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Münster, 15.12.2018
Lettische Kunstausstellungen im August 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 04. August 2018 um 00:00 Uhr

Grosvalds, Soldaten auf Rigas Straßen

J. Grosvalds, Soldaten auf Rigas Straßen, Foto: LNMM

Moderne lettische Kunst - 1919 und heute

Ein Jahr nach der Staatsgründung waren lettische Künstler Avantgardisten, die sich am neuen Staat und seiner Gesellschaft beteiligten. Sie gestalteten den Tag der Arbeit und dekorierten ein Cafe für Bohemiens. Zugleich dienten sie als Aushängeschild der jungen Republik, die mit dem Hinweis auf eigene kulturelle Leistungen ihre internationale Anerkennung erringen wollte. Li Bond stellt ihr Burka-Modell in die lettische Landschaft und bezeichnet damit auf mannigfaltige Art Unzugänglichkeit. Dainis Pumpurs ließ statt lettische Landschaft die dicken Mauern einer zur Ausstellungshalle umgewidmeten Festung auf sich wirken. Hier die Zusammenfassung von PR-Informationen lettischer Museen für den Monat August.

1. Mai 1919 auf der Rigaer Esplanade

1. Mai 1919 auf der Esplanade in Riga, Foto: LNMM

Das Jahr 1919 – der Lettischen Republik – 1

Im Museum Romans Suta und Aleksandra Beļcova, Elizabetes iela 57a, Wohnung 26, Riga, bis 20.10.218

Im Jahr 1919 begingen die Letten den ersten Geburtstag ihres neuen Staates. Diese Ausstellung erinnert an das künstlerische und kulturpolitische Leben jener Zeit. Die jungen Künstler hatten sich damals zur Vereinigung der Expressionisten zusammengeschlossen. Zu ihr gehörten heute noch bekannte Namen, neben Romans Suta auch Konrads Ubans, Valdemars Tone, Oto Skulme, Jekabs Kazaks und Niklavs Strunke. Sie errangen Selbstbewusstsein und verglichen sich mit der Avantgarde Westeuropas und Russlands. Sie nahmen in Riga an einer großen Retrospektive lettischer Kunst teil, die alte Meisterwerke von Janis Rozentals und Vilhelms Purvītis, aber auch ungewöhnliche Bilder der jungen Generation präsentierte. Die lettische Presse nannte deren modernen Ausdruck “interessant”. Zur Gruppe zählte auch Romans Sutas Lebensgefährtin, Aleksandra Belcova, die erste lettische Malerin der Moderne, die sich damals entschied, in Lettland zu bleiben. Sie wird in dieser Ausstellung besonders berücksichtigt.

Aleksandra Belcova

Malerin Aleksandra Belcova, Foto: LNMM

Die junge Kunstavantgarde nahm am gesellschaftlichen Leben teil und beeinflusste die Kulturpolitik. Sie gestalteten die Festivitäten zum 1. Mai in Riga* und dekorierten die Innenausstattung des Boheme-Cafes Sukub nr. 6. Außenminister Zigfrids Meierovics wollte, dass man im Ausland von der lettische Kunst Notiz nahm. So wollte er Lettlands internationale staatliche Anerkennung “de jure” beschleunigen. Das Außenministerium förderte deshalb die Präsentation lettischer Kunst in anderen Hauptstädten. Der Künstler Jazeps Grosvalds, Sekretär der lettischen Delegation, schrieb in diesem Sinne in der in Paris erscheinenden La Revue Baltique Artikel über seine Kollegen.

*hier muss zur Ergänzung hinzugefügt werden, dass am 1. Mai noch die bolschewistische Regierung Riga beherrschte, einige Wochen später eroberte die bürgerliche Regierung die Stadt.

Künstlergruppe im Cafe Sukubs

Boheme im Cafe Sukub nr. 6, Foto: LNMM

Doch dies sind nur einige der Themen, mit welchen sich Kuratorin Elvija Pohomova beschäftigt hat: “Große Ausstellungen, die Gründung von Hochschulen und Museen, die Blüte des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens – die Chronik der Ereignisse innerhalb der Ausstellung werden durch dokumentarisches Material und künstlerische Arbeiten des Museums Romans Suta und Aleksandra Belcova, das Lettische Nationalmuseum, das wissenschaftliche Dokumentationszentrum des LNMM, das Kriegsmuseum und aus Sammlungen des Mukusala Kunstsalons illustriert.”

