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Münster, 16.7.2018
Lettische Kunstausstellungen im Mai 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 03. Mai 2018 um 13:03 Uhr

Fluxus im Exil, Modernität des Jugendstils und Überschwemmungen im Frühling

Straume, SkizzeValdis Abolins ist der Öffentlichkeit kaum bekannt. Als Twen engagierte sich der Exillette in den 60er Jahren in der Aachener Studentenszene, veranstaltete mit Fluxus-Künstlern ein Happening in der Hochschule - und sorgte prompt für einen Skandal. Ein Jahrzehnt später war Abolins Gschäftsführer der Westberliner Neuen Gesellschaft für bildende Kunst und machte lettische Künstlerinnen und Künstler in Deutschland bekannt. Abolins starb 1984 in Westberlin, sein Name steht stellvertretend für das Schicksal von Kulturschaffenden, die in der Diaspora einen Neubeginn wagten. Im lettischen Nationalmuseum ist den emigrierten Künstlern, die von Gotland bis New York eigene Zentren bildeten, eine Ausstellung gewidmet. Was ist typisch am lettischen Jugendstil? Diese Frage lässt sich beantworten, wenn man lettische und internationale Exponate jener Zeit vergleicht. Im internationalen Kunstmuseum Rigas Birza sind Grafiken, Bilder und verziertes Design aus der Jugendstilzeit zu sehen. Eine Künstlergruppe in Daugavpils beschäftigt sich mit dem Thema Flut im Frühling. Hier die Zusammenfassung von PR-Texten lettischer Museen für den Mai 2018.

Julijs Straume (1874-1970), Skizze, Foto: LNMM

 

Parnesajamas ainavas - Übertragbare Landschaften

Lettisches Nationales Kunstmuseum, Großer Saal, Jana Rozentala laukums 1, bis 17.6.18

Das Lettische Zentrum für zeitgenössische Kunst organisiert diese internationale Ausstellungsreihe über lettische Künstler im Exil vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Sie erzählt über das Leben der Emigranten, die im Ausland künstlerische Zentren bildeten, so in Paris, New York, Gotland und Westberlin. In Paris gründete die Tänzerin und Schriftstellerin Aija Bertrand mit ihrem Ehemann Raymond Duncan 1920 die Kommune "Akademia", um mit Gesinnungsgefährten ein kapitalismuskritisches, von altgriechischer Kunst und lettischen Traditionen inspiriertes Leben zu führen (LP: hier). In New York trafen sich lettische Literaten und Künstler in den 50er Jahren in der berüchtigten Hafengegend Manhattans und gründeten Ellis Kekis, die zur größten lettischen Exilgruppe anwuchs, ein kräftiger "Akkumulator" im intellektuellen Milieu, wie die Kuratorinnen anmerken. Zum Ellis-Kekis-Kreis gehörte Fridrihs Milts, dem das Nationalmuseum bereits im letzten Jahr eine Ausstellung widmete (LP: hier). Der Maler Laris Strunke floh mit seiner Familie im Zweiten Weltkrieg vor der Roten Armee über die Ostsee und kam nach Gotland. Für das künstlerische Exilantenleben in Deutschland steht der Name Valdis Abolins. Er machte in den 70er Jahren lettische Kunst im Westen bekannt, organisierte in Düsseldorf die Ausstellung "20 Künstler aus dem sowjetischen Lettland" und sorgte dafür, dass Maija Tabaka ein DAAD-Stipendium für Westberlin erhielt. Für Schlagzeilen sorgte Abolins, der rebellische Mann im Hintergrund, bereits 1964 als Student der Technischen Hochschule Aachen. Damals veranstaltete er den Gedenktag des 20. Julis mit Fluxus-Künstlern, unter ihnen Wolf Vostell, Joseph Beuys und Bazon Brock. Das Happening, das mit der Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?" begann, endete - wohl nicht unkalkuliert - im Tumult (LP: hier). Nach einem halben Jahrhundert Apo-Bewegung erinnern sich auch die Aachener an ihren einstigen rebellischen Studenten: "Valdis Abolins und wie der Fluxus nach Aachen kam" ist Thema einer Ausstellung im Aachener Ludwig Forum, die noch bis zum 19. August 1018 zu sehen ist. (ludwigforum.de) "Betrachtet man die fernere Geschichte, so stellt man fest, dass unter dem Druck des Krieges oder politischer und ökonomischer Veränderungen ununterbrochen Migration stattfindet. Das Exil, die Diaspora und Migration sind auch kennzeichnende Größen der weltweiten Kulturräume, dessen Ausdruck nicht nur Änderungen auf der Weltkarte bedingten, sondern auch den Boden zur Entwicklung einer besonderen Kunst- und Kulturtätigkeit bereiteten, indem man kulturelle Vermischungen und Überlagerungen gestaltete, neue Ideen und Richtungen hervorbrachte," so erläutern die Kuratorinnen Solvita Krese, Inga Lace, Diana Popova, Antra Priede-Krievkalne und Andra Silapetere ihre Veranstaltung (lcca.lv). Eine Satellitenausstellung wird demnächst in Berlin eröffnet.

