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Münster, 14.12.2018
Lettische Kunstausstellungen im Dezember 2018 PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 01. Dezember 2018 um 11:30 Uhr

Wiederentdeckungen

Form.Farbe.Dynamik 1Das 100jährige Jubiläum der Republik bietet auf vielfache Art Gelegenheit, sich an Ereignisse und Vorgänge der Kulturgeschichte zu erinnern, dabei Vergessenes wiederzuentdecken. Die Kuratorinnen des Designmuseums fragten sich, was die Gestaltung spezifisch lettischer Gebrauchskunst kennzeichnet. Sie wollen Trends, aber auch besondere Höhepunkte der Designgeschichte aufzeigen. Dazu gehört die Erinnerung an die erste kinetische Ausstellung in Lettland, mit Objekten, wie sie erstmals auf sowjetischem Territorium zu sehen waren. In Daugavpils beteiligen sich die Mitarbeiter des Mark-Rothko-Zentrums an der Wiederentdeckung eines Schweizer Malers, der die Landschaftsmalerei ebenso meisterlich wie die Porträtkunst beherrschte. Hier die Ausstellungshinweise, zusammengefasst aus den PR-Texten lettischer Museen für den Dezember 2018.

Impression aus der Ausstellung "Form, Farbe, Dynamik" von 1978, Foto: LNMM

 

Riga: Tiesa Laika. Dizaina stasti par Latviju — Zeitgemäß. Design-Erzählungen über Lettland

Museum für dekorative Kunst und Design, Skarnu iela 10, Riga, bis 27.1.2019

Die Kuratorinnen des Designmuseums vergegenwärtigen 100 Jahre lettische Designgeschichte. Die Gestalter alltäglicher Gegenstände sollen einem Produkt die optimale Form geben, die sowohl den zweckmäßigsten Gebrauch ermöglicht als auch den ästhetischen zeitgenössischen Vorstellungen entspricht. Designgeschichte ist also sowohl von der technischen Entwicklung als auch vom Wandel des zeitgenössischen Geschmacks abhängig. Der Besucher sieht in der Ausstellung exemplarische Beispiele, von den Textil- und Möbelentwürfen Ansis Cirulis` und Julijs Madernieks` in den 20er Jahren, Produkten des staatlichen Technikkonzerns “VEF” der 30er Jahre (in dessen Hallen unter anderem die Minox-Kamera entwickelt wurde), Service der Rigaer Porzellanfabrik aus den 60er Jahren oder den “Möbeln für junge Menschen”, die Zaiga und Maris Gailis entworfen haben. “Die Ausstellung `Tiesa Laika` blickt auf 100 Jahre seit der Gründung Lettlands zurück, in welcher sich das Design stufenweise zu einer selbstständigen Disziplin entwickelte, die sich von der Kunst, Architektur, Handwerk und Fabrikation absonderte. Diese Ausstellung wird keine chronologische Erzählung über das Erreichte im Schnitt des Jahrhunderts bieten, statt dessen werden gewisse historische Designepisoden gruppiert, um nach gemeinsamen Themen und Ausgangspunkten in der Arbeit verschiedener Designergenerationen aufzuspüren,” erläutert Museumsleiterin Inese Baranovska.

Madernieks

Design des Künstlers Julijs Madernieks, Foto: LNMM

Riga: Forma. Krasa. Dinamika. 40 — Form. Farbe. Dynamik. 40

Museum für dekorative Kunst und Design, Skarnu iela 10, Riga, vom 7.12.18 bis 17.2.2019

Die Ausstellung der Künstler Valdis Celms, Arturs Rinkis und Andulis Krumins gilt als Wendepunkt in der lettischen Kunstgeschichte. Zum Jahreswechsel 1978/79 erlaubte sich das Trio in der Rigaer Petrikirche für die Ideologen des damaligen sozialistischen Realismus` ziemlich formalistische Frechheiten: Abstrakte und kinetische Kunst, die damals mit dem Begriff «unikales Design» bezeichnet wurde. Erstmals konnte so etwas auf dem Territorium der Sowjetunion öffentlich gezeigt werden. Die ideologisch abweichenden Künstler suchten nach neuen Wechselbeziehungen und Synthesen zwischen Bildhauerei und Architektur, gestalteten futuristische Projekte, in denen die Bewegung im Mittelpunkt des bildnerischen Schaffens stand. «Gerade die ästhetische Qualität der Bewegung war eine der kräftigsten und überraschendsten Eindrücke in dieser Schau,» meint Museumsleiterin und Kuratorin Irena Buzinska. Sie will nun zum 40jährigen Jubiläum an dieses herausragende Ereignis erinnern. Dabei stand sie vor dem Problem, dass ein Großteil der damals gezeigten Arbeiten, teils monumentale Konstruktionen, nicht erhalten ist. Sie wandte sich deshalb an technische Museen, Bibliotheken und Archive in Riga, um an Pläne, Fotos und Dias zu kommen. Das Designmuseum zeigt nun erstmals den Ausstellungsplan, wie ihn damals Valdis Celms entworfen hatte. Der Besucher kann zudem Fotokopien damaliger Arbeiten, Arbeitsskizzen und Fotomontagen betrachten. Außerdem ist Celms` kinetische Skulptur «Rotierende Zylinder» von 1972 zu sehen.

