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Münster, 20.4.2019
Letten gehören zu den eifrigsten Museumsbesuchern PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 07. Februar 2019 um 00:00 Uhr

Der typische Museumsbesucher ist eine Besucherin

TuraidaSowohl in der lettischen Hauptstadt als auch in der Provinz haben kulturell Interessierte vielfältige Möglichkeiten, ein Museum nach ihrem Geschmack zu finden: Beispielsweise in Riga die Filialen des Nationalen Kunstmuseums mit dem frisch restaurierten Haupthaus, dem ähnlich prächtigen Gebäude für internationale Ausstellungen in der ehemaligen Börse oder der Ausstellungshalle Arsenals, wo moderne Kunst zu sehen ist. Auch in der Provinz kommt der Museumsbesucher nicht zu kurz: In Cesis kann er neben einer großen Ordensburgruine ein Museum besichtigen, das die Landesgeschichte umfassend dokumentiert. Kunst- und Geschichtsmuseen sind kulturelle Zentren in Liepaja, Ventspils oder Daugavpils. Hinzu kommen Museen zu Spezialthemen wie z.B. das Eisenbahnmuseum in Riga-Pardaugava, die zu Museen umfunktionierten Geburtshäuser von Schriftstellern, Militärs und Politikern und die für die Allgemeinheit zugänglichen ehemaligen Herrenhäuser des deutschbaltischen Adels. Lettland hat 115 staatlich anerkannte Museen, 71 von 119 lettischen Gemeinden verfügen über solche. Forscher der Lettischen Kulturakademie (LKA) ermittelten die Besucherzahlen und jene Gruppen, die häufiger als andere ins Museum gehen.

Die Burg Turaida bei Sigulda war 2017 das lettische Museum mit der größten Besucherzahl, Foto:  DaTroll - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

 

LKA-Wissenschaftler erstellten im Auftrag des lettischen Kulturministeriums 2018 den Forschungsbericht „Die Bedeutung lettischer Museen für verschiedene gesellschaftliche Zielgruppen: Die Wechselbeziehung zwischen Museen und Gesellschaft“ (lka.edu.lv). Die sozialwissenschaftliche Arbeit ermittelte sowohl quantitative (Zahlen) und qualitative (Meinungen, Wertungen) Daten aus allgemeinen statistischen Quellen als auch aus eigenen Umfragen und Erhebungen. In Lettland haben im europäischen Vergleich Museen großen Zuspruch:

Zahl der Museumsbesuche pro 1000 Einwohner im Jahr 2017:

Dänemark

2815

Estland

2627

Österreich

2089

Niederlande

2023

Lettland

1913

Schweiz

1580

Litauen

1458

Deutschland

1361

Italien

830

Lettland liegt, pro Kopf berechnet, im europäischen Vergleich an fünfter Stelle. Obwohl sich die lettische Bevölkerungszahl seit 1990 um 27 Prozent vermindert hat, steigen die Besucherzahlen seit 1993 kontinuierlich an. Damals erreichte in den schwierigen Übergangsjahren die Besucherzahl mit 487 pro tausend Einwohnern einen Tiefpunkt.

Die LKA-Wissenschaftler ermittelten die Museen mit den größten Besucherzahlen im Jahr 2017:

Museumsreservat Turaida

 

265 352

Schloss Rundale

 

255 600

Rigas Museum für Stadtgeschichte und Schifffahrt

223 379

Kunstmuseum "Rigas Börse"

222 642

Lettisches Nationales Kunstmuseum

215 558

Außerhalb Rigas gehören auch die Burg von Bauska (182.837), das Geschichts- und Kunstmuseum von Cesis (100.869) und das Museum Ventspils (96.565) zu den fünf am meisten besuchten Museen.

Die Forscher hatten zudem das Ziel, jene Gruppen zu ermitteln, die häufiger in Museen gehen und jene, die sich kaum zu einem Rundgang durch ein Museum entschließen können. Der typische Museumsbesucher ist eine Besucherin: Frauen besuchen die Kulturstätten häufiger als Männer, besser Verdienende (in Lettland ab 600 Euro monatlich pro Familienmitglied) häufiger als Geringverdiener (bis 299 Euro), Lettischsprachige häufiger als jene mit russischer Muttersprache, Jüngere (15 bis 34jährige) häufiger als ältere (65 bis 74jährige), besser Gebildete häufiger als jene mit geringer Bildung, Rigenser häufiger als Bewohner von Lettgallen, Erwachsene mit minderjährigen Kindern häufiger als Alleinstehende.

Ein Teil der Besucher kritisierte mangelnde Informationen und zu hohe Eintrittspreise. Die LKA-Forscher betrachten Ältere, Landbewohner, Russischsprachige usw. nicht als prinzipielle Museumsmuffel, sondern deuten an, dass sie vom Museumsmarketing bislang vernachlässigt wurden:

„Die Mehrheit der Museen macht Schülern, Familien mit Kindern und örtlichen Einwohnern besondere Angebote, aber ausgesprochen selten Russischsprachigen, Menschen mit Behinderungen, ausländischen und einheimischen Touristen, Jugendlichen.“

 

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