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Münster, 19.2.2018
100 Jahre Lettland: "Akademia - Performing Life" in Paris PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 20. Januar 2018 um 15:03 Uhr

Die alternativen Exilletten von Paris

Aija Bertrand und SchülerinnenIm Rahmen der umfangreichen Feierlichkeiten, die die Letten zum 100jährigen Staatsjubiläum in diesem Jahr organisieren, gehört auch der Veranstaltungszyklus "Übertragbare Landschaften" des Lettischen Zentrums für Zeitgenössische Kunst (LCCA), welcher den lettischen Künstlern im Exil gewidmet ist (lcca.lv). Neben einer Ausstellung im Rigaer Nationalmuseum, die am 27.4.2018 eröffnet wird, sind Veranstaltungen an den Stätten des lettischen Exils zu sehen, wo Künstler des eigenen Landes aktiv waren. Das LCCA organisiert in diesem und im nächsten Jahr Satellitenausstellungen in Berlin, Gotland und New York. Seit dem 13. Januar 2018 ist in Paris "Akademia: Performing Life" zu besichtigen.

Aija Bertrand und ihre Schülerinnen, fotografiert vom Ehemann, Foto: LCCA

 

Akademia: Performing Life

Villa Vassilieff, Avenue du Maine 21, 75015 Paris, bis 24.3.2018

Die lettische Tänzerin und Schriftstellerin Aija Bertrand gründete mit ihrem us-amerikanischen Ehemann Raymond Duncan 1920 in Paris die Kommune "Akademia". Sie lebten mit ihren Gesinnungsgefährten kapitalismuskritisch, orientierten sich an der Kultur der alten Griechen und der "natürlichen" Lebensweise der Letten. In ihrer Akademie konnte man Kunst- und Tanzkurse besuchen. Die alternative Einrichtung hatte eine Galerie und einen Verlag. Man veranstaltete Theater- und Tanzaufführungen. Viele Exilletten verkehrten hier, sogar die lettische Botschaft richtete in dieser Akademie Veranstaltungen aus. Laut einer Spiegel-Meldung aus dem Jahr 1949 organisierte Duncan damals einen Weltkongress und stellte ungewöhnliche Forderungen: "Er enthusiasmierte seine Anhänger mit dem Antrag, alle Rechtsanwälte, Beamte, Kaufleute und Sekretäre aus Paris auszuweisen und durch Philosophen, Maler, Dichter und Malermodelle zu ersetzen." (spiegel.de) Die Kuratorinnen des LCCA erinnern nun an das nonkonformistische, in Vergessenheit geratene Künstlerpaar: "Die Ausstellung `Akademia: Performing Life` handelt von der Geschichtsschreibung, von der Zusammenstellung der Fakten, Annahmen, Erinnerungen, Interpretationen und - wohl das Wichtigste - von der Stimme der zeitgenössischen Künstler. Die Künstler Lettlands und anderer Länder sind bestrebt, die Ideen freizulegen, welche die Akademie und die Lebensgeschichte von Aija Bertrand verkörperten: für ein alternativ ausgerichtetes Bildungssystem, kollektive Utopien, verschiedene schöpferische Ausdrucksformen und der Zusammenhang zwischen Kunst und Handwerk. Ebenso veranlasst die Ausstellung über widersprüchliche Aspekte dieser Kommune als Akademie nachzudenken: z.B. über den Personenkult, der von einer Reihe unkritischer Anhänger gepflegt wurde." Folgende Künstler gestalten die Ausstellung: Mercedes Azpilicueta, Ieva Balode, Yair Barelli, Ieva Epnere, Barbara Gaile, Daiga Grantina, Myriam Lefkowitz, Mai-Thu Perret und Andrejs Strokins. Zum Kuatorinnenteam gehören neben Solvita Krese und Inga Lace vom LCCA auch Camille Chenais, Mitarbeiterin des Kunst- und Forschngszentrums "Betonsalon".

 

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