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Münster, 24.4.2019
Mentzendorff-Haus in Riga präsentiert Bilder und Dokumente von Karlis Grube PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 06. April 2019 um 00:00 Uhr

„ein seltenes Exemplar im kunsthistorischen Kontext“

Mentzendorff-HausGuntis Svitins ist Kurator dieser Grube-Ausstellung, die noch bis Ende April im Mentzendorff-Haus in der Grecinieku iela 18 in Riga zu sehen sein wird. Der Kunsthistoriker macht es sich zur Aufgabe, einen weitgehend unbekannt gebliebenen Künstler der Öffentlichkeit zu präsentieren. Grubes typisch lettische Biographie, die im us-amerikanischen Exil endete, ließ ihm keine Muße, als Maler größere Anerkennung zu finden. Er erlebte nur zweimal Einzelausstellungen seiner Bilder, einmal 1934 im kurländischen Kuldiga (Goldingen) und 1972 in seiner Wahlheimat Portland. Zum Verhängnis wurde ihm offenbar, dass er den „falschen“ Politiker porträtiert hatte.

Das Mentzendorff-Haus in Riga, Foto: LP

Svitins zeigt Grubes Bilder, illustriert sein Leben mit Fotos und Dokumenten. Er erforscht ihn, weil man weder in den USA noch in Lettland viel über ihn wisse (historia.lv). Karlis Eduards Grube wurde am 26. Januar 1902 auf dem Gutshof Kempen in der Gemeinde Evele an der estnischen Grenze geboren. Seine Eltern verdienten ihren Unterhalt als Händler. Von 1921 bis 1930 studierte er an der Lettischen Kunstakademie figurative Kunst im Atelier von Janis Roberts Tillbergs. Zwei Jahre nach Abschluss seiner Diplomarbeit „Feierlicher Schwur“ zog er nach Kuldiga, um dort am staatlichen Gymnasium und in einer Gewerbeschule zu unterrichten. Er hat zahlreiche Motive dieser idyllischen Kleinstadt an der Venta gemalt. Seine figürlichen Kompositionen zeigen das Kleinstadtleben, die tagtäglich zu verrichtende Arbeit und die örtliche Gesellschaft.

Zum Verhängnis wurde ihm offenbar, dass er ausgerechnet am 14. Juni 1940, als die Rote Armee in Lettland einfiel, dem örtlichen Gymnasium zwei gemalte Porträts feierlich übergab: Eines bildete den romantischen Dichter Vilis Pludons, das andere den bis zu diesem Tage herrschenden Diktator Karlis Ulmanis ab. Im Gegensatz zu seinem Lehrer Tillbergs, der Stalin porträtierte, hatte Grube offenbar die „falschen“ Personen gezeichnet. Für Svitins ist das der Grund, weshalb die sowjetischen Besatzer ihn zu verfolgen begannen. Viele seiner Gemälde wurden vernichtet, auch seine Diplomarbeit, die bis 1940 im Offiziersclub des Kriegsministeriums zu sehen war. Sowjetische Soldaten rissen das Gemälde von der Wand und es verschwand. Svitins erforschte das Motiv dieses Werks, das von Liga Jansone nachgebildet wurde.

1944 begab sich Grube mit seiner Mutter und der Schwester Aija ins Exil, seine schwangere Schwester Laima blieb in Kuldiga zurück. Sie fanden zunächst in einem Flüchtlingslager der bayrischen Stadt Amberg Zuflucht. Dort arbeitete Karlis mehrere Jahre als Zeichenlehrer in einer lettischen Exilschule. 1948 begab er sich getrennt von seiner Familie nach Großbritannien, wo er für ein Londoner Hostel als Dolmetscher arbeitete, er beherrschte sechs Sprachen. Er reiste in den Süden und schrieb seiner Schwester Laima begeistert: „Besonders tief und nachhaltig sind die in den Ländern des Südens, Italien, Andalusien, Griechenland gewonnenen Impressionen, die ich in vielen meiner Bilder zum Ausdruck bringe.“

Schließlich begann er mit seinen Angehörigen 1958 ein neues Leben im US-Bundesstaat Oregon, wurde Angestellter in der Personalabteilung einer Großhandelskette in Portland, in der er bis zur Rente arbeitete. 1972 zeigte er 125 seiner Bilder in einer Einzelausstellung im Masonic Temple. Nach Meinung seines Forschers führte Grube ein asketisches Junggesellenleben, habe Patriotismus im Herzen gehabt, an den lettischen Verein Oregons und an die Kirche gespendet und auf seine alten Tage das Seniorenheim „Rigas maja“ geleitet. Am 21. Dezember 1998 ist er gestorben.

Svitins stellt in Bezug auf das künstlerische Schaffen Grubes Eigenwilligkeit heraus: “Als Student war Karlis Grube ein seltenes Exemplar im kunsthistorischen Kontext, denn er verstand gerade das so zu malen, wie er es selbst wollte – hier der Garten seiner Schwester in Strenci, wo seine Eltern lebten – hell, impressionistisch sind sie oft gemalt, frei, experimentell.“

 

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