Form.Farbe. Dynamik

Plakat zur Form. Farbe. Dynamik-Ausstellung von 1978 mit Porträts der Künstler, Foto: LNMM

Liepaja: Peteris Taukulis, Izstadi Nr. 4 – Ausstellung Nr. 4

Museum Liepaja, Kurmalas prospekts 16/18, Liepaja, bis 30.12.2018

Taukulis` Kunst gilt als Beziehungskunst zwischen Farben. Beziehungen sind überhaupt sein Thema: Beziehungen zu den Mitmenschen, zu sich, zu Gott oder auch unser Verhältnis zu den Gegenständen vom Geld bis zu Fernsehen und Computer. Taukulis` Kunst macht jeden Moment sichtbar, bei dem es bei einem abwechslungsreich gestalteten Gesamtbild ankommt: Ausgewogenheit, Rhythmus, die Beziehungen zwischen Hell und Dunkel – das Ausbalancieren der Teile sind die Elemente, mit denen ein Maler komponiert. Taukulis zeigt die Verbindung der Kunst mit dem Leben und wie das alltägliche Leben in die Kunst kommt. Das Verhältnis zwischen Kunst und Leben wurde das Leitmotiv des Künstlers, der an der Universität Liepaja sein Fach studierte und dessen Arbeiten auf einigen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen waren, u.a. auf der Kunstarkade 2011 in München.

Taukulis
Bild aus der "Ausstellung Nr. 4" von Taukulis, Foto: Museum Liepaja

Daugavpils: Julius Voegtli (1879-1944)

Mark-Rothko-Museum, Daugavpils, bis 13.1.19

Der Schweizer studierte Kunst in München. Er interessierte sich besonders für französische Impressionisten und Paul Cezanne. Diese Vorbilder beeinflussten seine eigene Landschaftsmalerei, bei der er auf stereotype Darstellungen seines Landes, nämlich hohe Berge und tiefe Schluchten, weitgehend verzichtete. Er malte lieber die liebliche Landschaft seiner Heimat am Bieler See, die mit ihrer farbigen Blütenpracht ein wenig der Provence gleicht. Als Meisterwerk gilt sein Bild “Florenz” von 1933. Auf impressionistische Art konzentriert sich Voegtli nicht auf Details der Flusslandschaft am Ponto Vecchio, sondern auf das Farbenspiel der Stadtarchitektur und ihrer Widerspiegelung im Arno. Genauso verstand sich der in Malters geborene auf die Porträtkunst. Die Bilder, die er von den örtlichen Ratsherren anfertigte, erinnern die Mitarbeiter des Mark-Rothko-Zentrums an Rembrandt. Er versah die Abgebildeten mit typischen Details und passte auch seinen Malstil an. An seinem Lebensende, schwer erkrankt, porträtierte Voegtli noch dunkelhäutige Spahis. Diese Soldaten waren ursprünglich osmanische Reiter gewesen und wurden dann von den französischen Kolonialherren übernommen. Sie kämpften im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutsche Wehrmacht. Als Hitlers Armee 1940 Frankreich besetzte, gelang es einem Teil von ihnen, in die Schweiz zu flüchten. Voegtli malte die Kämpfer mit ausdrucksstarken Gesichtern, stolz und willensstark in ihrer rotfarbenen Kleidung. Das Mark-Rothko-Zentrum will nun seinen Beitrag zur Wiederentdeckung dieses interessanten Malers leisten. Seine Nachfahren pflegen die Privatsammlung, die bislang nur selten außerhalb der Schweiz gezeigt wurde. Die größte Ausstellung mit Voegtli-Bildern war vor einem Jahr in der chinesischen Stadt Kunming zu sehen. Voegtli-Bilder sind auch im Internet zu betrachten: julius-voegtli.ch

 

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