Ubans, Frau

Ubans, Eine Frau, Foto: LNMM

Li Bond: 2. sezona – Epizodes/ 2. Saison - Episoden

Kunsthalle Arsenals, Atelier in der 2. Etage, Torna iela 1, Riga, 10.8. bis 16.9.18, Eröffnung am 9.8.18 um 18 Uhr

Die Multimedia-Künstlerin Li Bond beschäftigt sich in dieser Ausstellung mit einem im Westen beargwöhnten Kleidungsstück: Der Burka. Sie zieht es ihrem Modell an, das sie in verschiedenen ländlichen Umgebungen positioniert. "Der größte Teil der Aufnahmen wurde auf Landgütern gemacht, wo im Verlauf vieler Jahre das Beobachtete der erste Impuls zur Gestaltung der Ausstellung wurde. Sie sind wie ein recht kinematographischer Ort, wohin wir uns begeben, um vom Lärm der Stadt auszuruhen und Energie zu tanken. Die Schönheit der Natur fesselt mich immer mehr, die Gewalt und Kraft, das Interesse an der Wechselwirkung des Menschen mit ihr," meint die Künstlerin, die Ähnlichkeiten zwischen einer lange dauernden künstlerischen Arbeit und der Serienproduktion entdeckt hat. Einzelne Kompositionen seien wie unverbundene Episoden gestaltet, die aber ein bestimmter Stil kennzeichnet. Dessen innere Dynamik begreife man erst, wenn man die einzelnen Teile in ihrer Gesamtheit erfasst habe. Die Musik zu den Videos stammt von den Komponisten Arturs Punte und Linda Leimane. Li Bonds interdisziplinäres Vorgehen ist bedingt durch ihr Interesse an Räumlichkeit, Klang, Bewegung und Rhythmus. Zusammenarbeit und Gedankenaustausch mit anderen kennzeichnen ihren Schaffensprozess.

Li Bond, 2. Saison

Li Bond, 2. Saison, Foto: LNMM

Die Überlegungen zur Fraulichkeit sind ihr ein wichtiges Thema. "Es war wichtig, ein einheitliches Gewand zu schaffen, dessen Anonymität aufzuzeigen, aber sich nicht auf direkte Weise mit islamischen Traditionen zu identifizieren. Der Parandscha oder die Burka sind in ihrer Totalität sehr wirksame Zeichen, fundamental, geheimnisvoll, lakonisch und fraulich. Sie untergraben irgendwelche Unterschiede des Alters und des individuellen Äußeren, verkörpern das Ende der Unterhaltung, gefügig und kompromisslos, sie ängstigen sich vor Veränderungen, welche hier langsamer vonstatten gehen, anders und im kleineren Maß als sie an vielen Orten Europas erfolgen. Im Kontext Lettlands gewinnt das Kleidungsstück eine andere Färbung, bewahrt dabei aber einen Teil seiner symbolischen Bedeutung," erläutert Li Bond ihre Burka-Episoden in lettischer Landschaft. Li Bond verarbeitet auf pfiffig hinterhältige Art aktuelle soziale und politische Themen vor dem Hintergrund europäischer und lettischer Geschichte, erforscht dabei das Verhältnis der oder des einzelnen zur Gesellschaft. Die Künstlerin wurde als Liena Bondare 1980 in Aluksne geboren. Sie studierte an der Lettischen Kunstakademie. Die Ausstellung zur 1. Saison fand letztes Jahr in Litauen statt. Insgesamt hat sie bereits elf Werkausstellungen ausgerichtet. Zudem nahm sie an zahlreichen internationalen Ausstellungen und Festivals teil, u.a. an der Survival Kit 7 in Riga. Werke von ihr sind u.a. im Kloster Bentlage in Deutschland zu sehen.

Li Bond, 2. Saison

Li Bond, 2. Saison, Foto: LNMM

Daugavpils: Dainis Pundurs: Eksposizija cietoksni - Die Ausstellung in der Festung

Mark-Rothko-Zentrum, Daugavpils, bis 9.9.2018

Der Keramiker setzt sich mit der besonderen Räumlichkeit auseinander, in der seine Ausstellung stattfindet: Einer Festung, die zum Museum für moderne Kunst umgewidmet wurde. "Im Raum der Ausstellungsobjekte ist es etwas anderes als im eigenen Kunstatelier, denn dieses bildet eine eigene Umgebung - die Realität der Werkstätte, die für Besucher nicht offensteht und wo begonnene Arbeiten nie vollständig fertig werden. Die Arbeit auszustellen bedeutet, sie direkt für den Moment vorzubereiten, wenn der Blick des Betrachters sich auf sie richtet, und, natürlich, die räumliche Situation, die von mehreren Faktoren bestimmt wird, beeinflusst die Wahrnehmung des Betrachters. Die Geschichte der Festung ist durch die Renovierung der Mauern und Fundamente nicht auszulöschen. Das Tageslicht, welches in diesen Räumen die ausgestellten Exponate beleuchtet, erhält eine eigenartige Vorahnung." Dainis Pundurs wurde 1965 in Kraslava geboren. Er studierte Keramik an der lettischen Kunstakademie, an der er später als Lehrer arbeitete. Er gestaltete zwölf Soloausstellungen und nahm an zahlreichen Gruppenaustellungen, auch in Deutschland, teil. Pundurs gilt als Meister der Töpferscheibe und gewann zahlreiche Preise.

 

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