und Broschüren. Sie waren die verbotene Lektüre von einem Exkommunizierten und gerade deshalb reizvoll und populär. Trotz Plettenbergs Nachsicht sei das Lesen dieser ketzerischen Texte für Rigenser riskant gewesen. Bei Entdeckung hätten sie um ihren Besitz, Status, sogar um ihr Leben fürchten müssen. Auch wenn dies nicht dem protestantischen Geist entspreche, würden die Texte in Lettland wie Reliquien verehrt. Luther forderte die Livländer auf, Schulen zu gründen, von Gewalt abzulassen und zu einer angemessenen Gestaltung der Gottesdienste zu finden. Wahrscheinlich habe der Sekretär des Rigaer Rates, Johannes Lohmüller, Luther erstmals auf die Lage in seiner Stadt hingewiesen. Man wisse zwar nicht, ob Lohmüller überzeugter Lutheraner gewesen sei, doch er habe den Reformartor 1922 in einem Brief dazu aufgefordert, den Livländern zu schreiben, weil in dieser Gegend über die neue Lehre soviel bekannt sei, erläutert Levans.


"Man mus wissen/ das ymer unkraut zwischen dem rechten samen wechst/ wie das auff allen eckern Gottis werck beweyset/ und ym Euangelio Christus bestetiget Matth. Riij. J.tem/ es mus auff der tennen nicht alleyne reyn korn/ sondern auch huelsen und sprew drunter seyn/ Und S. Paulus spricht/ Inn eym hause sind nicht alleyne ehrliche gefesse/ sondern auch vnehrliche/ Aus etlichen isset und trinckt man/ mit den andern tregt und fegt man mist und allen unflat/ Also mussen vnter den Christe auch seyn/ rotten vnd vneynige geyster/ die den glawben vnd liebe verkeren und die leutte yrre machen." - Zitat aus dem Sendbrief von 1525, Quelle: lndb.lv


 

Straßburg zum Vergleich

Die Reformation gab den Anstoß zur lettischen Nation: Bald erschien eine lettische Bibelübersetzung, erste Texte wurden auf Lettisch geschrieben. Später unterrichteten Herrnhuter die lettischen Bauern. Durch die Alphabetisierung entwickelte sich eine lettische Intelligenz, die im 19. Jahrhundert die Nationalbewegung initiierte. Die Ausstellung in der Nationalbibliothek dokumentiert Luthers Werdegang und die Verbreitung seiner Lehre in Europa. Als Vergleich mit der Entwicklung im livländischen Riga wird das elsässische Straßburg herangezogen. Dem Besucher wird ein Eindruck vermittelt, wie sich Frömmigkeit im oberen Rheintal in sakraler Kunst und Kultgegenständen vor der Reformation gestaltete. Luthers Lehre verbreitete sich hingegen in Buchstaben. Die Ausstellung berücksichtigt vor allem die ersten lettischen Druckschriften, die unter seinem Einfluss entstanden sind. Auch die Drucke der Sendbriefe sind zu betrachten. Die lettischen Bibliothekare kooperierten mit Kollegen der Württemberger Landesbibliothek und der Straßburger Universitätsbibliothek. Sie erhielten ausländische Leihgaben aus der Bayrischen Staatsbibliothek, der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und der Universitätsbibliothek von Upsala. Die Exponate werden auf Lettisch und Englisch erläutert. Der Eintritt ist frei.

 

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