Schiff Triina

Schiff Triina, das im September 1944 Flüchtlinge von Tallinn nach Schweden brachte, Foto: Estnisches Archiv in Stockholm


Jugendstils: Sakotne. Ietekmes. Savdabiba - Jugendstil: Beginn. Einflüsse. Eigenart

Kunstmuseum Rigas Birza, Großer Ausstellungssaal, Doma laukums 6, Riga, 4.5. bis 5.8.2018

Die Besucher Rigas wissen, dass das Jugendstil-Viertel zu den Attraktionen der lettischen Hauptstadt gehört. Hier können sie kreativ gestaltete Fassaden betrachten, vom Schlüsselloch-Dekor des Architekten Michael Eizenstein bis zum nationalromantischen Stil Eizens Laubes (LP: hier) . Der Jugendstil bezeichnet eine europäische Kunstströmung, die Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur die Architektur erfasste. Auch Maler, Bildhauer, Grafiker und Designer ließen sich von den feinen Linien und fantastischen Motiven des Jugendstils inspirieren. Ziel der Ausstellung ist es, den lettischen Jugendstil im europäischen Kontext zu zeigen. Die lettische Variante ist zwar spezifisch und farbig, wurde aber durch Entwicklungen in anderen Metropolen angeregt. Der Besucher kann Eigenarten und Wechselbeziehungen zwischen lettischen und ausländischen Exponaten erfassen. Die Kuratorinnen Daiga Upeniece, Laura Okdaldere, und Silvija Grosa betonen den aktuellen Bezug des Präsentierten: "Die Ausstellung umfasst eine recht weite Zeitperiode, Werke auslesend, die ihren Wert und künstlerische Qualität auch in der heutigen modernen Welt nicht eingebüßt haben, weil sie unserem heutigen Betrachterverständnis über Formästhetik und Ausgewogenheit entsprechen. Das ist der Versuch, den Spielplatz von Sentimentalitäten, neoromantischen Übertreibungen und Sinnlichkeiten zu reinigen und zur ursprünglichen Erzählung über die Harmonie der Natur und die Synthese verschiedener Kunstformen zurückzukehren." Diese Ausstellung kam in Zusammenarbeit mit internationalen Museen zustande: Das Museum Victoria-und-Albert in London, das Musee d`Orsais in Paris, das Königliche Kunst- und Geschichtsmuseum in Brüssel, das Sainsbury Centre in Norwich, das Badische Landesmuseum in Karlsruhe und das nationale Ciurlionis-Kunstmuseum in Kaunas.

Loetz, Flacon, Vase

Vase und Flacon aus der Fabrik Loetz in Tschechien um 1900, Foto: Sainsbury Centre/ LNMM

 

Daugavpils: Ein anderer Frühling - in der Flut

Mark-Rothko-Zentrum in Daugavpils, bis zum 24.6.2018

Das Zentrum lud Künstler aus der Region Lettgallen, um den sechsten Kunstfrühling zu gestalten. Sie sollten diesmal über das Thema "Flut" nachdenken. Die Menschen können den Frühling kaum erwarten. Dann kommt er mit Macht und überwältigt geradezu. Nicht nur das Tauwetter führt zu Überschwemmungen. Überschwemmt werden Landschaften mit plötzlich einsetzender Blütenpracht, Menschen mit Gefühlen der Sinnen- und Lebenslust. Folgende Künstler haben sich der Flut gestellt:

Agra Ritiņa, Aiva Žūriņa, Aivars Bulis, Aleksandra Šļahova, Alīna Petkune, Anastasija Bikova, Anatolijs Zelčs, Andris Ungurs, Anita Nikuļceva, Annele Slišāne, Baiba Priedīte, Daina Dzerkale, Diāna Apele, Edgars Vronskis, Eleonora Pastare, Elvīra Sprindžuka, Ēriks Volonts, Grieta Butjankova, Ilgvars Zalāns, Ilona Abdulajeva, Ilona Jepifanova, Ilona Linarte Ruža, Dace Pudāne, Ilze Griezāne, Ilze Fetjko, Ina Treliņa, Ināra Petruseviča, Inese Dembovska, Inga Salmiņa, Inga Vasiļjeva, Inguna Liepa, Ingūna Levša, Ivo Folkmanis, Jānis Plivda, Jeļena Ivancova, Jolanta Ābele, Karīna Korotkova, Ksenia Shinkovskaya, Lilija Zeiļa, Maija Bērziņa, Mairita Folkmane, Nataļja Marinoha, Nellija Dzalba, Oksana Vronska, Olga Fišere, Sanri, Silva Linarte, Svetlana Korkla, Uldis Čamans, Una Gura, Vija Stupāne, Viktorija Loktionova, Viktorija Valujeva, Voldemārs Kokorevičs.

 

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