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Münster, 23.10.2018
Lettische Kunstausstellungen im Oktober 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Sonntag, den 30. September 2018 um 14:05 Uhr

Gemeinsame Kunst jenseits nationaler Grenzen

Ausstellung Die Ausstellung "Shared History" in der "Rigaer Börse" verdeutlicht, dass Kunst sich nicht an nationale Grenzen und Identitäten bindet. Sie lässt sich von allen Phänomenen auf dieser Welt inspirieren und beeinflussen, die ihr zugänglich sind. Im Mark-Rothko-Zentrum zeigt eine Ausstellung die Zusammenhänge und Wechselwirkungen künstlerischen Schaffens, in diesem Fall von Marc Chagall und Jonas Danilauskas. Eine ungewöhnliche Ausstellungsart ist im Rigaer Nationalmuseum zu betrachten: Dort hängen Bilder in Augenhöhe der Kinder. Die kleinen Besucher können sich Szenen zwischen Mensch und Tier anschauen. Haustiere als Freunde des Menschen inspirieren dazu, über Freundschaft, Mitgefühl, Liebe und Verantwortung nachzudenken. Hier die Zusammenfassung von PR-Texten lettischer Museen für den Oktober 2018.

Ausstellung "Geteilte Geschichte", Foto: LNMM

 

Kopiga vesture - Geteilte Geschichte (Shared History)

Kunstmuseum Rigas Birza, Doma laukums 6, Riga, bis zum 30.11.18

Das Lettische Zentrum für Zeitgenössische Kunst widmet sich diesmal dem Bestand des Nationalen Kunstmuseums, zu dem auch die Sammlungen des internationalen Museums Rigas Birza gehören, und organisiert aus dessen Exponaten diese Ausstellung. Kuratorin Inga Lace arbeitete mit lettischen und internationalen Künstlern zusammen, um die Besucher zu neuen Sichtweisen anzuregen. Die Veranstalter möchten Wechselwirkungen zwischen örtlichen und internationalen kulturellen Erscheinungen sowie Zusammenhänge zwischen Kunstkollektionen, künstlerischer Arbeit und allgemeinen historischen und politischen Prozessen aufdecken. Als Material dient die Kollektion von Rigas Birza, die bis vor der Zeit der lettischen Staatsgründung 1918 zurückreicht und deren Grundlage die Sammlungen deutschbaltischer Ratsherren und Kaufleute lieferten, die der Stadt Riga anvertraut wurden. "Das Museum selbst widerspiegelt gewissermaßen die Geschichte des lettischen Staats, dessen Verwirklichung in verschiedenartiger staatlicher Gestalt, als Teil eines Imperiums und einer Union mit dem besonderen hinterlassenen Erbe jeder Epoche. Die Basis dieser Kollektion umfasst die Kunst Altägyptens und der Antike, Westeuropas, Russlands und Asiens, mit besonderer Berücksichtigung von Sammlungen aus China, Indien und Japan," erläutert Lace. Die beteiligten Künstler ließen sich von den Kollektionen zu neuen Arbeiten inspirieren, zudem sind Exponate aus dem Bestand zu sehen, die noch aus sowjetischer Zeit stammen. Sie wurden beispielsweise zum Indien-Festival im Jahr 1987 ausgestellt. Besondere Berücksichtigung finden die Werke von Claire Holt (1901-1970), eine aus Lettland stammende us-amerikanische Kunsthistorikerin, Anthropologin und Indonesien-Spezialistin. Sie ergänzt gewissermaßen die im Bestand befindlichen Indonesien-Exponate, beginnend mit der indonesischen Malerin Raden Saleh (1807-1880) und ihrer Arbeit "Löwenjagd" bis zu ethnografischen Artefakten. Der Titel der Ausstellung leitet sich vom englischen Begriff "shared history" ab, der in unterschiedlichen Kontexten verwendet wird, um historische Ereignisse jenseits nationaler Grenzen zu beschreiben. Das Gemeinsame erfolgt an verschiedenen Orten gleichzeitig, oft sind die Ereignisse mit Konflikten verbunden, wenn man beispielweise die Kolonialgeschichte darstellt oder versucht, die Folgen der heutigen Migration in einer neuen Weise zu beschreiben. "Die Kollektion des Kunstmuseums `Rigas Birza` dient im Kontext dieser Ausstellung als Ausgangspunkt für neue gemeinsame historische Narrative," meint Lace. Die Ausstellung ist Teil eines EU-Projekts gleichen Titels. "Es ist ein interdisziplinäres Projekt. Im Zusammenhang mit Migration und Integration in Schweden, Polen und Lettland betrachtet der künstlerische Erkundungsprozess des Projekts im baltischen Rahmen solche Fragen wie politische Gestaltung, rechtliche und geographische Grenzen, Statistik, Identität, gesellschaftliches Denken und Postfaktizität." Weitere Informationen zum EU-Projekt: www.sharedhistory.eu.

