logo
Münster, 14.12.2018
Das Kunstfestival Survival-Kit 10 wird eröffnet PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 06. September 2018 um 00:00 Uhr

Arrogante Beziehungen zwischen kulturellen Zentren und Peripherien

Rigas Zirkus, InnenraumSurvival-Kit, das jährliche Festival des Lettischen Zentrums für zeitgenössische Kunst (lcca.lv), fiindet zum zehnten Mal statt. Die Veranstaltung, einst in der ökonomischen Not der Finanzkrise entstanden, gehört inzwischen zu den kulturellen Höhepunkten des Rigaer Veranstaltungskalenders. Vom 6. bis 30. September können sich die Besucher wieder in einem leerstehenden Gebäude mit zeitgenössischen Installationen, Videos, Aktionskunst, Vorträgen un Diskussionen auseinandersetzen. Diesmal wurde das alte Zirkusgebäude in der Merkela iela 4 ausgewählt, das vor einigen Jahren wegen Baufälligkeit geschlossen wurde und seitdem saniert wird.

Im Zirkus von Riga, Foto: LCCA

 

Survival-Kit-10 hat gleich drei unterschiedliche Titel: Out-Lands, Tuksa telpa (lettisch für "leerer Raum") und Leerstelle - denn in diesem Jahr beteiligt sich auch das Rigaer Goethe-Institut am Festival. Diesmal wollen die Veranstalterinnen die traditionelle Teilung der Kulturäume in Zentren und Peripherie infrage stellen. Die LCCA-Kuratorinnen Solvita Krese und Inga Lace erhalten Unterstützung von Sumesh Sharma, die aus Mumbai anreist und von Angels Miralda, die in Barcelona, Santiago de Chile und Berlin arbeitet.

Zur diesjährigen Survival-Kit formulieren die Kuratorinnen Folgendes: "Vor einigen Jahren, als Riga sich mit dem Titel der europäischen Kulturhauptststadt rühmte, kehrten sich Diskussionen zum Thema um: Wie sehr wird Riga auf der Karte europäischer Hauptstädte als bedeutendes kulturelles Zentrum wahrgenommen? Folgt man dem Grundton dieser Diskussionen, ließ sich der bezeichnende osteuropäische Minderwertigkeitskomplex und der Wunsch erkennen, ein gleichwertiger Mitspieler im europäischen Kulturraum zu werden, vergleichbar mit den Hauptstädten westeuropäischer Staaten, aber auch Tendenzen, den Status eines kulturellen Zentrums zu bekräftigen angesichts der Errungenschaften zur Blütezeit Lettlands zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

Unzweifelhaft heizten diese Diskussionen offensichtlich die paternalistischen und zuweilen arroganten Beziehungen zwischen Zentren und Peripherien zwischen dem alten und neuen Europa zuweilen ziemlich an, was leider auch nach der Vereinigung zwischen West- und Osteuropa keine verschwundenen Erscheinungen sind. Doch, wenn man mal von den eigenartigen Wendungen solcher Diskussionen absieht und sie von einer anderen Seite betrachtet, können wir Riga als eine der sogenannten Outlands wahrnehmen, zu dem gehörend, was bislang kaum bewusst ist, aber mit wirksamem Potenzial für das aufgeladene Osteuropa, in dem Riga, Prag oder Sofia den selbstgenügsamen, schöpferischen Ausbruch in der seismischen Zone bilden.

Das bedeutet nicht, dass Riga das neue Berlin ist, aber doch die Bestätigung gestattet, vom beschränkten eurozentristischen Gesichtspunkt heraustretend, dass dieses Mal auf der Weltkulturkarte Mumbai bedeutender ist als Paris - oder auch die Untauglichkeit solcher Gewichtungen anzuerkennen: Größe, Popularität usw. als ebensolche Maßstäbe.

Regelmäßig beansprucht das Festival Survival Kit den Begriff "Outlands" für die Haltung, die traditionelle geopolitische und kulturräumliche Trennung in Zentrum und Peripherie anzuzweifeln, um sich kompliziert gestaltende Prozesse der Identität zu erhellen. Outlands bestehen nicht immer nur geographisch; sie können sich auf jeglichem Territorium befinden, für das eine schwierige politökonomische Situation charakteristisch ist, das sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne an sich hat, schwerer erreichbar zu sein.

Beispielsweise sind im Sinne der Erreichbarkeit die Länder des Westens viel leichter zugänglich und anmutiger als Kiew, Bukarest oder Ljubljana, mit denen wir in der jüngeren Geschichte verbunden sind, obschon alle diese Orte von Riga ähnlich weit entfernt sind. Durch das Thema "Outland" wendet sich das Festival auch den für Lettland und die Welt wesentlichen globalen Migrationsfragen zu, die von einer Reihe von anderen Problemen aktualisiert werden: Rassismus, wachsender Rechtsnationalismus und Intoleranz gegen andere."

Am 6. September um 18 Uhr wird das Festival im Korridor des Zirkusgebäudes mit Performance-Darbietungen eröffnet, danach wird eine Crazy-Clowns-Disco die Besucher zum Tanzen bringen, das Eröffnungsprogramm wird auch an den folgenden Tagen fortgesetzt.

Öffnungszeiten der Ausstellung
Mo     geschlossen
Di      geschlossen
Mi      14.00 - 20.00
Do     14.00 - 20.00
Fr     14.00 - 20.00
Sa    12.00 - 20.00
So    12.00 - 20.00

Tickets
Einzelticket 3.00€
Eintrittskarte für Schüler, Studenten, Renter 1.00€
Familienticket (2 Erwachsene, 2 Kinder) 4.00€
Festivalticket (unlimitierte Besuche) 5.00€

 

(C)2006-2011 Lettische Presseschau Impressum || Kontakt ||