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Münster, 23.5.2019
Hoffnung für Schloss Cirava (Zirau) PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 21. Februar 2019 um 17:30 Uhr

Italienischer Besitzer verspricht Sanierung

Schloss CiravaDie kleine Gemeinde Cirava, die sich in der Region Kurzeme (Kurland) befindet, etwa 200 Kilometer von Riga entfernt, ist ein typisch lettischer Erholungsort für großstadtgeplagte Touristen: Hier können sie sich auf den Pfaden eines der ältesten Waldparks des Landes entspannen. Rund um das Schloss sind besondere Arten von Fichten, Zedern, Buchen und Korkbäumen gepflanzt. In der Umgebung kommen Jäger und Angler auf ihre Kosten. Leider ist das Zentrum dieser Idylle baufällig und eine Gefahr für Passanten: Schloss Cirava (deutsch: Zierau), einst eines der prächtigsten Herrenhäuser im Westen Lettlands, ist nur noch eine Ruine mit blättrigem Putz, verbretterten Fenstern und löchrigem Dach. Doch nun will der italienische Besitzer mit der Sanierung beginnen.

Schloss Cirava in idyllischer Umgebung, Foto: J. Sedols, CC BY 3.0, Saite

Niedergang begann mit der Privatisierung

Der Leitspruch der Gemeinde lautet: „Die Vergangenheit ehren wir, die Gegenwart gestalten wir, von der Zukunft träumen wir!“ Was das denkmalgeschützte Schloss betrifft, muss noch viel gestaltet werden, um das Herrenhaus im Stil der Neugotik zu würdigen und ihm eine Zukunft zu verschaffen. Derzeit sollte man dem Bau wegen herabfallender Teile nicht zu nahe kommen. Alles sei in Ordnung gewesen, als der ehemalige deutschbaltische Adelssitz nach seiner Enteignung 1920 als Schule und in sowjetischer Zeit als Mittelschule für Agrarwirtschaft genutzt wurde, erläutert Gemeindevorsteher Artis Canders den Lsm-Journalisten. Der Niedergang habe mit der Privatisierung in den 90er Jahren eingesetzt (lsm.lv). Seitdem wechselte das Schloss mit dem 10 Hektar großen Gutsgelände mehrmals den Besitzer, seit 2013 gehört die Immobilie einem Italiener. „Wir versuchten uns zu verständigen und zu verstehen, was er hier zu tun wünscht, wie seine Pläne aussehen, doch bis heute gibt es keine wirkliche Klärung und das Schloss fällt allmählich zusammen,“ sagte Canders noch Ende 2018. Die Gemeinde beauftragte den Besitzer, das Gelände zu sichern und zu umzäunen. Dessen Vertreter Uldis Rozentals widerspricht der Aussage Canders`, dass nichts geschehen sei, erste Sicherungsmaßnahmen seien erfolgt. Man habe Reparaturen am Dach vorgenommen, nur der Ostturm sei noch gefährlich. Rozentals kündigt ab dem Frühjahr umfangreiche Sanierungsarbeiten an, die mindestens 5 Millionen Euro kosten sollen. Leider äußerte er sich nicht zur zukünftigen Nutzung. Ob hier Wanderer in Zukunft Brot, Bier und Bett bekommen werden?

Cirava, Zeichnung von Stavenhagen

Cirava auf einer Zeichnung von Wilhelm Siegfried Stavenhagen, Foto: Saite

Ein Ort lettischer Kulturgeschichte

Der Herrensitz wurde 1752 errichtet und in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts umgebaut. Seit 1875 hat das Gebäude eine neugotische Fassade. Im Inneren sind Reste von Wand- und Deckengemälden im Stil der Neorenaissance erhalten. Das Gebäude ist mit unikalen technischen Systemen ausgestattet, die die 30 Räume beheizten und die Bewohner mit Wasser versorgten (cirava.lv). Die Gemeinde Cirava erlangte über die Schlossarchitektur hinaus kulturelle Bedeutung: 1832 gründete hier der deutschbaltische Geistliche Johann Christoph Wolter mit Unterstützung des örtlichen Barons die erste Schule für lettische Volkslehrer in Kurland. Daraus ging das Lehrerseminar der kurländischen Ritterschaft in Irmlau hervor. Lettische Intellektuelle wie Andrejs Spagis und Ernests Dinsbergs waren Schüler dieses Seminars gewesen. Bis 1920 blieb das Gut mit seinen Parkanlagen und Nebengebäuden im Besitz der Familie Manteuffel-Szoeges, bis die Agrarreform der lettischen Regierung die Besitzer enteignete.

 

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