Ausstellung

Ausstellung "Geteilte Geschichte", Foto: LNMM

Kurs kuram draugs? - Wer ist wessen Freund? Ausstellung für Kinder

Lettisches Nationales Kunstmuseum, Saal in der 4. Etage, Jana Rozentala laukuma 1, Riga, bis 28.10.2018

Ursprünglich verwendete der Mensch die Tiere vor allem, um sie schwere physische Arbeit verrichten zu lassen, später entwickelte sich zwischen Menschen und Haustieren eine Art Freundschaft. Die Kuratorinnen Laura Dravniece und Anna Putele möchten diese besonderen Beziehungen zwischen verschiedenartigen Lebewesen nutzen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen, sie dazu anzuregen, über Freundschaft, Vertrauen, Mitgefühl, Liebe und Verantwortung nachzudenken. Sie fanden im Bestand des Nationalmuseums Dutzende hervorragende Tier-Darstellungen als Bilder, Grafiken und Skulpturen. "Sie decken die Muster mancher Wechselbeziehungen zwischen Menschen und Menschen, Menschen und Tieren sowie zwischen Tieren auf. Die Ausstellungsbesucher werden die dem Menschen vertrautesten Vertreter der großen und kleinen Tierwelt begegnen - Hunde, Katzen, Pferde, Hühner und andere Bewohner eines Bauernhofs. Die Anwesenheit der Tiere im Haushalt ist seit jeher eine selbstverständliche Erscheinung." Die Bilder sind in kindgerechter Höhe aufgehängt. Sie werden Exponate aus dem frühen 19. Jahrhundert bis heute zu Gesicht bekommen. Zu sehen sind Meister des Tierporträts wie vom deutschbaltischen Maler und Jäger Johann Heinrich Baumann oder von Teodors Zalkalns, einem der ersten lettischen Bildhauer. Zu sehen sind zudem Bilder und Zeichnungen prominenter Malerinnen und Maler der lettischen Kunstgeschichte, die sich mit dem Verhältnis zwischen Menschen Tieren beschäftigten, z.B. Janis Rozentals oder Jekabs Bine.

Liepina-Griva: Zane

Gunta Liepina-Griva: Zane. 1974, aus der LNMM-Kollektion. Foto: Normunds Braslin, LNMM

Daugavpils: Chagall eins und zwei

Mark-Rothko-Zentrum, Daugavpils, bis zum 4.11.2018

Die Ausstellung bringt die Werke zweier Künstler, die zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten lebten bzw. leben, in einen Dialog. Marc Chagall (1887-1985), der französische Maler russisch-jüdischer Herkunft, emanzipierte sich von Expressionismus, Kubismus und Surrealismus und entwickelte seinen eigenen, unnachahmlichen Stil. Thematisch ließ er sich von slawischer Volkskunst sowie jüdischen und biblischen Motiven inspirieren. Die Bibel bezeichnete er als "Quelle größter Poesie für alle Zeiten". Für Bibelillustrationen besuchte er in den dreißiger Jahren das Heilige Land von Syrien bis Ägypten. Der Medienkünstler und Kritiker Remigijs Venckus stellt dazu fest: "Wenn auch die Texte der Dichtkunst und der Malerei in verschiedenen Sprachen mit dem Betrachter sprechen, zeigen Chagalls persönliche Bezüge zu den Bibeltexten, dass das Gemeinsame, also ursprüngliche Narrative in der Kulturgeschichte, weiterhin heutige Betrachter anzuregen vermag. In diesem Fall kann man ein Gemälde als Philosophie anschauen: die Art des Menschenwerks, welches nicht nur neue Denkmodelle ermöglicht, sondern auch zu einer Definition des Lebens ermuntert." Wie Chagall sieht man auf den Bildern von Jonas Danilauskas (geboren 1950) häufiger Engel, doch diese gestaltet der litauische Künstler nicht aus biblischen Motiven. Daniliauskas malt das Landleben mit ihren Bewohnern in ebenso spontaner wie verwirrender Weise. Nostalgisch bilden Szenen des Dorfs, in dem er geboren wurde, die Vorlagen für sein Schaffen. Venckus zur Vergleichbarkeit und zu den Gemeinsamkeiten der beiden Künstler: "Die Einfachheit von Danilauskas Malerei und die Ähnlichkeit mit Chagalls Kunst fesseln die Aufmerksamkeit des Betrachters und lässt ihn in die Vergangenheit zurückkehren, als jene die Bilder der Volkskunst brauchten, die zu sehen, aber nicht zu schreiben vermochten. Daher wirken die Gemälde wie ein Spiegel der Vergangenheit und die Vergangenheit wird dabei als ein inspirierendes Element der Kunst wahrgenommen."

 

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