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Münster, 14.11.2018
Lettland: Burgruine von Ludza wird saniert PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Freitag, den 22. Juni 2018 um 07:12 Uhr

Als Mönche Krieger waren

Burgruine von LudzaDie Mauerreste der livländischen Burg überragen romantisch die Kleinstadt Ludza (deutschbaltisch: Ludsen). Sie befinden sich auf einer Anhöhe zwischen dem Großen und Kleinen See des Ortes im Osten Lettgallens, unweit der russischen Grenze. Derzeit wird diese malerische Hinterlassenschaft des livländischen Ordens restauriert und für Touristen attraktiver gestaltet (ludza.lv).

Burgruine von Ludza, Foto: Valentīna Siliniece (w:lv:user:Rendija) - Latvian Wikipedia, CC BY-SA 2.5, Saite

 

Die Burg wurde wahrscheinlich Ende des 14. Jahrhunderts errichtet, als Meister Wennemar von Bruggenei das livländische Ordensland regierte. Die Mönchsritter hatten Eroberungspläne und Heiden durften mit päpstlicher Genehmigung im Marienland, so nannten die Katholiken die baltischen Gefilde, blutig unterworfen werden.

Die steinernen Festungen sicherten die militärischen Vorposten. Ludza gehörte als Nebenburg zur Vogtei Rezekne (Rositten). 1480 griff Ordensmeister Bernd von der Borch von hier aus das benachbarte Pleskau an und scheiterte. Ein Jahr später rächten sich seine russischen Widersacher, eroberten Livland und zerstörten Ludzas Burg erstmals. Zwar wurde sie wieder aufgebaut, doch sie blieb Zankapfel der benachbarten Großmächte Russland, Litauen, Polen und Schweden.

Als sich das Bauwerk 1599 im polnisch-litauischen Besitz befand, erfolgte eine Bestandsaufnahme, die erstmals einen Eindruck von seiner Beschaffenheit vermittelte: Damals krönte noch ein hölzerner Wachturm die Schutzmauern, die aus Eichenholz gefertigten Tore wurden von geschmiedeten Nägeln zusammengehalten, auf dem Gelände der Vorburg befanden sich mehrere Wirtschaftsgebäude, ein eingestürzter Keller und ein aus Ziegeln gebauter Burgfried, den Burgherr Skarbeks erneuern und erhöhen ließ. Er sorgte auch dafür, dass nach den Zerstörungen des Livländischen Krieges die Gebäude neue Schindeldächer erhielten. Zur Ausrüstung gehörten zehn Kanonen und 39 Flinten. Skarbeks hatte zudem pfundweise Schießpulver, Fässer mit Salpeter und neun eiserne Kugeln angeschafft.

Burg Ludza

Burgen waren einst Mittelpunkt der entstehenden Städte. Im Lettischen leitet sich das Wort "pilseta" für Stadt von "pils" ab, was Burg bedeutet, Foto: Ireina Mozeika, CC BY-SA 3.0

Trotzdem erachteten die polnisch-litauischen Inspektoren die Burg als „klein und schwach“, weil der Feind sie vom Nachbarhügel leicht einzunehmen vermochte. Weitere Schlachten folgten und bei einer Bestandsaufnahme von 1765 wurde die Burg nur noch als Ruine erwähnt (lv.wikipedia.org).

In den letzten Jahren zerbröselten die Überreste, daher wird das Areal seit 2016 nach archäologischen Kriterien saniert. Nächstes Jahr soll mit dem dritten Bauabschnitt begonnen werden, der das Gelände für Touristen attraktiver machen wird: Eine Fußgängerbrücke und eine Aussichtsplattform sollen gebaut, Bänke und Laternen aufgestellt und das Gemäuer beleuchtet werden (diena.lv). Dann kann der Besucher noch in tiefer Nacht über die Denkwürdigkeiten der Menschheitsgeschichte nachsinnen.

Die Kommune Ludza plant dafür Ausgaben in Höhe von etwa 600.000 Euro, wovon der überwiegende Teil aus dem EU-Entwicklungsfonds finanziert wird. „Ludzas Burghügel mit der Burgruine des Livländischen Ordens ist die Visitenkarte unserer Stadt. Er befindet sich im historischen Zentrum und man muss gewiss feststellen, dass er eines der beliebtesten touristischen Stätten ist,“ so bewertet Museumsspezialistin Aina Losevica die livländische Hinterlassenschaft, die sie zudem als recht bedeutsames historisches Objekt erachtet (lsm.lv).

Felsen am Gauja-Ufer

 

 

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